Ho-ho-ho liebe nities,
Weihnachts- und Adventszeit gleich Familienzeit. Weihnachtszeit ist aber auch die Zeit, die man gerne mit Freunden verbringen möchte. Man möchte Menschen, die man mag, ganz bewusst zeigen, wie gern man sie hat, möchte ihnen eine Kleinigkeit schenken oder etwas mit ihnen unternehmen. Und als nitie möchte man neue Leute kennenlernen. Wo trifft man sich also derzeit besser, als auf einem stimmungsvollen Weihnachtsmarkt zu Glühwein und Bratwurst?
Das meinen viele Leute, wenn man die Anzeigen bei NIT in den letzten Tagen durchgestöbert hat. Auch Lena aus Berlin, die jetzt in Heidelberg lebt, war dabei. So schaltete sie neulich folgende Anzeige auf der NIT-Pinnwand:
„Lust über den Weihnachtsmarkt zu schlendern? Wer mag mit mir am Wochenende den Weihnachtsmarkt in Heidelberg besuchen? Treffpunkt ist Sonntag um 17 Uhr am Brunnen vor der Heiliggeistkirche. Freue mich auf Eure Zuschriften.“
Kaum hatte sie ihre Annonce veröffentlicht, platzte ihr virtueller Briefkasten bereits aus allen Nähten. So ist es, wenn eine Frau etwas postet!
Natürlich meldeten sich hauptsächlich Männer, auch zweideutige Antworten bekam sie. Doch Lena wollte ja kein Date ausmachen, sie wollte einfach nur den Weihnachtsmarkt besuchen. So schrieb sie nur drei Männern zurück, ging dabei nach Bauchgefühl vor und außerdem noch zwei Frauen, die ihr nett geschrieben hatten. Zwei Mal drei, das ist eine gute, ausgewogene Truppe, dachte sie. Man muss ja außerdem immer damit rechnen, dass der ein oder andere kurzfristig absagt oder einfach gar nicht kommt. Aber selbst zu viert hätten wir Spaß, entschied Lena. Alle fünf Angeschriebenen antworteten prompt und bestätigten ihre Teilnahme. Der erste Schritt war gemacht und Lena freute sich auf Sonntag.
Sonntag, 16:45 Uhr: Lena stand bereits 15 Minuten vor der verabredeten Zeit am Brunnen, der im Winter allerdings mit einer Holzplatte abgedeckt ist. Das Wetter war angenehm. Sie schaute sich um und überlegte, ob einer der in der Nähe stehenden Marktbesucher vielleicht ein nitie war, eine ihrer Verabredungen? Vielleicht stand er oder sie auch schon in der Nähe und beobachtete sie? Spannend, wer wohl auf sie zukommen würde? Ob alle fünf kommen würden? Eine junge Frau schritt zielstrebig auf sie zu, lächelte schon von Weitem.
„Hallo, ich bin Agnes“, stellte sie sich vor.
„Ach, kuschelkatze_23, stimmt’s?“, lachte Lena.
Kuschelkatze_23 war natürlich ihr Pseudonym.
„Ja, das bin ich“, antwortete sie.
Kaum waren die ersten Worte gewechselt, tauchten wie aus dem Nichts zwei Männer auf. „Bist du Lena, Lena_aus_Marzahn?“, fragte der eine. Das war Lenas Nickname. Viele nities nennen erst mal Namen und Pseudonym. Andere hingegen geben diesen selten vor allen Leuten preis. Manchmal ahnt man auch wieso: Ich möchte nicht wissen, wie viele Kuschelkatzen, Schmusebären oder noch komischere Nicknamen ausgedacht werden … 
„Ich bin Torsten, einfach nur Torsten“. Der große, schlanke Student reichte allen die Hand.
„Marco, oder besser Biker_36“, stellte der zweite Mann sich vor.
„Du bist nicht zufällig Motorradfahrer?“, grinste Agnes.
„Wie bist du da drauf gekommen?“, zwinkerte Marco zurück.
Na soweit verstehen wir uns ja schon mal, dachte Lena, die sich für die Gruppe und das Miteinander irgendwie verantwortlich fühlte.
Schon kamen noch zwei Leute, eine Frau und ein Mann, auf sie zu.
„Ihr seid sicher die NIT-Gruppe?“, fragte eine weibliche Stimme unsicher.
„Genau.“ Gesichter drehten sich herum.
„Ich bin Anne, Hallo.“ Die blasse, junge Frau wirkte etwas schüchtern.
„Ich bin der Chris“, stellte der zuletzt hinzugekommene Typ sich vor.
„Dann sind wir ja vollzählig, wow.“
„Das ist in der Tat ungewöhnlich“, stellte Marco fest. „Bisher sind die Leute nie vollzählig erschienen, was ich auch gemacht habe.“
„Tolle Organisation eben“, lobte Agnes.
„Na dann mal los“, schlug Lena vor.
Sie kannte den Heidelberger Weihnachtsmarkt seit vielen Jahren und plante, am Kornmarkt mit der Tour zu beginnen. Während die Gruppe über den Markt schlenderte, beschnupperten sie sich mit den üblichen Fragen über die Herkunft, den Beruf, Hobbys und wie sie zu NIT gefunden haben. Noch waren sie alle etwas zurückhaltend. Auf dem Kornmarkt, am Fuße des Heidelberger Schlosses, stellten einige Handwerksbetriebe ihre Ware aus und es gab ein Kinder-Karussell. Anne kaufte sich prompt ein paar dicke Winterstrümpfe an einem der Stände.
„Ich friere immer so schnell“, erklärte sie.
„Also ich brauche jetzt erst mal einen Glühwein“, meldete Marco sich zu Wort. „Das ist mein Rezept gegen Kälte.“
„Ich brauche auch einen.“
„Dito.“
Auf ging’s also zum ersten Glühweinstand. Für 2,50 Euro pro Becher (der übliche Preis ist 2,20 Euro) war das ein angemessener Durchschnittspreis. Die Truppe stieß an und trank. Kaum war ein Roter weg, bestellte Chris ungefragt für alle eine zweite Runde. Alle freuten sich. Die Stimmung wurde lockerer.
„Also ich muss jetzt erstmal was essen“, bemerkte Lena. „Mir steigt der Rote ganz schön zu Kopf.“
„Auf zur nächsten Bratwurstbude.“
Auf dem Marktplatz vor der Heiliggeistkirche gab es eine ganze Menge leckerer Sachen zu kaufen. Agnes probierte an einem Stand die frischgebackenen Zimtsterne. Auf einmal fing Anne zu singen an: „Ein Stern, ein Stern, la la la.“ Sie musste laut lachen und schien gar nicht mehr aufhören zu wollen oder zu können. Agnes hakte Anne bei sich ein und musste auch kichern. „Wir haben doch erst zwei Rote getrunken“, bemerkte sie. „Mir ist schon ganz schwindelig.“ Lena spürte ihren leichten Schwips natürlich auch, fühlte sich aber noch ganz gut dabei. Die Männer luden zu einer dritten Runde Glühwein ein.
„Für mich nicht mehr“, lehnte Lena ab. „Ich muss noch fahren.“
„Was, du bist mit dem Auto auf dem Weihnachtsmarkt? Das kann doch nicht wahr sein!“
Sie erntete ungläubige Gesichter.
Inzwischen hatte sich der Markt schon ganz schön gefüllt. Die kleine Truppe stand dicht gedrängt zusammen. Die Männer schienen die Körpernähe zu genießen, besonders Marco die zu Agnes. Lena beobachtete am Nebentisch, wie der Hund eines jugendlichen Weihnachtsmarktbesuchers genau unter dem Stehtisch sein großes Geschäft verrichtet. Die Jugendlichen lachten darüber nur. Lena ärgerte sich. Dass dort gleich jemand reintreten würde, das stand bei dem Gedrängel außer Frage.
Sie widmete sich wieder ihrer Gruppe. Doch irgendwie kam kein vernünftiges Gespräch mehr zustande. Einige waren mittlerweile ganz und gar nicht mehr verkrampft. Marco machte Agnes inzwischen eindeutige Angebote und Lena ahnte, sie würden den Markt heute sicher gemeinsam verlassen. Die eingangs schüchtern wirkende Anna sang immer noch irgendwas von Sternen und Weihnachtsglocken. Lena kam sich fast schon wie eine Spaßbremse vor, weil sie sich nicht betrinken wollte. Dabei war sie als Ex-Berlinerin mit ihrer typischen „Berliner Schnauze“ eigentlich sonst auch immer ziemlich lustig. Aber ohne einen gewissen Alkoholpegel konnte sie den Spaß, den die anderen zu haben schienen, nicht nachvollziehen. Torsten stand allerdings auch eher still dabei. Mühsam überredete die Organisatorin die anderen, doch noch endlich mal weiter zu laufen, zum Uniplatz zum Beispiel. Dort gäbe es die meisten Stände und auch ihre Lieblingshütte befinde sich dort, ein Stand mit Silberschmuck. Nach längerem Überreden trabten die fünf angeheiterten nities – halt, es waren ja nur noch vier (!?!?) – ihr schwerfällig hinterher. Torsten war auf einmal nicht mehr dabei! Lena befürchtete, ihm hat die Wirkung des Rotweins auf die Gruppe auch genervt und er habe sich bereits stillschweigend abgesetzt. Lena konnte es durchaus nachvollziehen, denn sie kämpfte gegen ähnliche Gedanken an. Bevor sie den Stand des Schmuckateliers erreichen konnten, blieben Agnes, Anne, Marco und Chris bei einem weiteren Glühweinstand hängen. Irgendwann konnte Lena sich dann ihren Wunsch erfüllen und sich endlich absetzen. Die anderen haben ihre Verabschiedung nicht mal mitbekommen, da sie nur noch am Grölen, Singen und Lachen waren. Sie hörte, wie Anne irgendwas sang, das klang wie „What shall we do with a drunken nitie early in the evening?“
Irgendwie hatte sich Lena einen Ausflug auf den Weihnachtsmarkt ganz anders vorgestellt. Da wollte sie einfach nur nette Leute kennenlernen und letztendlich hatte sie eine anstrengende Gruppe Betrunkene am Hals. Die Ex-Berlinerin wird wohl so schnell keine Leute mehr für einen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt zusammentrommeln. Da ist ihr ein gepflegtes Gläschen Rotwein in einem netten Weinlokal bei netter, gepflegter Konversation doch um einiges lieber.
So schön ein Weihnachtsmarkt auch sein kann, so viel Spaß, wie es macht Leute kennenzulernen und so lustig man durch Alkohol auch wird, zu viel von allem ist einfach zu viel. Das war Lenas Erlebnis auf dem Weihnachtsmarkt. Wie sind Eure NIT-Ausflüge denn bisher verlaufen? Laut Anzeigen sind ja einige von Euch bereits schon zusammen auf einem Weihnachts- oder Christkindelmarkt gewesen. Erzählt doch mal.
Eure Katja