„Nach der nächsten Kurve auf die Fähre fahren“
Servus nities,
benutzt Ihr auch Navigationssysteme, um ein fremdes Ziel zu erreichen?
Ich komme seit drei Jahren gar nicht mehr ohne aus. Es ist schon toll, keine Karten mehr zu studieren, Himmelsrichtungen zu definieren oder Fremde nach dem Weg fragen zu müssen. Einfach das Ziel eingeben und los geht’s. Das Tolle ist auch, dass das Gerät wirklich minutengenau die Ankunftszeit errechnet. Während der Fahrt wird natürlich anhand von Fahrgeschwindigkeit, Staubildung oder zähflüssigem Verkehr immer wieder nachgerechnet, doch selten weicht die Ankunftszeit von der Ursprungsberechnung ab, bei mir zumindest. Auf mein billiges Navi einfachster Ausführung kann ich mich eben verlassen. Immer wieder lese ich von unglaublichen Geschichten, die erzählen, ein Navi hätte den Fahrzeugführer in einen Fluss gelenkt oder ähnliches. Das kann ich nicht nachvollziehen. Mein Navi warnt mich vor so was.
Einmal hatte ich mich beispielsweise zu einer Drachenboottour über die VHS angemeldet. Wisst Ihr alle, was das ist? Das sind bunte, extrem lange Boote, die durch die Bemalung oder Schnitzerei einen Drachen darstellen. Die Paddelboote stammen ursprünglich aus China. Rechts und links sitzen die Paddler hintereinander und paddeln gleichmäßig zum Takt eines Trommlers, der im vorderen Teil des Bootes sitzt. Hinten steht der Steuermann und feuert die Paddler zusätzlich an. Seit ich einmal im Rahmen eines Firmenevents an so einer Bootstour teilgenommen hatte, liebe ich diesen Sport. Doch leider gibt es nicht so viele Gelegenheiten, mitzumachen. So freute ich mich über das Angebot der VHS.
Neben NIT ist die VHS übrigens auch eine tolle Gelegenheit, als Neubürger Leute kennenzulernen. Man könnte sich aber auch zusammen über die Pinnwand zu einem VHS-Kurs verabreden.
Die Bootstour sollte in Rüdesheim am Rhein starten. Aber da musste man erst einmal hinkommen …
An dem besagten Samstagmorgen fuhr ich pünktlich von zu Hause aus los. Mein Navi errechnete eine Stunde Fahrtzeit. Alles verlief planmäßig, bis mein technisches Gerät irgendwann mit seiner scheppernden Stimme zu mir sagte: „Nach der nächsten Kurve auf die Fähre fahren.“ Nanu??? Erst mal wusste ich gar nicht, was gleich auf mich zukommen würde. Fuhr ich nicht schon eine ganze Weile geradeaus am Rhein entlang? Ich hatte eine Brücke erwartet, denn die Zielfahne des Navigationsgerätes flatterte ja bereits auf der anderen Uferseite. Kurz drauf kam ich an die besagte Kurve und stand doch tatsächlich am Ufer. Dort ging es nicht mehr weiter.

Da mir so etwas bisher noch nicht passiert ist, war ich doch etwas irritiert, ob überhaupt eine Fähre kommen würde und wann? Zum Glück war ich nicht die Einzige, die dort wartete, und wurde schnell über den Fahrplan der Autofähre aufgeklärt: alle halbe Stunde. Natürlich war die Fähre gerade erst abgefahren und wir mussten 20 Minuten warten. Das kam mir nicht gerade entgegen, denn das Drachenboot sollte in wenigen Minuten ablegen. Half aber alles nichts, denn an dieser Stelle gab es vorerst kein Weiterkommen.
Nach einer Viertelstunde konnte man die Fähre sehen. Das war schon spannend und hatte was von einer Urlaubsreise. Durch die Lautsprecher der Autofähre drang alte Shanty-Musik und ein Kassierer ging persönlich rum, um die Fährgebühr von ein paar Euros einzusammeln.


Auf der anderen Uferseite angelangt, brauste ich schnurstracks den Weg lang, den die Stimme aus dem Gerät mir vorschlug. Es ging wieder am Rheinufer entlang, ein Stück des Weges zurück, das ich auf der anderen Seite zurückgelegt hatte. Zu meiner Linken fiel mein Blick auf ein Drachenboot, welches am Ufer des Flusses entlang fuhr. In mir stiegen unschöne Vorahnungen auf. Meine Uhr zeigte außerdem 20 Minuten nach der angegebenen Ablegezeit an. Ob die Gruppe tatsächlich so pünktlich abgelegt hatte? Ich hoffte, dass dem nicht so war und fuhr weiter zum Bootshaus. Alles leer. Irgendwann traf ich auf einen einsamen Kioskbesitzer und steckte meinen Kopf aus dem Fenster meines Autos, um mich zu erkundigen, ob ich am richtigen Bootshaus sei. „Die Gruppe hat vor 25 Minuten abgelegt, da sind Sie jetzt zu spät“, antwortete er mir. „Oh nein!“, ärgerte ich mich. Ich denke, ich sollte beim nächsten Mal solche unerwarteten Ereignisse mit einplanen. Es kann ja immer mal eine Autofähre, die nur zwei Mal in der Stunde verkehrt, dazwischenkommen. Das war also nix. Ein Ausflug, der unerwartet etwas anders verlaufen war. Aber ein Abenteuer war es allemal.
Dennoch würde ich so einen Ausflug gerne noch einmal machen, mit VHS, NIT oder beiden zusammen.







Kaum hatte sie ihre Annonce veröffentlicht, platzte ihr virtueller Briefkasten bereits aus allen Nähten. So ist es, wenn eine Frau etwas postet!
Sonntag, 16:45 Uhr: Lena stand bereits 15 Minuten vor der verabredeten Zeit am Brunnen, der im 