Sind Notlügen erlaubt?
Hallo nities,
Hand auf Herz!
Bestimmt hat sich jeder von Euch schon mal einer Notlüge bedient. Eine kleine Flunkerei, um niemandem wehzutun oder um sich selber vor Schlimmerem zu bewahren. Habt Ihr?
Es wird bestimmt kaum jemand bei new-in-town nach der ersten Korrespondenz, die einem nicht zugesagt hat, dem anderen deutlich schreiben „Hör zu, zwischen uns stimmt die Chemie nicht“, oder? Wobei dieser Ausspruch ja noch einigermaßen okay wäre. Dennoch werden die Wenigsten wohl kaum derart schonungslos ehrlich antworten und lieber eine freundliche Notlüge senden. Das finde ich auch ganz in Ordnung so. Priorität hat schließlich die Höflichkeit – sollte sie zumindest haben – nicht unbedingt die verletzende Ehrlichkeit. Ganz häufig beklagen User auch, dass gar keine Nachricht mehr kommt. Das ist dann praktisch auch eine Art von Notlüge; ein stilles Zurückziehen.
Notlügen in der Partnerschaft sind auch so eine Sache. Jeder kennt das Beispiel: „Schatz, wie steht mir das neue Kleid?“ Auch wenn es noch so scheußlich aussieht und so gar nicht zu der Figur passt, was sagt man als Mann? Heikles Thema, oder?
„Aber Schatz, dir steht alles. Du siehst immer toll aus“, wird eine Frau auf die Dauer auch nicht glauben. Das sind die ewig gleichen Floskeln. Also sitzt der Mann ganz schön in der Klemme.
Männer möchten in der Regel für das, was sie tun, oder das, was sie leisten, bewundert werden, weniger für ihr äußeres Erscheinungsbild. Oder habt Ihr schon mal einen Hetero-Mann getroffen, der Euch gefragt hat, was Ihr von seinen neuen Schuhen haltet? Wohl kaum. Eher wird er fragen, ob er das Regal nicht toll angebracht, das Auto nicht super-schnell repariert hat, oder „wie er war“ nach einer bestimmten Sache. Nicht wahr? Was sagt also die Frau, wenn das Regal schief hängt, das Auto vorher fünf Wochen mit einem defekten Scheinwerfer fahren musste oder der Sex langweilig war? „Ach Schatz, du bist so toll!“?
Manch ein Mann wird das vielleicht auch glauben. Aber wie kann die Frau sonst noch ausdrücken, dass etwas nicht wirklich gut war? Lieber benutzt sie auch hier häufig eine Notlüge.
Notlügen im Job? Gibt es die? Wenn die Präsentation noch nicht fertig ist, weil man einfach zu faul war, dann sollte man eigentlich dazu stehen. Aber das geht im Job natürlich nicht. Darf man da überhaupt notlügen? Mit der Vorsilbe Not entschuldigt man seine Lüge und macht sie scheinbar vor sich selbst weniger schlimm. Eben, indem man denkt, man sei in Not. Vielleicht gibt es auch tatsächlich keine andere Lösung oder man sieht sie nicht. Manchmal muss sie vielleicht sein?
Eine Lüge ist laut Wikipedia „eine Aussage, von der der Sender (Lügner) weiß oder vermutet, dass sie unwahr ist, und die mit der Absicht geäußert wird, dass der oder die Empfänger sie trotzdem glauben.“
Manchmal muss man sich einfach einer Notlüge bedienen, denke ich. Manchmal muss man ein Ziel verfolgen oder möchte einem anderen Menschen nicht wehtun. Wenn das gegeben ist, so denke ich, ist es nicht so schlimm. Man muss immer abwägen, inwieweit man andere mit der Wahrheit verletzt oder was der Nachteil für einen selber wäre, wenn man ehrlich bleibt. In der Politik wird leider auch nicht immer die Wahrheit gesagt oder es werden wichtige Dinge einfach nicht erwähnt. So manch ein Redner denkt da anscheinend, das sei nicht notwendig. Allerdings unterscheide ich das Weglassen wichtiger Informationen deutlich von einer Notlüge. Bei einem Auto- oder Hauskauf oder auch bei weniger teuren Produkten darf man wichtige Mängel nicht einfach verschweigen. Das ist ganz sicher keine Notlüge.
Selbst wenn man in einer bestimmten Situation keine andere Möglichkeit sieht und sich einer Notlüge bedient, das Schamgefühl und das schlechte Gewissen können ehrliche Leute quälen. Das ist aber auch gut so. Es sollte ja nicht zur Routine werden.
Menschen, die im Lügen Erfahrung haben, die können einem das Blaue vom Himmel versprechen, ohne dass es dem Gegenüber auffällt. Das ist keine Eigenschaft, für die man jemanden bewundern sollte.
Bei NIT kommt man mit den unterschiedlichsten Menschen zusammen und teilweise gibt es dort sogenannte „Jäger und Sammler“. Diese User scheinen alles, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist, zu kontaktieren. Bei einer Verabredung erscheinen sie dann aber nie. Kennt Ihr das? Wenn man überhaupt eine Antwort erhält, dann werden die komischsten Gründe aufgeführt, warum man nicht erschienen ist. Manchmal sind es genau diese Gründe (verpasste U-Bahn, kein Handy dabei, Nummer oder NIT-Passwort verloren), die dann auch bei einer anderen Verabredung von dieser Person als Notlüge benutzt werden. Komisch!? Natürlich muss man davon ausgehen, dass die Mitglieder sich untereinander kennen und über gewisse Leute unterhalten. Wer als „Jäger und Sammler“ solche Notlügen anwendet, der gerät schnell in Verruf. Dass sich das herumspricht, davon kann man ausgehen …
Grundsätzlich wäre es natürlich schön, wenn man sich in jeder Lage wahrheitsgemäß so ausdrücken würde und könnte, dass man niemandem verletzt und seine Ziele und Wünsche – auch ohne flunkern zu müssen – erreicht.
Eure Katja
Schlagwörter: Blog, Freundschaften, Katja, Kommunikation, new-in-town, Notlügen, Partnerschaft


