Antwort an alle
Liebe nities,
ist jemandem von Euch schon einmal die Panne unterlaufen, eine Nachricht oder die Antwort auf eine E-Mail unbeabsichtigt an alle zu versenden?

In der vergangenen Woche haben sich die Mitarbeiter der Parlamentarier gegenseitig mit „Nachrichten an alle“ bombardiert und damit einen elektronischen Nachrichtenstau verursacht. Angefangen hat alles mit einer Mail der Bundestagsverwaltung, die darüber informiert hat, dass die neue Ausgabe des „Kürschner-Handbuchs“, das Nachschlagewerk für Abgeordnete, vorliege. Dieses könne jederzeit im Info-Büro abgeholt werden, hieß es weiter.
Kurze Zeit später bat eine Abgeordnete ihre Kollegin per Mail, ihr eine Ausgabe mitzubringen. So weit so gut. Leider unterlief der Politikerin die kleine Panne, diese Bitte ebenfalls an alle zu versenden. Nach und nach bekam sie Mitbring-Angebote und andere Reaktionen auf diesen Irrläufer und immer mehr Abgeordnete, Ex-Abgeordnete und Sekretariate fanden Gefallen dran, sich am E-Mail-Verkehr zu beteiligen. So wurden letztlich auch Karten für ein Handballspiel verlost, Wetterinformationen ausgetauscht und Sportveranstaltungen beurteilt. „Ach, ist das spannend!“, schrieben andere. Als das Netz zusammenzubrechen drohte, schaltete sich die Bundestagsverwaltung ein. Wieder mit einer Mail an alle. Darin hieß es: „Aufgrund des derzeitigen Mißbrauchs des E-Mailsystems können Zustellverzögerungen von bis zu 30 Minuten auftreten …”
Wie schnell kann es passieren, dass zum Versenden einer E-Mail anstelle von „FW“ auf „RE“ geklickt wird oder umgekehrt. „Antworten“ oder „Antworten an alle“ ist ebenfalls ein nicht gerade seltenes Missgeschick. Das kann mitunter ganz schön peinlich werden.
Genauso vorsichtig sollte man auf Community-Portalen sein. Wer hat nicht schon von Geburtstagspartys via Facebook gehört, bei denen es ungewollt zu einem Polizeiaufgebot gekommen ist. Warum? Weil das Geburtstagskind die Einladung in Facebook gepostet hat. Nicht „an alle Freunde“, sondern „an alle“, und zwar wirklich an alle User. So fanden sich im Sommer 2011 beispielsweise 1.600 Geburtstagsgäste bei der Feier der 16-jährigen Thessa in Hamburg ein, um gemeinsam zu feiern. Da reichte das Kaffeegeschirr nicht aus und mit dem Kuchenbacken kam die Jugendliche bestimmt auch nicht mehr nach.
In Wuppertal kam es ebenfalls im Sommer 2011 zu einem Großeinsatz der Polizei mit mehreren Festnahmen, nachdem ein anonymer Initiator folgende Nachricht an alle in Facebook postete: „Bis zum heutigen Tag war es nur ein Geheimtipp: Die alljährliche ‘Ascheweg Night’ im Zentrum von Wuppertal-Ronsdorf. Ab sofort ist sie eine öffentlich bekanntgegebene Party!“ Dieser Aufruf war zwar kein Versehen, eher ein Gag, doch lief dieser ebenfalls vollkommen aus dem Ruder. Auch hier meldeten sich über 1.600 Partyhungrige an, tatsächlich gekommen sind allerdings „nur“ 800 Gäste. Dennoch kam es zu Randale, Sachbeschädigungen und Personenschäden. Wer zahlt für einen solchen Polizeieinsatz? Wenn der Initiator nicht zur Verantwortung gezogen werden kann, sind es die Steuerzahler, die dafür in die Tasche greifen müssen.
Einem Azubi kostete ein öffentlicher Eintrag einmal seine Ausbildungsstelle. Er hatte sich auf der Arbeit krank gemeldet und war so ungeschickt, in Facebook zu posten: „Beim Arzt gewesen, gelben Urlaubsschein bekommen, gleich geht’s auf in den Süden.“ Der Chef antwortete ihm: „Sie können auch länger dort bleiben. Sie werden in Kürze sehr viel Zeit haben.“
Aber das kann ja zum Glück bei new-in-town so schnell nicht passieren …
Eure Katja





