Wo lebt ihr am liebsten?
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Liebe nities,
nicht in jedem Bundesland wird Fasching gefeiert, wie ich im Artikel der letzten Woche ja bereits angedeutet habe. Apropos: Wo kommt ihr denn eigentlich alle so her? Lebt ihr schon lange in eurer jetzigen Stadt? Seid ihr freiwillig hier oder war es eine Entscheidung eurer Familien, des Jobs oder der Umstände?
Fühlt ihr Euch dort, wo ihr jetzt lebt, wohl oder schaut ihr euch schon nach einem anderen Wohnort um. Wie seid ihr aufgenommen worden? Gibt es tatsächlich Unterschiede zu Ost und West, Nord und Süd?
Die 32-jährige Französin Claudine hat Erfahrung in Sachen Wohnortwechsel. In einer Kleinstadt in Nordfrankreich geboren zog sie bereits als Kleinkind mit Ihrer Familie nach Deutschland. An Frankreich hat sie keine Erinnerung mehr. Ihr Vater hatte damals einen Job in einer Spedition in Schüttorf, der Region Grafschaft Bentheim, angenommen. Eine Gegend, die kaum jemand kennt. Zwischenzeitlich leichten Bekanntheitsgrad erlangt durch die späte Taufe von Nina Hagen, der Diskothek Index oder in den 80er Jahren durch das Schüttorfer Open Air mit Auftritten von beispielsweise Joe Cocker. Auch Popsänger Sasha soll Verwandte dort wohnen gehabt haben. Doch damals wurde es Claudine und ihrer Schwester nicht leicht gemacht, sich zu integrieren. Sprachen die Schwestern doch mit einem seltsamen Akzent, der dort, auf dem Hochdeutsch sprechenden Ländchen, fremd klang. Ältere Leute in der Gegend unterhielten sich mitunter auf Plattdeutsch, was sie hingegen lustig fanden, aber auch nicht verstanden haben.
Zum Spielen hatten sie viel Platz. So tobten die Kinder durch Wälder, über Wiesen, kletterten auf Bäume und bauten Hütten, doch meistens alleine. Claudine möchte jedoch ihre Kindheit nicht missen und ist froh, nicht in einer miefigen Großstadt aufgewachsen zu sein.
Als sie die Schule abgeschlossen hatte, zog sie für eine Ausbildung nach Cuxhaven. Dort fühlte sie sich aber auch nicht so richtig wohl. Zwar versuchten ihre Kolleginnen und Kollegen dort, sie mit einzubeziehen und in irgendwelche Vereine einzuführen, doch Claudine vermisste es, unter sich sein zu können, sie fühlte sich beobachtet. Ähnlich wie auf dem Lande in ihrer Kindheit, achteten die Leute dort nämlich ganz genau darauf, was die anderen machten oder was nicht. So wies eine Nachbarin Claudine einmal doch glatt drauf hin, dass sie versehentlich eine Pizzaverpackung in die Restmülltonne anstelle ins Altpapier geworfen hatte. Claudine fragte sich, ob man wohl auch in größeren Städten den Müll der Nachbarn kontrollierte? Sie blieb etwa ein Jahr in Cuxhaven, da bekam sie ein besseres Jobangebot am ganz anderen Ende des Landes: in München.
Hier hatte sie den Vorteil, bereits eine Cousine zu haben, an die sie sich wenden konnte und die ihr half, sich einzuleben. Marie, so hieß diese, machte sie auch mit new-in-town bekannt. Erst war Claudine skeptisch. War sie nicht in einer Kleinstadt aufgewachsen und durch ihr konservatives Elternhaus zur Vorsicht in Sachen Internet erzogen? Doch Marie nahm sie ein paar Mal mit zu Verabredungen und bald wurde auch Claudine aktiv. München fand die ganz toll. Sie schwärmte von der Offenheit der Menschen, der tollen Innenstadt, dem Kaffee, den Parkanlagen im Sommer, den Biergärten und dem Oktoberfest. München war einfach klasse. So viele Menschen aus unterschiedlichen Regionen und Ländern, so viele verschiedene Dialekte und Akzente. Niemand brauchte sich hier irgendwie fremd zu fühlen. Allerdings versteht sie bis heute nicht jedes bayrische Wort, aber das verstehen sicher nur Ureinwohner.
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Zwischenzeitlich lebt Claudine in Heidelberg. Auch eine Fügung ihres Jobs. Zu Beginn hatte sie erneut leichte Verständigungsschwierigkeiten mit dem Kurpfälzischen. Doch auch dort leben Menschen unterschiedlicher Herkunft und Sprache und es gibt viele aktive new-in-town-Gruppen. Was ihr noch auffiel und was sie genoss, das waren die unterschiedlichen Küchen und Spezialitäten der Regionen, in denen sie bereits gelebt hatte. Gab es in Cuxhaven oft frischen Fisch, in München Weißwurst & Brez'n, liebte sie in Heidelberg den süßen Studentenkuss.
Es ist wirklich überall etwas anders. Die Mentalität der Leute, das Essen, die Lebenseinstellung, das Klima, das Wetter und das Leben. Wie geht es euch denn so in den Punkten? Wo fühlt ihr euch wohl, wie habt ihr euch eingelebt und welche Stadt könnt ihr empfehlen? Erzählt doch mal.
Schlagwörter: Blog, Katja, new-in-town, Reisen, Umzug



am 14. 02. 2011 um 17:05
Ich komme auch aus einer kleinen Stadt bei Cuxhaven. Jetzt lebe ich mit meiner Familie in der Nähe von München. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal so weit wegziehen würde. Aber es kam durch ein Jobangebot meines Mannes. Unterschiede sind ganz deutlich in der (Aus-)Sprache zu erkennen. Wir haben in Norddeutschland ja keinen Dialekt und in Bayern kam es uns wie eine ganz andere Sprache vor.

Unserem kleinen Sohn fällt es nicht schwer, er spricht jetzt auch schon bayrisch.
Ich empfand die Menschen im Norden immer als etwas unterkühlt. In Bayern scheinen sie mir lockerer zu sein, gehen auch mal auf einen zu, ziehen "Fremde" mit usw.
Zum Städtevergleich würde ich sagen, jede Stadt hat etwas Besonderes. Im Norden war es oft etwas windig, aber wir haben viele Radtouren über dem Flachland gemacht. In Bayern ist dies etwas zu anstrengend. Aber wir lieben die Berge auch – laufen viel Ski.
An die Schweinshaxe mit Sauerkraut kann ich mich allerdings noch immer nicht gewöhnen, mir was und ist frischer Fisch lieber. Aber wir mögen es hier genauso wie im Norden. Ist halt anders, aber auch schön: Home is where the heart is…
am 17. 02. 2011 um 9:21
Mit Sicherheit hat jeder Ort,ob Groß,-oder Kleinstadt,seinen speziellen Reiz. Ich hab auch schon ein paar verschiedene Orte,fern von der Heimat bewohnt,mal kürzer,mal länger.Sogar im Ausland (Italien) war ich für einige Jahre. Überall hatte es etwas Besonderes,was die Lebensqualität betrifft. Letztenendes hat es mich wieder zurück in den Heimatort geführt, auch wenn die Stadt,in der ich lebe,nicht allzuviel an “Schönheit” zu bieten hat. Doch es ist nun mal der Ort,an dem man aufgewachsen ist,viele schöne Erinnerungen verknüpft sind,das gewohnte Umfeld mit Bekannten und Verwandten,der vertraute Dialekt,auf den ich auch stolz bin (Hessisch!). Ich denke, da wird jeder im Laufe der Zeit selbst heraus finden, ob er eher heimatgebunden ist oder keine “emotionalen” Probleme damit hat,in die Ferne zu ziehen.