Sie dürfen mich auch siezen
Verehrte nities,
wie haben Sie das Wochenende verbracht? Haben Sie ein paar Leute kennengelernt und neue Freundschaften geknüpft? Sind Sie vielleicht gar tanzen gewesen? Ich danke Ihnen übrigens auch sehr für die netten Beiträge, die Sie mir diesbezüglich haben zukommen lassen.
Was soll der Quatsch denn jetzt, fragt ihr euch? Wieso siezt sie uns auf einmal? Klingt komisch und fremd in dem Fall, oder? Drum soll das Sie und Du in der Anrede heute mal mein Thema sein:
Im digitalen Zeitalter scheint es schon normal zu sein, dass man geduzt wird und selber duzt. Wir sind fast alle Mitglieder in irgendeinem virtuellen Netzwerk, erhalten dort Einblick in private Fotoalben und Informationen über Mitmenschen, die sich „Freunde“ nennen. Sogar über Freundes Freunde, die wir teilweise nicht mal kennen, können wir uns informieren. Das vermittelt Kameradschaft. Laufen wir irgendwann mal einem solchen Freund über den Weg, der sich richtiger vielleicht besser „Kontakt“ nennen sollte, stehen wir oft da und sind unsicher, wie wir unser Gegenüber ansprechen sollen. In der Tat wissen wir bereits einiges über die Person, haben sie sogar auf Partyfotos gesehen, kennen ihre Vorlieben und sie die unseren. Gibt dies uns das Recht zu duzen? Klingt die Sie-Form vielleicht zu distanziert? Werden wir siezend möglicherweise als Langweiler abgestempelt? Aber gleich Du zu sagen, das trauen wir uns auch nicht. Schließlich wurden wir zur Höflichkeit erzogen. Was nun?
Bis man sicher ist, könnte man sich geschickt um beide Formen herummogeln, indem man sie rhetorisch übergeht.

Ich denke, in Geschäften sollte der Verkäufer den Kunden siezen und umgekehrt auch. Das ist respektvoller. Es gibt Läden, in denen die Verkäufer die Kunden duzen, um damit eine vertrauensvolle, kumpelhafte Atmosphäre zu schaffen. Je nachdem, was für ein Geschäft das ist, kann es auch vorteilhaft sein, um die Ware an den Mann zu bringen. In Hamburg auf dem Fischmarkt ist dies unter den Marktschreiern sogar üblich. Ich bin jedoch auch schon in Geschäften gewesen, in denen ich vom Verkäufer lässig Kaugummi kauend per du angesprochen wurde. „Hallo, kann ich dir helfen? Was brauchst du?“ Ich sag euch, ich war schneller wieder draußen, als ich den Weg rein gefunden hatte. Bin ich denn ein Schulmädchen? In einer Bar hingegen scheint das Du weit verbreitet zu sein. Gut, da lasse ich es mir schon eher gefallen. Ein Teil von mir fühlt sich zwar nicht altersgemäß angesprochen, zumal die Bedienung um einiges jünger zu sein scheint. Der andere Teil denkt sich, er lässt die Fünf gerade sein, es gibt schlimmere Dinge, als sich zu ärgern. In der zweiten, dritten Kneipe fühlt sich das Du sogar schon gut an, so vertraut.
Manchmal werden bestimmte Anredeformen sogar als Beleidigung eingesetzt, und zwar beide Formen:
Ein Du kann, auf unterschiedliche Weise, als herablassende Unhöflichkeit eingesetzt werden. So ist es auch verboten, Amtsträger wie beispielsweise Polizisten zu duzen. Laut Knigge wird so vorgegangen, dass der Ranghöhere oder Ältere das Du anbietet, umgekehrt gilt es als unhöflich und respektlos.
Das Sie kann ebenfalls als Beleidigung eingesetzt werden, um eine Person gezielt aus einem bestimmten Kreis auszugrenzen.
Das Sie und Du im Alltag anhand eines Beispiels.
Ich habe einmal mitbekommen, wie eine Kundin einen Verkäufer in einer Bäckerei geduzt hat. „Was kriegst du denn dafür?“, hatte die Kundin gefragt. Daraufhin fragte der verärgerte Verkäufer die Dame: „Sagen Sie mal, sehe ich aus wie sechzehn, dass Sie mich duzen?“ Die Dame wirkte erstaunt und entschuldigte sich mit den Worten „sie mache das immer so“.
Dürfen wir jeden duzen, weil wir es immer so machen? Manche Menschen trauen sich auch einfach nicht, einer unkorrekte Anrede zu widersprechen. Die Antwort der Dame im Beispiel hätte auch anders ausfallen können, denn die Kundin hätte einen arroganten Eindruck vom Verkäufer erhalten können. Im schlimmsten Fall hätte die Dame, die den Verkäufer geduzt hat, sich wegen seines Hinweises beschweren und vom Ladeninhaber sogar recht bekommen können, da der Kunde ja König ist. Muss man sich denn in der Position eines Dienstleistenden vom Kunden alles gefallen lassen?
In vielen Ländern hat man das Problem der Anrede ja erst gar nicht, da es nur das Du gibt.
Also ich denke, Siezen ist im Zweifel immer noch die höflichste Form. In einer NIT-Gruppe siezt man sich natürlich nicht. Oder habt ihr schon mal einen Pinnwandeintrag gelesen, der in der Sie-Form verfasst wurde: Hätten Sie Lust, heute mit mir ins Theater zu gehen?
Klingt nach einer Anzeige aus einer Seniorenzeitschrift, nicht wahr? ![]()
Also das Sie klingt im Freizeitbereich schon etwas fremdartig. Selbst in der Volkshochschule, die ich dem Freizeitbereich zuordnen würde, wird meist geduzt. Allerdings fragt die Kursleiterin oder der Kursleiter vorher, ob es in Ordnung sei, zu duzen.
So bin ich schon bei meinem ersten Blog für euch zum Entschluss gekommen, euch bei NIT zu duzen. Irgendwie passt es gar nicht, wenn ich sieze, womit ihr mir aufgrund der seltsam klingenden Einleitung vielleicht beipflichten werdet. Deswegen, so denke ich, bleiben wir hier bei new-in-town beim persönlichen Du. Was meint ihr?
Eure Katja
Schlagwörter: Allgemein, Blog, Katja, new-in-town, Regeln



am 24. 01. 2011 um 23:03
Ich bin der Meinung, daß man nicht alle traditionellen Werte und Anstandsregeln in der modernen Zeit über Bord werfen sollte! Vor allem die junge Generation scheint wohl im Glauben zu sein, es sei fortschrittlich, einfach mal drauf los zu duzen. Doch jedesmal, wenn mich so ein 18-jähriger Pimpf völlig selbstverständlich duzt, (ich werde nächstes Jahr 40), könnte ich ihm grade links und rechts eine flatschen! Nicht umsonst wird die Sie-Form auch als Höflichkeitsform bezeichnet. Je größer der Altersabstand zwischen den Personen ist, desto eher sollte man auch erst mal beim Sie bleiben. Man kann nicht einfach davon ausgehen, daß die andere Person mit dem Du schon einverstanden sein wird, ohne das vorher im Zweifelsfall geklärt zu haben! Ich find es einfach nur plump und unhöflich und empfinde es nicht als ein Schaffen von einer lockeren Atmosphäre! Wenn man ins Gespräch gekommen ist,man ist sich symphatisch, egal ob am Arbeitsplatz oder privat, ergibt es sich von selbst, daß man sich aufs Du einigt.