Mein erster J.P. Morgan Corporate Challenge Lauf
Hallo nities,
am 15. Juni fand in Frankfurt am Main wieder der legendäre J.P. Morgan Corporate Challenge Lauf statt und ich war mit dabei – zum ersten Mal.
Meine Firma schickte schon sehr früh eine E-Mail rum und ich meldete mich postwendend an. Schon immer wollte ich bei dem Firmenlauf mitmachen, auch wenn ich vollkommen untrainiert bin und nicht sicher war, ob ich überhaupt ankommen würde. Jetzt hatte ich die Gelegenheit und auch noch einen Monat Zeit zu trainieren – dachte ich. So wollte ich in den verbleibenden vier Wochen bis zum Event mindestens jeden zweiten Tag laufen – plante ich. Normalerweise verärgert mich so eine Massenveranstaltung, da viele Straßen gesperrt werden und solch ein Chaos herrscht. Wenn man jedoch aktiv mitmacht, nimmt man das Drumherum immer ganz anders wahr – lernte ich.
Die Idee schwappte übrigens erst 1993 von New York nach Deutschland rüber. Das damals drittgrößte amerikanische Finanzinstitut lud Mitarbeiter von anderen Firmen zum gemeinsamen Laufen über 5,6 Kilometer ein. Die Leute sollten einmal etwas anderes tun, als am Schreibtisch zu sitzen oder sich in Biergärten zu treffen. Sie sollten aktiv als Team etwas gemeinsam machen. Einmal vom Laufvirus infiziert oder angesteckt worden und sich immer weiter ausbreitend, findet der Lauf mit begeisteter Resonanz nun jedes Jahr statt. Dabei gilt immer ein anderes Motto, beispielsweise ein „Lauf für mehr Zeit“, „Lauf gegen Krebs“ oder unter dem aktuellen Motto „Jogging gegen Mobbing“.
Mit Mühe hat das hiesige Organisationsteam damals 527 Starter aus 57 Firmen für die Idee begeistern können. Zum 19. Chase Lauf am 15. Juni 2011 befanden sich 68.454 Läuferinnen und Läufer aus 2742 Firmen im Rennen. Mittlerweile gibt es aufgrund der Menge sogar zwei Startpositionen. Auch reichte der einstige Treffpunkt am Römerberg bald nicht mehr aus und wurde auf den Opernplatz verlagert. Soviel zur Geschichte.
Unsere Läufer-Shirts mit dem rückseitigen Firmenlogo bekamen wir am Tag des Laufs in unsere Postfächer gelegt, was lustig ausgesehen hat.

Unser Firmen-Team traf sich eine Stunde vor dem offiziellen Beginn vor der Firma zu einem Gruppenfoto. So jubelten 21 motivierte Läufer in einheitlichem T-Shirt mit angenadelter fünfstelliger Läufernummer in die Kamera. Gemeinsam liefen wir anschließend erst einmal ganz gemächlich zum Startpunkt Süd. Dort angekommen herrschte eine gute Stimmung und wie erwartet war es voll. Das befürchtete Gedränge blieb jedoch aus. Ich schaute mich suchend nach einem Getränkestand um, doch fand nichts. Hatte ich auf dem Plan nicht irgendwas von mehreren Vorverpflegungspunkten gelesen? Mein Mund war trocken, dabei hatte der Lauf noch nicht mal begonnen.

Vom Startschuss um 19:30 Uhr bekam man kaum etwas mit. Da ich keine Uhr bei mir trug, konnte ich nur schätzen, dass wir kurz vor 20 Uhr durch die Startlinie liefen. Zuerst konnte ich noch mithalten, doch dann verlor ich sämtliche gleich aussehende T-Shirt-Träger in der Menge aus den Augen. Ich hielt mich am Rand und kam anfangs auch ganz gut mit. Irgendwann bekam ich, trotz gleichmäßiger Atmung, Seitenstechen und meine Beine wurden lahm. Ich hätte vorher vielleicht doch mal trainieren sollen, denn das habe ich natürlich nicht. Zwischen Vorsätzen und deren Ausführung gibt es mitunter ganz gewaltige Unterschiede. Dass ich besser mal hätte trainieren sollen, das gab mir dann auch noch ein vorbeiziehender Läufer zu verstehen, indem er mir böse zurief: „Entweder richtig oder gar nicht“. Manche nehmen den Lauf und vor allem ihre Laufzeit eben ernster als das Motto und der Sinn, der dahinter steckt. Läufer sind eben irgendwie doch eigen und ein Völkchen für sich.
Irgendwann kam ich bei der Deutschen Bank vorbei, die bereits Tische aufgebaut hatten, der Duft von frisch Gegrilltem herüberwehte und vor allem Getränke gab es dort: WASSER! Was habe ich mich gesehnt nach Wasser. Ich trabte noch etwas langsamer und entdeckte, was ich gesucht hatte: eine Freundin!
So entschied ich mich für einen kleinen Boxenstopp und zu einem Plausch unter Freunden, bei dem ich nebenbei meinen Flüssigkeitsverlust ausgleichen konnte. Meine verlorene Laufzeit war mir schnurz. Ich hatte ja nicht mal meine Startzeit im Kopf, also nutzte mir auch die bevorstehende Bekanntgabe der Ankunftszeit nichts. Nach ein paar Minuten lief ich weiter. Irgendwann verdichteten sich die Straßen, und da man nur noch vor sich herstolpern konnte, fragte ich einen am Rande herumstehenden Typen, wie weit es denn noch sei. „Dahinten ist schon das Ziel“, rief er mir zu. Das motivierte mich zu einem flotten Entspurt. Schließlich wollte ich nicht pustend durch die Kameras laufen. „Weiter laufen, weiter laufen“, riefen die Helfer den Teilnehmern zu, welche gleich nach der Ziellinie stehen blieben und den Weg versperrten. So lief auch ich weiter und weiter und weiter.
Nach paar Metern ging ich in einen Spazierschritt über, einfach der Masse hinterher, welche zum Opernplatz lief. Die Ziellinie lag bereits beträchtliche Meter hinter mir. Hatte meine Firma nicht verlauten lassen, das wir uns am Ziel treffen, fiel mir ein? Ups, ja, so war es. Da ich aber alles sehen wollte und nichts verpassen, lief ich einfach der Mehrheit hinterher, um zu sehen, was es sonst noch so gibt. Ich kam an einer meterlangen Tischreihe vorbei, wo es isotonische Getränke gab. Ausgetrocknet, wie ich war, nahm ich mir eine Plastikflasche mit. Nach wenigen Metern folgte noch so eine lange Tischreihe mit Bergen von Bananen. Tausend und Abertausend von Bananen lagen dort. Auch hier bediente ich mich dankbar. Bei dem Anblick bereute ich es, keine Fotokamera dabei gehabt zu haben. Das war ein Bild!
Am Opernplatz wurden gerade die schnellsten Läufer geehrt. Ein junger Mann kam bereits nach 16:34 Minuten im Ziel an. Wie er das geschafft hat? Überall waren Tische und Partyzelte aufgebaut. Kurz darauf fing es zu regnen an und so spazierte ich zurück zum Stand meiner Firma, was leider weitere 30 Minuten Fußmarsch bedeutete. Natürlich dachten alle, ich hätte mich jetzt erst durchs Ziel geschleppt. Ich scherzte, dass ich ohne Navi eben nichts finde. Für meine Orientierungslosigkeit bin ich sowieso bekannt. Dennoch verpasste ich nicht das leckere Essen, denn das wurde gerade bei meinem Eintreffen serviert. So bin auch ich meine ganz persönlich perfekte Zeit gelaufen: Pünktlich zum Essen da!
Als Andenken an den Lauf gab es vom Veranstalter einen sogenannten Finisherbeutel mit einem T-Shirt, Handcreme, Traubenzucker und weiterer Werbung drin. Mein persönliches Andenken war noch lange der schlimme Muskelkater in den Hüften. Hätte ich doch mal etwas trainiert, sagte ich mir immer wieder. Aber es war spannend, dabei gewesen zu sein. Auch ist es schön, dass so viele Firmen überhaupt an solchen Veranstaltungen teilnehmen. Hintergrund dabei ist ja, das interne Klima zu verbessern und Teamarbeit zu fördern, selbst wenn es am Tag danach für viele meist wieder in den Alltagstrott übergeht.
Eure Katja
Schlagwörter: Blog, Events in Frankfurt, Katja, new-in-town



am 19. 06. 2011 um 15:15
Wenn man bedenkt, dass beim größten Marathon Deutschlands, in Berlin,
rund 35.000 Läuferinnen und Läufer am Start sind, die sich auf 42km
Länge noch einigermaßen gut verteilen können, ist der J.P.Morgan-Lauf
mit doppelt so vielen Startern – komprimiert auf 5,6km Länge – geradezu
irrwitzig. Und dennoch, der boom ebbt nicht ab.
Katja, du hast alles richtig gemacht! Du hast das Trikot deines Arbeitgebers getragen, warst
Teil des Spektakels, hast das Ganze nicht so verbissen gesehen und warst pünktlich zum gemeinsamen Essen bei deinen Arbeitskollegen. Super !
Ich bin 1994 zum ersten Mal dabei gewesen und der Vorstandsvorsitzende
Der Chemical Bank Deutschland hat sich bei 1.608 Läuferinnen und Läufern bedankt.
Damals hieß der Lauf noch „Chemical Bank Corporate Challenge“ und man lud
richtige Sportgrößen, wie die damals frisch gebackene Boston Marathon-Siegerin Uta Pippig
und die leider viel zu früh verstorbene Marathonlegende Grete Waitz ein, um den Lauf
bekannt zu machen. Ich habe mich damals infiziert und mich im gleichen Jahr einem
Lauftreff angeschlossen. Uta Pippig hat 10 Jahre später die Organisation „take the magic step“
gegründet und ich möchte potentiellen Lauf-Einsteigern zwecks Infektionshilfe den link dazu nicht vorenthalten: http://www.takethemagicstep.com
In diesem Sinne:
keep on running