Die Unentschlossenheit

Liebe nities,

Mensch, was wäre das Leben einfach, wenn es nicht die Unentschlossenheit gäbe! Wie oft sucht mich dieses fiese Monster heim? Es ist wirklich zum Mäuse melken. Kaum gibt es irgendwas zu entscheiden, kommt es angekrochen. Scheinbar mit dem Gedanken, mich zu quälen. Aus „Ja“ oder „Nein“ wird ein „Vielleicht“ und das „Vielleicht“ hat unzählige weitere Möglichkeiten parat. Gibt es da nicht den Spruch: Hinter jeder Ecke lauern ein paar Richtungen*.

Richtungen und Möglichkeiten – und wie viele es da gibt! Das fängt ja schon gleich morgens an und steigert sich im Laufe des Tages in seiner Intensität und dem Schwierigkeitsgrad. Auf die Frage, aufzustehen oder liegen zu bleiben antworte ich von Montag bis Freitag mit „aufstehen“ und am Wochenende mit „liegen bleiben“. Das ist also noch verhältnismäßig leicht. Die Erfahrung spielt hier eine Rolle.
Weiter geht’s mit dem Frühstück. Sollte ich frühstücken oder lieber nicht? Wenn ja, was? Manche Ernährungsberater empfehlen ja ein Frühstück – die meisten sogar – also kann es nur gut sein, zu frühstücken. Nun die Entscheidung, was ich frühstücke? Weizenkleie, Haferflocken, Obst und Kaffee (meine Verdauung wird’s mir danken). Oder doch lieber ein Brötchen mit Marmelade (nicht sehr nahrhaft), nur Obst (gesund, aber dann habe ich gleich wieder Hunger) etc. Da fängt es schon an: Hach, alles nicht so einfach.
Anschließend stehe ich vor meinem prall gefüllten Kleiderschrank und finde nichts zum Anziehen. Welche Frau kennt das nicht. Immer diese Entscheidungen!

Natürlich gibt es auch weitaus tiefgründigere Entscheidungen, die ich noch so nebenher Tag für Tag zu fällen habe, berufliche wie private. Bekannt dafür, mich nicht entscheiden zu können, hat mir ein guter Freund einmal das „Buch der Antworten“ geschenkt. Ne tolle Sache. Es ist wie ein Orakel. Man stellt sich eine Frage, die man nur mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten kann. Also beispielsweise: Soll ich frühstücken? Die Frage nach „Was soll ich frühstücken“ geht also schon wieder nicht. Dann schlägt man irgendeine Seite auf und liest den Tipp. So kann dort stehen: „Schau dir gestern an.“ (Dann habe ich eine gute Antwort.) Oder ich schlage zufällig eine andere Seite auf „Nimm was Grünes“. (Ah, ich werde einen Apfel essen.) Manchmal antwortet es einem jedoch überhaupt nicht hilfreich. Mit Antworten wie: „Frage deine Mutter“, „Zähle bis zehn und schlage eine neue Seite auf“, „Du weißt es im tiefen Inneren selber“ oder „Schlafe noch mal eine Nacht drüber“ ist einem im akuten Fall auch nicht wirklich gedient. Was also machen? Hilft nichts, man muss sich selber entscheiden.

Unentschlossen ist wohl jeder mal. Gerade was das Ausgehen angeht – bei dem Wetter derzeit! Geht man in ein Open Air Kino oder lieber in ein überdachtes Center? Geht man überhaupt aus oder lädt man seine Freunde zu sich ein? Wird es regnen oder über 30 Grad heiß? Alles ist möglich. Obwohl man hier nicht drin steckt, weil sich das Wetter nicht beeinflussen lässt, muss man sich schließlich zu irgendwas entschließen. Nur was? So machen manche Menschen lieber gar nichts.

Auch Nena kennt anscheinend die Qual der Wahl. In ihrem Lied „Es gibt viele Möglichkeiten“ heißt es weiter: „… wofür soll ich mich entscheiden? Für das eine oder andere, soll ich gehen oder bleiben? Wenn ich gar nicht mehr weiß was ich will, dann verlass ich mich auf mein Gefühl.“
Frauen können das besser als Männer, das Gefühl entscheiden zu lassen. Aber es dauert dann auch eine ganze Weile länger. Drum liebe Männer, nicht ärgern, wenn Eure Freundin wieder gequält „Ich weiß nicht?“ jammert. Das ist normal. Das Unentschlossenheitsmonster sucht sich lieber Frauen aus, um sie zu quälen.

Ich werde mich jetzt erst mal verabschieden, denn am Wochenende ist so viel los überall: Straßenfeste, Sportevents, Geburtstagspartys, Grillnachmittage. Mal sehen, wo ich heute noch hingehen könnte. Leider weiß ich es noch nicht, ich muss mich erst entscheiden …

Eure Katja

Wo habe ich das her (Infos zum Text):
- Die Postkartenserie „Monster des Alltags“ ist von Christian Moses
- *Stanisław Jerzy Lec, „Unfrisierte Gedanken“
- Das Buch der Antworten ist von Carol Bolt

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Dieser Beitrag wurde am 7. 08. 2011 veröffentlicht und im Bereich Allgemein, Katja, new-in-townabgelegt. Sie können jede Antwort zu diesem Beitrag abonnieren. Both comments and pings are currently closed.

5 Kommentare to “Die Unentschlossenheit”

  1. Claus-Stefan sagte:

    Hab lange überlegt ob ich wohl mal wieder was kommentiere!?
    Ich finde Unentschlossenheit ist „eigentlich“ nichts typisch weibliches.
    Auch Männer werden regelmäßig vom Unentschlossenheitsmonster gepiesackt und wenn man(n) sich endlich für- oder gegen etwas entschieden hat, ist es garantiert verkehrt.
    Mir geht es regelmäßig an den Supermarktkassen so.
    Wo ist die kürzeste „Schlange“….aah, da vorne, nix wie hin.
    Doch kaum steh ich, mit meinen drei Artikeln im Körbchen, in der vermeintlich schnellen Schlange, da kommt die Selbe auch schon ins stocken.
    Der ältere Kunde hat offenbar sein Sparschwein geplündert und verspürt den Ehrgeiz, den Betrag exakt auf „Heller und Pfennig“ abgezählt zu zahlen, nicht ohne dabei noch einen Schwank aus seiner Jugend zu erzählen.
    Die nächste Kundin hat einen Artikel, den der Scanner nicht erkennt und die Kassiererin zuckt wegen des Preises die Schultern.
    Macht nichts, sie wird sowieso gerade von einer Kollegin abgelöst, die sich natürlich erst einmal einrichten muss.
    Inzwischen sind an den Nachbarkassen alle Kunden nur so durchgerauscht und ich frage mich nur eines: Wo, zum Teufel, ist die versteckte Kamera???

  2. Martin sagte:

    Hm, wie grausam da sinnlos Lebenszeit vergeudet wird! Also, ich kenne das “Monster” gar nicht. Gut, als Mann ist Man(n) da auch einfacher gestrickt: “Hab Bock auf Pasta” – Ferddisch ist die Entscheidung für den Samstagabend… Mein Appell an alle Unentschlossenen: Habt Mut! – auf Was? Fehlentscheidungen! Denn Ihr lebt doch in einer wunderbaren Zeit, denn der Säbelzahntiger ist ausgestorben und die (lebenswichtige) Entscheidung, laufen oder kämpfen entfällt i.d.R. Also, so what? Wass kann schon passieren ausser, die Pasta schmeckt sch…?

  3. Corinna sagte:

    Entscheidungen zu treffen, wie beispielsweise, was ziehe ich heute an oder frühstücke ich heute oder sollte ich heute Abend etwas unternehmen, finde ich noch nicht einmal das schlimmste.
    Viel mehr Kopfzerbrechen bereitet mir die Frage “Soll ich, oder ich nicht?”, was ja letztlich auch etwas mit einer Entscheidung zu tun hat.

    Da sind z.B. die Situationen beim Friseur. Soll ich meine Haare abschneiden lassen, oder soll ich es lassen? Soll ich meine Haare rot färben, oder soll ich es lassen?
    Man würde so gerne mal die Kurzhaar frisur ausprobieren, aber dann kommen Zweifel. Wie werde ich danach aussehen? Was mache ich, wenn ich mir damit nicht gefalle? Was werden meine Kollegen und Freunde dazu sagen?

    Vor ein paar Monaten beschäftigte ich mich mit dem Gedanken umzuziehen. Soll ich umziehen, oder nicht? Ich hatte schlaflose Nächte. Hin- und herüberlegt. Vor- und Nachteile aufgeschrieben. Wird es mir in der neuen Wohnung gefallen? Werde ich mich an die neue Umgebung gewöhnen? Erst als ich mehrmals in das Neubaugebiet gefahren bin und ich mir ein Bild von der Umgebung machen konnte, habe ich mich für eine Wohnung entschieden. Meine Bedenkzeit für die Entscheidung des Umzugs hat insgesamt 2 Monate gedauert. So lange hat es gedauert, bis ich mir wirklich sicher war.

    Einen erheblichen Vorteil hat es, wenn man Entscheidungen nicht alleine treffen muss, sondern zusammen mit einem Partner. Aber auch hier kann es schwierig werden, wenn beide unterschiedlicher Meinungen sind und man zu keiner richtigen Entscheidung kommt, sondern einer von beiden um des lieben Friedens Willen nachgibt oder nachgeben muss.

    Ja, ich habe auch so meine Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen. Ich bewundere die Menschen, die damit keine Probleme haben und spontan alles entscheiden können.

  4. Katja sagte:

    @Martin:
    Oh ja …
    Ich vermute auch, dass Männer dieses Gen nicht so ausgeprägt besitzen, wie die weibliche Bevölkerung. :-) Sei froh!

    Danke auch Euch anderen für die Bemerkungen. :-) Merke, bin zum Glück wohl doch nicht die Einzige, die dieses “Monster” zu züchten meint. ;-)

  5. Sven sagte:

    Ich muss jeden Morgen die Entscheidung treffen, ob ich zur Arbeit gehe oder nicht. Wenn ich nicht gehen würde, hätte es natürlich den sehr wertvollen Vorteil,deutlich mehr Freizeit und somit für die Dinge,die man wirklich tun möchte, mehr Zeit zu haben! Der Nachteil ist aber in unserer Gesellschaft leider der, weniger bis gar kein Geld zu verdienen!