Halloweenspuk auf Burg Frankenstein
Servus nities,
„Bitte Süßes, sonst gibt’s Saures.“
Wenn Ihr in den nächsten Tagen vor einer roten Ampel steht und von kleinen Geistern angefallen werdet, die Euch mit diesem Spruch anbetteln, keine Sorge, gebt Ihnen Süßes. Es sind nur kleine Halloweengeister, die Hunger haben. Bevor sie Euch auffressen, haltet einfach Süßigkeiten parat und es wird Euch nichts passieren.
Viel gruseliger sind die größeren Geister wie die Zombies, Monster, Jack the Rippers und Frankensteine, die an Halloween zum Leben erweckt werden, auf der Burg Frankenstein in Mühltal bei Darmstadt-Eberstadt. Die kann man nicht einfach mit ein paar Bonbons vertreiben. Die wollen nämlich Blut – Euer Blut!
Einmal habe ich an Halloween einen solchen Ausflug auf die besagte Burg mitgemacht. Ich hatte schon so viel davon gehört, dass ich, zusammen mit paar Freunden, allen Mut zusammengenommen hatte, um mir das Spektakel einmal anzusehen.
Die Anfahrt ist schon etwas chaotisch verlaufen. Es gibt unten im Tal ein Industriegebiet mit einigen Parkplätzen. Hoch auf den Berg, wo die Geisterresidenz steht, kommt man allerdings nur mit den Bussen, die an den Veranstaltungstagen Sonderschichten fahren. Das ist schon mal etwas doof. Ich habe mein Auto nämlich ganz gerne in der Nähe, prophylaktisch für eine mögliche Flucht. Nun ja, es musste also so gehen. Nach über einer halben Stunde Warten auf das richtige Verkehrsmittel und einer gefühlten Viertelstunde Fahrt in einem vollgestopften Bus durch den dichter werdenden Wald, kamen wir endlich an der Burg an. Hier begrüßten uns bereits die ersten Geister. Doch dort war es jedoch noch relativ hell und die Lebenden waren in der Mehrzahl. Kein Grund also, sich Sorgen zu machen – zumindest bis dahin.
Die Schlange an der Kasse war so lang, wie die Schlange kurz vor Ende der Happy Hour an einer Disko. Noch mal warten war also angesagt. Gut, dass wir uns warm eingepackt hatten.
Nach einer weiteren halben Stunde passierten wir endlich den Burghof. Mittlerweile war es kurz vor Mitternacht – der Geisterstunde. Noch war es nicht allzu gruselig. Hier und da liefen im Burghof ein paar ekelig aussehende Monster herum. Mit blutverschmierten Schwertern und Messern schlichen sie grinsend um uns herum, als wollten sie sagen „Dich krieg ich auch noch“. Um lockerer zu werden, genehmigten wir uns erst einmal einen Glühwein in einer Hütte auf dem Schlosshof. Ich hoffte inständig, dass der dampfende, rote Inhalt auch wirklich Glühwein war. Ich bildete mir ein, dass das Getränk etwas zu dickflüssig aussah. Aber da es wie Glühwein schmeckte, vergaß ich meine fixe Idee, es handelte sich vielleicht um „Beuteflüssigkeit“.
Nach kurzem Boxenstopp wagten wir uns in das Gelände vor. Jetzt erst sollte es so richtig losgehen. Bis dahin war alles Kindergarten. Etwas ängstlich lief ich in der Mitte meiner Freunde, eingehakt bei einer Freundin, den anderen hinterher. Der Lehmboden war uneben, man musste ganz schön aufpassen, wohin man in der Dunkelheit trat. Wir marschierten den Rundgang entlang. Zuerst einmal ging es nur durch einen dunklen Waldweg. Plötzlich sprang uns ein Halbtoter aus dem Gebüsch entgegen. Jemand schrie auf, ich schrie gleich mit. Schnell setzten wir unseren Spaziergang fort. Meine Freunde lachten, fanden es lustig. Ich eigentlich auch, aber gleichzeitig gruselte ich mich. „Du darfst deine Angst nicht zeigen“, riet mir ein Freund. Das war ein wahrlich guter Tipp! Fortan tat ich so, als suchte ich die Monster regelrecht, damit ich sie selber erschrecken konnte, bevor sie es taten. Es machte mir richtig Spaß, Dracula und Co. aufzulauern, anzutippen und selber zu erschrecken. Meine anfängliche Angst gegen die Zombies schrumpfte. Einer der Geister amüsierte sich anscheinend über mich, umarmte mich und drückte mir plötzlich einen dicken Kuss auf die Wange, statt mir in den Hals zu beißen. Auch ließen die Gespenster sich gerne mit uns zusammen fotografieren.
Wenn einer ankam, man schon weglaufen wollte, so sprang ich freudig auf das Gruselmonster zu als hätte ich einen alten Bekannten wieder getroffen und fragte nach einem Foto. Ich war froh, den Dreh raus zu haben.
Nachdem uns im Gruselwald nichts mehr schocken konnte, wagten wir uns auf den Friedhof und an die Henkersbühne vor. Zur vollen Stunde wurde hier das Schauspiel einer Hinrichtung gezeigt. Mit der richtigen Musik und Nebelmaschinen sah alles zum Fürchten aus. Gegenüberliegend grenzte der burgeigene Friedhof an. Einige Gräber waren natürlich offen, an einigen klebte Blut. Außerdem hing eine Figur blutüberströmt aufgespießt auf einem der Zaunpfosten. Hinter uns ertönten aus Lautsprechern hässliche Schreie. Schnell weg, dachte ich. Hier und da kamen uns immer wieder ein paar freilaufende Geister entgegen, doch da der Hof übersichtlich war, es kaum Bäume und versteckte Winkel gab, fürchteten wir uns nicht. Hinter der nächsten Gasse gab es ein Bühnenspiel. Ein Exorzist versuchte, einer an ein Bett gefesselten jungen Frau, den Teufel auszutreiben. Man brauchte gar nicht hinzusehen, die Geräusche alleine ließen einem schon das Blut in den Adern gefrieren. Nebenan stieg zur gleichen Zeit eine junge Frau aus einem Sarg. Ich musste zugeben, die Überraschungseffekte erschreckten mich immer wieder, auch wenn ich es mir nicht ansehen lassen wollte.
Auf dem Rückweg trafen wir im Burghof einen Bekannten wieder. Den knutschenden Halbtoten, der sich eingangs zu unserem ersten Gruppenfoto überreden ließ. Geister sind doch nicht so schlimm, dachten wir. Im Grunde wollen sie auch nur eins, geliebt werden.
Noch bis zum 6. November könnt Ihr Euch das Halloween-Spektakel auf Burg Frankenstein selber anschauen. Viel Spaß beim Gruseln!


bald ist es wieder soweit. Der gefürchtete Monat November steht vor der Tür. Der trübste und dunkelste Monat des Jahres. Die Wochen, in denen die Bäume uns ihre schöne, bunte Blätterpracht zeigten, die Sonne uns noch ab und zu ein paar warme Sonnenstrahlen schenkte, liegen bald hinter uns. Nun begleitet uns für einige Monate der fiese, klirrendkalte und dunkle
in der kommenden Woche sollte man in
Hier stelle ich Euch Herrn B. aus Heidelberg vor, der die „Heidelberger Tafel e.V.“ unterstützt. Tafeln gibt es mittlerweile in fast allen größeren Städten. Überproduzierte Lebensmittel und solche, die das Verfallsdatum bald erreicht haben und deswegen nicht mehr verkauft werden können, werden aus Supermärkten abgeholt und an bedürftige Einrichtungen verteilt. Ebenso holen die Fahrer der Tafel Brot und Backwaren aus Bäckereien ab, die am Abend übrig geblieben sind. Die Lebensmittel aus Supermärkten müssen verschlossen sein. Angebrochene oder vergammelte Dinge werden selbstverständlich nicht mitgenommen. Auch hier herrscht eine exakte Regelung und gründliche Kontrolle. Doch lest und seht selbst, was im Einzelnen passiert: Der freiwillige Dienst von Herrn B. beginnt ca. ½ Stunde vor Ladenschluss. Er holt den Lieferwagen der Tafel ab, um damit die Supermärkte und Bäckereien anzufahren. Er muss jeweils kurz vor Ladenschluss dort ankommen, denn die Verkäuferinnen und Verkäufer möchten gerne pünktlich Feierabend machen. Da die Mitarbeiter der Supermärkte auch nicht immer wissen, was noch verwendet wird und was nicht, sortiert Herr B. die zur Verfügung gestellte Ware vor Ort. Einiges ist bereits vergammelt und wird weggeschmissen. Aber das meiste ist in Ordnung. Es ist schon erstaunlich, was ein Supermarkt alles übrig behält und was ohne die Tafel einfach weggeschmissen werden würde. Der Vito ist heute bereits schon von einer einzigen Anfahrstelle halb voll. Anschließend fährt er schnell noch eine Bäckerei an. Es ist bereits kurz nach 20 Uhr, aber er hat Glück, der Laden hat noch nicht geschlossen. Die Verkäuferinnen wussten, dass heute Ware für die Heidelberger Tafel abgeholt werden würde, und haben ein wenig gewartet. Es werden ein paar Worte gewechselt und man hilft Herrn B. dabei, die Körbe mit ganzen Broten, Brötchen, Laugenstangen, Kuchenstückchen und Teilchen in den Vito zu laden. Die Supermärkte und Bäckereien werden nicht täglich angefahren. Manchmal nur einmal in der Woche oder nach Bedarf. Es gibt Tage, da bleibt nicht viel übrig und dann gibt es wieder Tage, an denen ist der Kleinlaster bereits nach dem Anfahren einer Stelle, wie heute, fast voll. Zu guter Letzt müssen die Lebensmittel ausgeliefert werden. Die Nahrungsmittel können natürlich nicht stundenlang im Transporter verweilen. Herr B. hat heute alles einer Obdachloseneinrichtung versprochen. Vorher hat er sich telefonisch erkundigt, welche Einrichtung Bedarf hat und die Wohnsitzlosenstation war die Einzige, die sich gemeldet hat. Manchmal sind es auch Kinderheime, die angefahren werden.
Dort wird also wieder ausgeladen. Herbeigerufene Bewohner packen gerne mit an und man wechselt ein paar Worte. Die Dankbarkeit ist schon was Tolles. Normalerweise bekommen die Wohnsitzlosen nicht so eine Auswahl an Lebensmitteln aufgetischt. Der Leiter der Einrichtung erzählt, dass auch hier genau aufgeteilt wird und Dinge, die man lagern kann, auch gelagert oder eingefroren werden. Weniger lang Haltbares wird sofort verarbeitet. Doch mit der umfangreichen Lieferung können die Bewohner mehrerer Tage zusammen was Gutes kochen. Als letzte Station fährt Herr B. den Vito der Tafel wieder auf den vorgesehenen Parkplatz zur Zentrale. Dort kann ihn dann morgen oder in den nächsten Tagen ein anderer freiwillige Helfer abholen.