Archiv von September, 2011

Es gibt keine Rückspultaste im wahren Leben

Hallo nities,

auch wenn das virtuelle Leben oft kritisch beobachtet wird, es bietet ziemlich viele Möglichkeiten, von denen man im realen Leben nur träumen kann. Ich zumindest denke manchmal darüber nach, wie es aussehen würde, wenn das menschliche Hirn einmal ein Update erfährt und sich an die heutige Zeit anpassen würde. Wie würde unser Leben aussehen, wenn die Vorteile aus dem Cyberlife ins tatsächliche Leben übertragen werden könnten? Wer den Kinofilm „Klick“ kennt, weiß vielleicht, wovon ich rede: Workaholic Michael bekommt eines Tages von dem geheimnisvollen Morty eine Fernbedienung geschenkt, mit der er sein Leben steuern kann. Langweilige Momente in seinem Alltag lassen sich damit vorspulen, schöne Dinge beliebig oft wiederholen, den Ton kann er dämpfen, wenn seine Frau mit ihm schimpft und ganz schnell vorspulen, um zu seiner Beförderung mit Gehaltserhöhung zu gelangen.

Wäre es nicht toll, wenn es so etwas wie eine „Rückspultaste“ in unserem Leben gäbe? So wie bei dem Computerspiel „Die Sims“. Fehler, die man gemacht hat, Streitigkeiten und Fehlentscheidungen ließen sich wieder korrigieren. Böse Dinge, die man zu jemandem gesagt hat, peinliche Situationen, in die man geraten ist und Misserfolge könnte man ganz einfach bereinigen. Man könnte sich auch wieder in seine Kindheit zurück beamen und die Weichen total anders stellen, natürlich mit der Erfahrung vom Jetzt. Es gäbe keine „Hätte-ich-damals-doch-nur-Vorwürfe“ mehr. Auch Unfälle ließen sich vermeiden, Gewalt verhindern und Leid mindern. Man wäre vielleicht in der Lage, sich per Gedankenübertragung mit Freunden zu „linken“ und zu kommunizieren. Hat man irgendwann doch mal zu viel Mist gebaut, dann drückt man einfach die „Reset-Taste“ und fängt neu an.

In Frankfurt gab es neulich von der Redaktion des Junge Zeitung Projektes einen Selbstversuch zum Thema Facebook im echten Leben. http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/frankfurt/facebook-im-echten-leben_rmn01.c.9232601.de.html Die engagierten Redakteurinnen und Redakteure hatten sich mit Plakaten aus Pappe, als Gegenstück zur virtuellen Pinnwand, auf die Straße gestellt. Über die Brust geklebt, trugen sie ihre Profilangaben, also den Beziehungsstatus, Wohnort, Alter und Hobbys. Natürlich durfte auch der „Gefällt-Mir-Button“ nicht fehlen. Passanten wurden nun aufgerufen, etwas auf die reale Pinnwand zu schreiben oder vorhandene Einträge zu beantworten. Nach einiger Skepsis begannen fremde Menschen mitzumachen, posteten etwas auf den Karton, wozu andere Passanten Stellung nahmen. Mit gelben Post-Its wurde alles „geliked“ und kommentiert, was vorbeilief. Die Frisuren und Kleidung der Passanten, das Wetter, die Stimmung und natürlich die Aktion selbst. Eine Plakatträgerin wurde leicht von einem jungen Mann geschupst. Aber er lachte dabei und rief: „Haha, angestupst“. „Facebook into real life“ nannten die jungen Zeitungsmacher die Aktion. Das virtuelle Leben ist also zum Greifen nah. Da soll man mal sagen, nur virtuell traue man sich alles. ;-)

Workaholic Michael aus dem Film „Klick“ machte im Laufe der Zeit jedoch die Erfahrung, dass er sehr viele kleine Dinge in seinem realen Leben nicht sah, weil er zu viel auf seiner Fernbedienung herumgeklickt hatte. Er wollte immer schneller woanders sein und langweilte sich im Jetzt. Erst später merkte er, dass es im Jetzt viel besser ist und dass er Vieles falsch gemacht hat. So wird in der Geschichte für den Familienzusammenhalt als oberstes Gebot plädiert, gegen das niemals durch übertriebenen Ehrgeiz oder Egoismus verstoßen werden sollte.

Tja, da sieht man wieder, dass das virtuelle Leben immer noch anders abläuft als das reale und das sich Fehler im wahren Leben nicht so schnell löschen lassen. Aber auch ein schlimmer Fauxpas im virtuellen Leben kann ganz schön in das tatsächliche Leben eingreifen. Da die Rückspultaste noch in keinem Leben erfunden wurde, müssen wir doppelt vorsichtig sein. Aber vielleicht dürfen wir schnell Dahergesagtes auch einfach nicht so streng bewerten und sollten allgemein einfach nachsichtiger werden?

Eure Katja

Was bedeutet „Ich weiß nicht …? – “Nachhilfe in Sachen „Beziehungs-Kauderwelsch“

Servus nities,

„Ich weiß nicht?“, das ist ein Satz, den Frauen gerne verwenden. Welcher Mann atmet nicht erst einmal schwer durch, wenn er diesen Satz von seiner Herzensdame hört? Nicht immer bedeutet „Ich weiß nicht?“ tatsächlich, dass sie es nicht weiß. Manchmal weiß sie es ganz genau. Und gerade dann wird es erst richtig schwer …

Diese drei kleinen Wörter können auch Taktik sein oder mit einem Ausrufezeichen ausgesprochen werden. Überhaupt kann der simple Satz aufgrund verschiedenartiger Betonung unterschiedliche Bedeutungen ausdrücken. Im Chinesischen gibt es ja bekanntlich eine Häufung von gleichen Wörtern, die unterschiedlich betont etwas ganz anderes bedeuten. Wie Chinesisch mag für manch einen Mann die Ausdrucksweise einer Frau zu verstehen sein. Ich will mal versuchen, die „Beziehungssprache“ ein bisschen verständlicher zu machen:

Das männliche Geschlecht bevorzugt klare Aussagen. Das wissen wir ja bereits aus diverser hochwissenschaftlicher Fachliteratur wie „Bunte“, „Freundin“ und „Bild der Frau“, nach der wir uns zu richten pflegen. Männer halten sich bekanntlich kurz, knapp und präzise. Eine Frau hingegen kann sich unendlich lange über ein „Ja“ oder „Nein“ auslassen. Nichtsdestotrotz habe ich den Eindruck, dass aber gerade Männer in Beziehungen ihrer „besseren Seite“ Entscheidungen gerne überlassen, oder sollte man besser „zuschieben“ sagen?
Frauen geben nämlich ganz gerne den Ton an, wohingegen der Mann sich oft gar nicht erst äußert. (Hat er auch eine Chance? ;-) ) „Entscheide du“, sagt er, wenn sie wissen will, was für eine Farbe die Wohnzimmerwand bekommen soll. Klar, bei der Wohnungseinrichtung hat natürlich die Frau das Zepter in der Hand, das ist ja sowieso klar! Beim Spachteln, Streichen, Hämmern und Bohren muss er dann selbstverständlich ran. Das entscheidet die Frau.

Geht ein Paar gemeinsam essen, kann es passieren, dass sie unendlich lange die vielen Seiten der Karte studiert und nichts findet. Der Mann hat sich selbstverständlich nach 10 Sekunden für ein Gericht entschieden. „Ach, ich weiß nicht, was ich nehmen soll“, jammert die Frau. Der Mann hingegen kennt das ja schon, rollt nur seine Augen. Warum weiß sie es nicht und was will sie jetzt von ihrem Begleiter? Tatsächlich ist es so, dass sich die Frau etwas überfordert fühlt mit der riesigen Auswahl und wahrscheinlich ohnehin nichts finden wird. Wie beim Auswählen von Kleidung aus einem übervollen Kleiderschrank. Männer, da müsst Ihr ran. Entscheidet einfach für sie und gut is‘ es. Da Frauen bei der Speiseauswahl jedoch etwas anders vorgehen als Männer, müsst Ihr nur einen wichtigen Punkt beachten: Das Ausgewählte darf so gut wie keine Kalorien haben. Wählt im Zweifel einen Salatteller für sie aus und dann soll es mal gut sein. Andernfalls bekommt Ihr vermutlich anschließend zu hören, dass Schnitzel und Pommes nun ihren Speiseplan für die kommenden zwei Wochen durcheinander gebracht hätten.

Steht eine wichtige Entscheidung an, überlegt sie lange hin und her, ob sie diese unangenehme Sache tatsächlich angehen muss und wenn ja, wie? „Ich weiß nicht, ob dies und jenes …?“ und „Ich weiß nicht, ob nicht doch so und so …?“ „Ich könnte auch so und ich könnte anders …!“ Schrecklich, diese Unentschlossenheit! Was sollte der Mann also machen? Ich glaube, da kann man gar nicht mehr viel helfen. Das Unentschlossenheitsmonster wütet erst einmal für eine gewisse Zeit, bis es sich dann von selber wieder aus dem Kopf verabschiedet. Mitunter kann das länger dauern. In manchen Fällen kann er jedoch mit einem überzeugenden Ratschlag punkten. Einfach mal ausprobieren.

Ein paar Beispiele aus dem Alltag:
Geht Ihr, liebe Männer, mit Eurer Partnerin für Euch Klamotten kaufen und das Urteil der Frau ist ein skeptisches „Ich weiß nicht!“, dann legt das Teil am besten schnell wieder weg.
Lautet die Antwort auf „Wollen wir ins Kino gehen?“ ebenfalls „Ich weiß nicht?“, so bedeutet das ein zweifelloses „Nein“.
Fragt Ihr sie nach dem Verbleib Eurer Autoschlüssel, Jeans, Socken, Lieblings-Leberwurst oder des Regenschirms und sie sagt „Ich weiß nicht“, meint sie „Pass doch selber auf deinen Kram auf!“
Seid Ihr im Begriff, ihr eine teure Halskette zu kaufen oder die Rechnung für ein gemeinsames Dinner zu übernehmen, und sie bringt den besonderen Satz, dann lautet die Übersetzung: „Ja bitte, gerne!“
Wenn man sich noch nicht so lange kennt und Ihr sie fragt, ob sie über Nacht bleiben wolle und sie antwortet schüchtern, dass sie es nicht wisse, dann weiß sie es möglicherweise tatsächlich selber noch nicht. Sie ist vermutlich unsicher. Bestimmt will sie schon bleiben, sonst hätte sie ja sofort „Nein“ gesagt, aber möglicherweise hat sie Bedenken, weil sie schnarcht, ihr Make Up für den kommenden Morgen nicht dabei hat oder sonst etwas sie abhält, von dem sie denkt, dass es Euch verschrecken könnte. Da sollte ihr „Ich weiß nicht“ keinesfalls mit einem „Nein“ gedeutet werden. Da geht also noch was! ;-)

Das sind natürlich alles Vermutungen, denn jeder Mensch ist anders. Klagt mich nicht an, wenn ich einen falschen Tipp gegeben habe oder es bei Euch ganz anders ist. Ich bin ja auch „nur“ eine Frau. Und ob das nun alles so stimmt mit meinen Übersetzungen? – „Ich weiß nicht …?“ ;-)

Eure Katja

Ist das Singledasein egoistisch?

Liebe nities,

in der Sonntagsausgabe der FAZ fiel mir ein Leserbrief ins Auge. Eine Dame aus Köln äußerte sich darin empört über die Aussage der Sängerin Ina Müller, die da lautete: „Für mich bringt heiraten nichts“ (FAZ 04.09.2011)

Da bei NIT auch viele Singles zu finden sind, frage ich mich, wie Ihr das seht?

Man kennt ja die Anzeigen auf der Pinnwand. Männlein wie Weiblein geben sie auf, um gemeinsam etwas zu unternehmen, es sind meistens Singles. Diese Treffen sind locker, abwechslungsreich, unkompliziert. Sie können wahrgenommen werden – müssen aber nicht. Als Single hat man viele Vorteile: Man kann sein Leben täglich neu gestalten, die Zukunft ist offen, man muss sich für nichts rechtfertigen und es kann noch so viel Spannendes passieren. Man ist unabhängig und darf sich auch locker einfach mal verabreden, vielleicht sogar ein bisschen flirten.
Es gibt sogar ein Buch, welches 111 Gründe aufzählt, die es schmackhaft machen sollen, Single zu sein.

Heutzutage muss man auch nicht mehr heiraten, um finanziell abgesichert zu sein. Frauen verdienen mittlerweile selbst genug, sind viel selbstständiger und selbstbewusster geworden. (Die Rente ist ja sowieso nicht mehr sicher, für den Single sowie als Paar.) Die Zeiten ändern sich. Wurden Ehen früher für die Ewigkeit geschlossen, rechnet man heute eher in Lebensphasen und mit einem Lebensabschnittsgefährten. Vielleicht ist es aber auch so, dass Singles Angst haben, etwas zu verpassen, wenn sie sich verpartnern?

Die Verfasserin des Lesebriefs zu Ina Müllers Äußerung nannte Singles egoistisch, da sie sich nicht auf einen Partner einstellen wollten, nicht kompromissbereit seien und mit zunehmendem Alter immer verschrobener würden. Jeder kennt solche Eigenbrötler oder hat möglicherweise bereits selber Merkmale dergleichen an sich selber festgestellt.

Natürlich ist es auch schön in einer festen Beziehung. Ohne Frage! Man ist füreinander da, nicht alleine, stützt und stärkt sich gegenseitig, kann sich austauschen, ergänzen und der Partner schafft es mitunter, einen wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzubringen, wenn man sich mal doof angestellt oder verhalten hat. Man bekommt ständig Feedback. Doch wenn man sich zu sehr auf seinen Partner fixiert, kann es auch zu einer ungewollten Angleichung kommen. Man hört nur noch die Meinung des Partners. Drum ist es wichtig, weiterhin Freundschaften zu pflegen, Freunde einzuladen und auszugehen. Auch ein Urlaub ist wichtig für eine Beziehung, ein Ausbrechen aus dem Alltag. Eintönigkeit kann beziehungskillend sein. Wenn man zwar gemeinsam, aber abwechslungslos vor sich her lebt, keinen Liebesbeweis mehr von seinem Partner erhält oder selber keine mehr vergibt, sich nicht mehr gegenseitig überrascht, geht letztlich auch das Kribbeln verloren. Will ein Partner gerne Neues erleben, während der andere seine Routine braucht, bricht die Beziehung früher oder später ganz auseinander.

So gibt es wohl auch immer wieder Partner, die sich in einer Beziehung ausruhen. Wenn der Mann die Beine hochlegt, während die Frau putzt, kocht, bügelt und die Kinder versorgt, dann stimmt etwas nicht. Wie viele Frauen leben nach dem erfolgreichen Ausbruch aus so einer Beziehung auf? Sie nehmen längst verloren geglaubte Hobbys wieder in Angriff, verändern ihr Äußeres und leben glücklicher. Statistisch gesehen ziehen Männer sich jedoch eher zurück. Aber der Absprung muss erst einmal geschafft werden. Wenn man sich mittlerweile gut mit den Freunden, Verwandten und Eltern des Partners versteht, fällt es nochmal schwerer, eine Trennung zu vollziehen. Es ist, als würde man einen Teil seiner eigene Familie verlieren. Andersherum kann kein Mann eine beispielsweise ständig nörgelnde Ehefrau ertragen und wird irgendwann vielleicht fremd gehen. Aber man muss ja nicht ewig zusammenbleiben. Man hat die Wahl.
Des Weiteren kann es sein, dass man feststellt, dass die Lebensplanung einfach nicht übereinstimmt oder man sich verändert hat. Wenn es jedoch ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Geben und Nehmen, Zusammensein und Freiraum gibt und die Gefühle füreinander sich nicht verändert haben, steht einer langen und glücklichen Partnerschaft nichts im Wege.

Ich denke, es kommt immer drauf an. Eine Partnerschaft ist selbstverständlich schön, aber man ist heutzutage auch so vielen Reizen ausgesetzt, dass es einfach stetig schwieriger wird, etwas für immer und ewig zu besiegeln. Man lässt sich die Zukunft gerne offen.
Wie seht Ihr das denn? Habt Ihr einen Partner, seid Ihr Single und wenn ja, wieso?

Eure Katja

Öffentliche Entschuldigung:

Liebe nities,

diese Sonntag gibt es leider keinen Blog.
Ich habe meine Geschichte herausgenommen, da jemand Parallelen gefunden und auf sich bezogen hat. Das sollte nicht sein und tut mir aufrichtig leid.

Die Blogs sind veränderte Geschichten aus dem Leben und von NIT-Mitgliedern (was so alles beim Support eingeht, mir erzählt wird, Beschwerden etc.). Manchmal sind es auch fiktive Geschichten und ganz und gar nicht immer meine eigenen Erlebnisse, auch wenn ich in der Ich-Form schreibe. (So viel kann ein Mensch gar nicht erleben.) Es kann immer mal sein, dass jemand zu irgendeinem Ereignis Ähnlichkeiten findet, was Musikern bei ihren Songtexten, Malern in ihren Bildern oder Menschen die was schreiben, passieren kann. Man schaue sich nur mal die Berichte im so genannten „Reality-TV“ an …

NIT soll Spaß sein und keinen Ärger oder Streitigkeiten fördern. Ich habe mir beim Schreiben nichts Schlimmes gedacht, weil ich keine speziellen Personen im Auge hatte. Im Nachhinein kann ich mir vorstellen, dass jemand diese Geschichte vielleicht auf sich beziehen kann. Das sollte aber absolut nicht sein und tut mir, wie gesagt, aufrichtig leid!

Eure Katja

„Hallo Schätzchen, das Essen ist fertig!“

Hallo nities,

da fährt man nichts Böses ahnend mit der Straßen- oder U-Bahn und wird dabei immer öfter Zeuge kurioser Telefonate. Bahnfahren kann Comedy pur sein. Dass mindestens fünf Fahrgäste in öffentlichen Verkehrsmitteln lautstark ins mobile Telefon schwatzen ist fast Alltag, aber um was es mitunter geht, drängt mich doch manchmal zur Frage, ob irgendwo eine versteckte Kamera steht.

Mitunter bekommt man Gesprächsfetzen von der Nebenbank mit, die sich um Themen drehen, bei denen man sich entweder schütteln muss und rätselt, ob das Gehörte wohl stimme oder Dinge, zu denen einem auch etwas einfällt. Gerne würde man sich einmischen, das Thema inhaltlich bestätigen, protestieren oder dem Unbekannten erleichternd um den Hals fallen. Danken, dass man anscheinend nicht der Einzige ist, dem diese gewissen Dinge widerfahren. Doch meist sind wir zu schüchtern oder wohlerzogen und mischen uns natürlich nicht in fremde Gespräche ein. Nichtsdestotrotz bleibt gerade deswegen etwas vom Gehörten hängen und wir erzählen es bei der nächsten Gelegenheit weiter.
„Weiß du noch, als einmal diese Tussy in der Straßenbahn laut per Handy von ihrem One Night Stand erzählt hat?“
„Oh Mann, da hat doch tatsächlich einmal einer im Restaurant über seine Hämorriden gesprochen.“
„Gestern klagte eine junge Frau neben mir über die Unfreundlichkeit einer Verkäuferin. Das ist mir auch mal so gegangen.“
So oder ganz ähnlich bleiben uns gewisse Gespräche, die wir eigentlich nicht hätten mitbekommen sollen, im Gedächtnis. Manchmal jedoch hat man den Eindruck, andere sollen es gerade mitbekommen oder das Gespräch ist sogar gestellt, so kurios klingt es. Wo ist also die versteckte Kamera?

Ähnlich wie die mobilen Telefonate, die immer und überall geführt werden, sind die virtuellen Unterhaltungen, auch Statusmeldungen oder Twitter, genannt. Man zwitschert lautstark alles heraus, was man gerade so macht, einem auf der Zunge liegt, erlebt hat und vor hat zu machen. „Heute Abend geht’s in die Sauna“, schreibt eine junge Frau. Klar, dass der eine oder andere männliche Leser gleich fragt, ob er mitkommen darf. Die Mütter und Väter dieser Generation klatschen währenddessen die Hände über dem Kopf zusammen und rufen empört aus, dass es so was zu deren Zeit nicht gegeben hat. Nein, vor fünfunddreißig, vierzig Jahren oder selbst noch die Generation davor wuchs nicht mit Handy und Internet auf. Dafür hatten sie die „Flower Power“ Zeit. Anstelle virtuell durch die Gegend zu zwitschern, haben sie sich real getroffen, aber – nicht zu vergessen – auch, um dabei vielleicht einen Joint zu rauchen und die Freie Liebe auszuprobieren? Wer weiß, was die Jugend ´68 so alles angestellt hat?
Klar, ich bin auch kritisch, was die ständige Erreichbarkeit, Verfügbarkeit und die Kommunikation über das Internet betrifft. Viele User scheinen auch die Regeln dafür nicht so zu beherrschen. Dass man während einer Krankmeldung eben nicht twittert „Zum Arzt, Koffer packen und weg“, wie es eine junge Frau in Düsseldorf tat und damit Ihren Ausbildungsplatz verlor, das sollte klar sein. Dummheit muss eben bestraft werden!
Wenn man überfliegt, was da so alles gepostet wird! Eine Mutter berichtete neulich davon, dass sie ihre Tochter kaum mehr zu Gesicht bekäme. Anteil an ihrem Leben nimmt sie fast nur noch über das Internet, beklagt sie. Überall werde gepostet, gelinkt und geadded, aber einen Guten-Morgen-Kuss habe sie schon lange nicht mehr erhalten. „Ich überlege, ob ich auch mal was poste, damit ich überhaupt noch mit meiner eigenen Tochter kommuniziere“, erwägt sie und hat auch schon den Satz, den sie ihr zwitschern würde und der sie vielleicht vom PC weglocken könnte: „Hallo Schätzchen, das Essen ist fertig!“

Eure Katja