Archiv von August, 2011

Zweideutige Pinnwandeinträge

Servus nities,

neulich bin ich mit Freunden auf das Thema „Pinnwandeinträge“ zu sprechen gekommen. Hinter den Anzeigen versteckten sich mitunter alles andere als User, die einfach auf der Suche nach einer „normalen“ Freizeitbeschäftigung seien, bemängelten sie. Nein, einige scheinen die Plattform sogar als Möglichkeit entdeckt zu haben, sich durch gewisse Dienste etwas dazuverdienen zu wollen. Selbst wenn es nicht ums Geld geht, diverse Lüste scheinen in der Luft zu liegen. Spricht man diese User direkt an, so heißt es, man habe die Sache ganz falsch verstanden. Ja klar! ;-) Beweisen kann man also wie immer nichts. Dennoch macht es keinen Spaß mehr, beklagen sich „normal tickende“ nities. „Du schreibst jemanden an und er oder sie will eigentlich etwas anderes, als einen trinken gehen und quatschen, eine Radtour oder Inlineskating-Ausflüge unternehmen.“

Selbst ich habe vor ein paar Jahren zufällig und selbstverständlich ungewollt (!) den hier vermutlich allseits bekannten „Fußfetischisten*“ getroffen: Der unter mehreren Pseudonymen angemeldete nitie gab sich mir am Ende des nur einstündigen Gespräches zu erkennen und erklärte mir auch seine Vorgehensweise. Geld wolle er nicht für seine Tätigkeit, es würde ihm einfach Spaß bereiten, Frauen die Füße zu massieren. Okay?!, dachte ich und war mir nicht ganz sicher, was ich davon halten sollte. Klar, es gibt ausgebildete Masseure, die ihren Beruf mit Leidenschaft ausführen und eben welche, die es hobbymäßig betreiben, eben auch der Leidenschaft wegen. Da dieser Typ soweit auch nicht aufdringlich wirkte, sachlich und offen drüber sprach, dachte ich, es sei schon in Ordnung. Ob man seine Künste jedoch auf der new-in-town-Pinnwand anbieten muss, dessen bin ich mir nicht ganz schlüssig? Auch pflege er mehrere Pseudonyme, für jeden Zweck einen anderen, erklärte er offen: „Wenn ich jemandem die Freude einer Fußmassage schenken möchte, dann nenne ich mich „Fußfetischist*“ und wenn ich beispielsweise Leute für einen Biergartenabend suche, dann nenne ich mich „Biga*”, eben für Biergarten. So blicke ich dann selber auch noch durch bei meinen Anzeigen.“ Geschickt, denke ich und vermute, dass sicher so einige sich hinter virtuellem Doppelleben verstecken. Um euch nicht auf falsche Gedanken zu bringen; ich hatte natürlich die Absicht, „Biga“ zu treffen, keinen “Fußfetischisten”! ;-)

Was unser „Freund“, der „lustiger_krieger* mit seinen „Rauf- und Kuschelpartys“ eigentlich seit Jahren sucht, das weiß ich immer noch nicht. Wer kennt nicht die Anzeige, in der jemand die Situation eines liebevollen Geraufes zwischen Vater und Sohn in einer Parkanlage beschreibt, die er beobachtet hätte und sich nun ebenfalls ach so sehr nach so einem Körperkontakt sehnt? Da überlege ich mir doch, was in seiner Kindheit schief gelaufen ist? Soll er doch einen Sohn zeugen und sich mit ihm raufen! Warum muss man dann über Jahre immer die gleiche Anzeige schalten und sich damit lächerlich machen? :-(
Vor einigen Jahren gab es ein Pärchen, welches in sich ständig wiederholenden Anzeigen mit falschem Deutsch und ohne Punkt- und Komma oder jemals von einer Groß- und Kleinschreibetaste gehört zu haben schien, nach „allgemeinen Freundschaften“ suchte. Natürlich musste dabei immer erwähnt werden, dass sie „keine sexuellen Kontakte suchten“, dafür aber „mobil“ seien, was der kuriosen Anzeige zusätzlichen Wiedererkennungswert verlieh. Wie oft haben wir uns im NIT-Kreis über diese Anzeige lustig gemacht. Mittlerweile sieht man die Anzeige nicht mehr. Ich habe gehört, die beiden hätten nun ein Kind und würden eher nach anderen Kleinfamilien Ausschau halten. Ich gehe mal davon aus, dass sie jetzt, mit Kind, nicht mehr ganz so mobil sind, aber auf die sexuellen Kontakte weiterhin verzichten. Schon etwas ulkig!

Oder jüngst das hier: Ein Typ sucht Reisebegleitung, ganz eindeutig mit (!) sexuellen Kontakten. Sorry, aber das ist doch ein Angebot zu einem Pornourlaub?! Hier mal der inhaltlich weitgehend UNVERÄNDERTE Text:
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„bezahlbarer Luxus in Kroatien mit Massage vom 24-31.08.
Von Splitfan* ( , 44 Jahre) in XY ,
welche Frau bis 40 kommt mit ? wir sind 3 Frauen + 2 Männer und möchten aus Paritätsgründen noch eine Frau dafür begeistern.Kein Pärchenspaß, partnertausch od ähnliches.Da wir schon oft da waren lieben wir Kroatien sehr.Am 24.08 geht es nach Split. wir haben uns ein wunderschönes Luxus-Haus gemietet.Das Haus,Wellness und Tantra-Masseurin und Private Köchin sind nur für uns:-)Wir möchten mit einer kleinen Gruppe eine Tolle und entspannte Zeit genießen,
Tägliche Wohlfühl-Massage und Privat-Koch sorgen für unser Wohlergehen.
Sauna, Infrarotkabine, Doppeldusche, Badewanne, Jacuzzi im Freien, Wellness liege und offener Kamin ,Meeresblick…Das Haus hat Platz für 10 Personen. die Lust haben sich uns anzuschließen sind herzlich willkommen, Freuen uns sehr….Vor allem weil es Splitfans Heimatecke ist & Er als Insider euch sicherlich von großem Nutzen sein würde!!! Es erwartet uns Kroatien ganz privat, abseits vom Massentourismus: Urlaub unter Freunden!“
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Weiterführend beklagte sich ein männlicher Freund, dass er in der letzten Zeit vermehrt Nachrichten von fremden Frauen bekommen würde. Anfangs fand er es noch ganz nett, erzählte er, denn sie schienen sich ebenfalls für seine Hobbys (Modelleisenbahn und Inlineskaten) zu interessieren. So antwortete er den Damen, denn er ist ja ein freundlicher Mensch. Als aber die Damen nichts von sich selber preisgaben, keine einzige Modelleisenbahn benennen konnten und auch keine Straßen für Inlinetouren zu kennen schienen, wurde er stutzig. „Interessieren die sich überhaupt tatsächlich für mein Hobby oder ist es ein Vorwand?“, überlegte er. Letztlich stellte er die Damen zur Rede und siehe da, sie gaben zu, einfach nur einen Mann kennenlernen zu wollen. Alles andere würde sich ergeben … Da soll mal einer sagen, nur Männer ticken so!
„Der Hammer war ja noch,“ so berichtete der Freund weiter „manche Damen sind mindestens zehn Jahre jünger als ich, hinterlassen beim ersten schriftlichen Kontakt bereits ihre Handynummer und verabschieden sich mit „Bussi“. Ist doch klar, was die wollen! Nee, das muss ich nicht haben!“ Da werden dann einfach mal ein paar Leute angeschrieben, einer wird schon antworten und sich mit denen treffen. Aber Vorsicht, diese „Freizeitaktivität“ kann Euch teuer zu stehen kommen.

Schade, dass mitunter der Ruf einer gesamten Plattform durch so einen Schund leiden muss. :-( Dabei soll new-in-town doch eine Hilfe sein, um sich in einer neuen Stadt zurechtzufinden.

Eure Katja

*Namen selbstverständlich verändert

Stille Gedanken …

Liebe nities,

vor einem Jahr berichtete ich Euch schon mal von einem tragischen Unfall, der sich bei einem Freizeitausflug in Allgäu mit Beteiligung von NIT-Freunden von mir ereignet hat.

Eine Gruppe Radfahrer geriet damals auf der Rückfahrt einer Fahrradtour in einer engen Kurve ins Schleudern, stieß zusammen und einige Teilnehmer wurden dabei teilweise schwer verletzt. ( http://blog.new-in-town.com/2010/nities-bei-unfall-verletzt-freundschaften-sind-mehr-als-nur-miteinander-feiern/ ). Neben Knochenbrüchen, Platzwunden und nicht zu vergessen, dem Schock, den die Teilnehmer davontrugen, berichtete ich von Andrea und ihren schweren Verletzungen an der Wirbelsäule und an ihrem rechten Bein. Die Ausflügler trugen alle einen Helm, waren vorsichtig und dennoch konnte so etwas passieren. Wenn man bedenkt, dass damals so viele Radfahrer beteiligt waren, da wird einem erst bewusst, wie wenig Einfluss wir selber manchmal auf unser Schicksal haben: „Ich pass schon auf“, „Warum sollte ausgerechnet mir etwas passieren?“, „Unkraut vergeht nicht“, „Ich bin erfahren“ heißt es immer. Nichts da! Wenn das Schicksal es so vorgesehen hat, dann schlägt es zu.

Was ich damit sagen will:
Die Plattform new-in-town gibt es mittlerweile bereits über zehn Jahre. Wie viele Einzelschicksale haben sich in dieser Zeit zugetragen? Wie viele User leben vielleicht schon gar nicht mehr? Unfall, Krankheit oder andere Schicksalsschläge können von einer Sekunde zur nächsten einen Strich durch die Rechnung, in dem Fall durch die Lebensplanung, ziehen. Was dann?
Ich erinnere mich an einen NIT-Ausflug vor etwa zwei Jahren, bei dem ich selber anwesend war. Ein Teilnehmer erhielt eine Nachricht, dass etwas Schlimmes passiert sei. Wir saßen in einem Biergarten, als er aufstand, weil sein Handy klingelte. Nach einiger Zeit kam er kreidebleich und wie vom Schlag getroffen zurück. Ein Freund hätte sich das Leben genommen. Ein anderer nitie am Tisch wusste es bereits, er kannte ihn auch. Was für eine furchtbare Nachricht! Nein, das Leben besteht ganz sicher nicht daraus, ständig gut drauf zu sein, damit man bei anderen gut ankommt. Lebenskrisen darf man am besten nie zeigen, man könnte ja ausgegrenzt werden, für schwach gehalten werden, denkt manch einer. Von Unfällen und deren Folgen, Problemen, Krankheiten und sogar den Tod wollen wir erst gar nichts hören. Gerade die letzten Monate haben auch mich, aufgrund eines Unfalls eines Freundes, Schicksalsschläge oder sogar Todesfälle, von denen ich gehört habe, sensibler gemacht. Nachrichten dieser Art zu bekommen, das ist etwas, was wir uns nicht vorstellen können und es macht uns betroffen, wenn es doch passiert. Die Angst, Familienmitglieder oder Freunde zu verlieren ist dabei oftmals stärker als die Angst, dass uns selber etwas passieren könnte. Gruselig manchmal, wenn eine verstorbene Person noch immer eine aktive Seite bei Portalen wie Facebook oder wer-kennt-wen hat. Vieles wird ja auch über das Internet erst publik gemacht. Trauerbekundung und persönliche Worte gehören hierbei allerdings nicht gepostet. Klar, man möchte seine Anteilnahme zeigen, doch wenn ein Angehöriger bittet, dass von Beileidsbekundungen Abstand genommen werden soll, muss man das akzeptieren. Ich selber war drauf und dran, meine Anteilnahme kürzlich auch hinter eine solche Statusnachricht zu schreiben. Es ging um einen ehemaligen Nachbarn von dessem plötzlichen Tod ich aus dem Internet erfuhr. Doch ich ließ es besser sein, schrieb nichts. Später wies eine mir fremde Frau, sicher eine enge Freundin der Witwe, die vielen „Facebook-Freunde“ böse darauf hin, die Einträge doch möglichst sein zu lassen. Zum Glück hatte ich nichts geschrieben! Allerdings lässt auch und gerade die Betroffenheit das Gefühlszentrum zu richtigem oder falschem Handeln fehlleiten. Wenn ich mir überlege, wie viele Menschen sich gegenseitig das Leben schwer machen, im Job beispielsweise durch Mobbing, Hierarchiedenken oder in der Partnerschaft durch Alltagsstreitereien, dann muss man sich manchmal wirklich besinnen und bewusst werden, wie schnell es auch zu Ende sein kann mit allem. Man sollte seine Freunde schätzen, Zeit mit ihnen verbringen, sie ernst nehmen und nach Möglichkeit nie im Streit auseinandergehen. Wozu machen wir uns so oft selber das Leben schwer? Steckt es in uns? Bedarf es erst Schicksalsschlägen, um uns für eine Zeit lang wach zu rütteln?

Habt Ihr über NIT auch Leute kennengelernt, die durch einen Unfall gezeichnet oder mittlerweile verstorben sind? Möchtet Ihr etwas dazu schreiben?

Eure Katja

Schule oder Studium beendet. Was nun?

Servus nities,

heute widme ich mich den Berufsanfängern. Die Ferien sind vorbei und für so manch einen heißt es, ab in die Ausbildung. Wer sich rechtzeitig um einen Ausbildungsplatz gekümmert hat, liegt klar im Vorteil. Jetzt noch eine Lehrstelle zu finden, das ist schier unmöglich. Wem es nächstes Jahr bevorsteht, der fängt am besten gleich mit der Suche an. Doch was macht man, wenn man nicht weiß, wo seine Stärken liegen, wobei man sich wohlfühlen und was man gerne beruflich machen würde? Ich habe letzte Woche das „Monster der Unentschlossenheit“ vorgestellt. Es ist gar nicht so selten, dass man in jungen Jahren einfach noch nicht weiß, was man beruflich machen möchte. Schließlich hat man noch nicht viel ausprobiert und kennengelernt. Die Agentur für Arbeit bietet das Berufsinformationszentrum BIZ an. Natürlich kann man sich auch online ( http://www.arbeitsagentur.de/nn_6786/Navigation/Dienststellen/RD-H/Frankfurt/Agentur/Buerger/BIZ/BIZ-Nav.html ) informieren oder man geht direkt hin. Ich weiß noch, dass ich vor vielen Jahren mit meiner Schulklasse auch hingegangen bin. Dort gibt es Videofilme und Sammelordner, die fast jeden Beruf vorstellen. Sollte man also schon einen Job im Auge haben, ist es sehr sinnvoll, sich hier über die Ausbildungsdauer, Vergütung, körperliche und handwerkliche Anforderungen, Arbeitsorte, wirtschaftliche Aussichten etc. zu informieren. Man könnte sich auch einen Praktikumplatz suchen und vor der eigentlichen Ausbildung ausprobieren, ob einem der Beruf wirklich zusagt. Was aber, wenn man so absolut nicht weiß, was man möchte?

Die Agentur für Arbeit und auch zahlreiche Bücher bieten Tests an, anhand dieser man seine Stärken und Schwächen erkennen soll. Arbeite ich gerne im Freien oder in einem Büro? Alleine oder im Team? Bin ich ein „Macher“, kann ich andere motivieren oder überzeugen oder führe ich lieber Anweisungen aus? Bin ich handwerklich geschickt, habe gerne mit Menschen zu tun oder eben nicht? Rede ich gerne oder bin ich eher ein introvertierter Typ? Kann ich mich in Menschen hinein versetzen, bin mitfühlend? Bin ich künstlerisch begabt oder habe ich zwei linke Hände, bin dafür gut im logischen Denken? Fragen über Fragen, die einem den Weg weisen sollen. Man beschäftigt sich damit und findet hoffentlich seinen Traumjob. Außerdem gibt es für Berufseinsteiger ja die Berufsberatung. Dennoch rate ich dazu, mindestens ein Auge offen zu lassen und sich nichts aufschwätzen zu lassen. Damals, als ich von der Schule aus solche Tests machen musste, hatte ich auch keine Idee. Ziemlich schnell redete man mir den Beruf der Arzthelferin (mittlerweile heißt es „Medizinische Fachangestellte“) schön, weil es eben noch viele freie Ausbildungsplätze gab. Dabei wollte ich das gar nicht werden. Ich konnte mich gar nicht mehr aus den Klauen der Berufsberaterin entreißen, so festgefahren war sie in ihrer fixen Idee, mich in diesem Beruf unterkriegen zu wollen. Ich weiß nicht, vielleicht bekommen die Damen und Herren Berufsberater Provision für jede erfolgreiche Vermittlung? Letztlich habe ich mich gefügt und eine Ausbildung zur Arzthelferin begonnen, für 3 Wochen! Dann wechselte ich den Ausbildungsbetrieb und landete in einem Foto Atelier und lernte, was ich heute noch bin, Fotografin. Also immer aufpassen. Es gibt ein nettes Büchlein, was mir diesbezüglich kürzlich in die Hände gefallen ist. Es erzählt die Geschichte der 24jährigen BWL-Studentin Susanne Meier. („Warum Elefanten nicht gerne auf Bäume klettern“, von Claudia Schönrock im Laudatio Verlag). Sie ist nach ihrem Studium auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Susanne erzählt von ihrem Leben, ihren Träumen, von ihrem Freund und all den Dingen, die sie auf der Suche nach ihrem Traumjob erlebt, als fortlaufende Geschichte. Elefanten klettern nicht gerne auf Bäume bedeutet eben nichts anderes, als dass nicht jeder Mensch die gleichen Eigenschaften und Fähigkeiten ausweist. Was dem einen Spaß macht, kann für den anderen eine Strafe sein. Man muss sich selber eben erst auch kennen lernen.
In dem Taschenbuch erhält der Leser gute Tipps, bekommt Ratschläge und wird auf Stolpersteine hingewiesen. Susanne durchläuft alle Stationen, die einem begegnen können. Von der Jobsuche, über Bewerbungen schreiben, Vorstellungsgespräche vereinbaren und wahrnehmen, Fragen richtig beantworten, dem Assessment-Center,
wie man Rückmeldungen zu nehmen hat und vieles mehr. Wie es mit Susanne und ihrem Freund ausgeht und für welchen Job sie sich entscheidet, das verrate ich Euch nicht. Schließlich ist es eine Geschichte, kein Sachbuch und Geschichten verrät man nicht. ;-) Wer für ein Studium oder Ausbildungsplatz umziehen muss, der braucht sich auch keine grauen Haare wachsen zu lassen und Angst haben, alleine zu sein. Es geht doch allen so. Mit new-in-town seid Ihr nicht alleine. In fast jeder großen Stadt gibt es mittlerweile NIT-Gruppen, mit denen Ihr über die Pinnwand Kontakt aufnehmen oder die Ihr über die Umkreissuche ausfindig machen könnt. Ihr könnt Euch für den Anfang auch eine nette WG suchen. Wer schnell neue Freunde findet, der gewöhnt sich auch an die neue Stadt und dem fällt letztlich auch der Neustart leichter. Außerdem könnt Ihr ja auch aktiv werden, selber einen Pinnwandeintrag eingeben und so vielleicht von anderen nities „Geheimtipps“ über Firmen, Städte und anderen Dingen erhalten. Nach der Schule oder dem Studium wird zwar einiges anders werden, aber nicht schlechter. Ihr steht dann ein ganzes Stück selbstständiger in Eurem Leben und verdient Eure eigenen Brötchen. Selbst wenn Ihr irgendwas beginnt, Ihr müsst es ja nicht – wie es früher bei Euren Großeltern noch oftmals der Fall war – Eurer Leben lang machen. Man kann immer noch umswitchen, umschulen und etwas ganz anderes lernen.

Eure Katja

Die Unentschlossenheit

Liebe nities,

Mensch, was wäre das Leben einfach, wenn es nicht die Unentschlossenheit gäbe! Wie oft sucht mich dieses fiese Monster heim? Es ist wirklich zum Mäuse melken. Kaum gibt es irgendwas zu entscheiden, kommt es angekrochen. Scheinbar mit dem Gedanken, mich zu quälen. Aus „Ja“ oder „Nein“ wird ein „Vielleicht“ und das „Vielleicht“ hat unzählige weitere Möglichkeiten parat. Gibt es da nicht den Spruch: Hinter jeder Ecke lauern ein paar Richtungen*.

Richtungen und Möglichkeiten – und wie viele es da gibt! Das fängt ja schon gleich morgens an und steigert sich im Laufe des Tages in seiner Intensität und dem Schwierigkeitsgrad. Auf die Frage, aufzustehen oder liegen zu bleiben antworte ich von Montag bis Freitag mit „aufstehen“ und am Wochenende mit „liegen bleiben“. Das ist also noch verhältnismäßig leicht. Die Erfahrung spielt hier eine Rolle.
Weiter geht’s mit dem Frühstück. Sollte ich frühstücken oder lieber nicht? Wenn ja, was? Manche Ernährungsberater empfehlen ja ein Frühstück – die meisten sogar – also kann es nur gut sein, zu frühstücken. Nun die Entscheidung, was ich frühstücke? Weizenkleie, Haferflocken, Obst und Kaffee (meine Verdauung wird’s mir danken). Oder doch lieber ein Brötchen mit Marmelade (nicht sehr nahrhaft), nur Obst (gesund, aber dann habe ich gleich wieder Hunger) etc. Da fängt es schon an: Hach, alles nicht so einfach.
Anschließend stehe ich vor meinem prall gefüllten Kleiderschrank und finde nichts zum Anziehen. Welche Frau kennt das nicht. Immer diese Entscheidungen!

Natürlich gibt es auch weitaus tiefgründigere Entscheidungen, die ich noch so nebenher Tag für Tag zu fällen habe, berufliche wie private. Bekannt dafür, mich nicht entscheiden zu können, hat mir ein guter Freund einmal das „Buch der Antworten“ geschenkt. Ne tolle Sache. Es ist wie ein Orakel. Man stellt sich eine Frage, die man nur mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten kann. Also beispielsweise: Soll ich frühstücken? Die Frage nach „Was soll ich frühstücken“ geht also schon wieder nicht. Dann schlägt man irgendeine Seite auf und liest den Tipp. So kann dort stehen: „Schau dir gestern an.“ (Dann habe ich eine gute Antwort.) Oder ich schlage zufällig eine andere Seite auf „Nimm was Grünes“. (Ah, ich werde einen Apfel essen.) Manchmal antwortet es einem jedoch überhaupt nicht hilfreich. Mit Antworten wie: „Frage deine Mutter“, „Zähle bis zehn und schlage eine neue Seite auf“, „Du weißt es im tiefen Inneren selber“ oder „Schlafe noch mal eine Nacht drüber“ ist einem im akuten Fall auch nicht wirklich gedient. Was also machen? Hilft nichts, man muss sich selber entscheiden.

Unentschlossen ist wohl jeder mal. Gerade was das Ausgehen angeht – bei dem Wetter derzeit! Geht man in ein Open Air Kino oder lieber in ein überdachtes Center? Geht man überhaupt aus oder lädt man seine Freunde zu sich ein? Wird es regnen oder über 30 Grad heiß? Alles ist möglich. Obwohl man hier nicht drin steckt, weil sich das Wetter nicht beeinflussen lässt, muss man sich schließlich zu irgendwas entschließen. Nur was? So machen manche Menschen lieber gar nichts.

Auch Nena kennt anscheinend die Qual der Wahl. In ihrem Lied „Es gibt viele Möglichkeiten“ heißt es weiter: „… wofür soll ich mich entscheiden? Für das eine oder andere, soll ich gehen oder bleiben? Wenn ich gar nicht mehr weiß was ich will, dann verlass ich mich auf mein Gefühl.“
Frauen können das besser als Männer, das Gefühl entscheiden zu lassen. Aber es dauert dann auch eine ganze Weile länger. Drum liebe Männer, nicht ärgern, wenn Eure Freundin wieder gequält „Ich weiß nicht?“ jammert. Das ist normal. Das Unentschlossenheitsmonster sucht sich lieber Frauen aus, um sie zu quälen.

Ich werde mich jetzt erst mal verabschieden, denn am Wochenende ist so viel los überall: Straßenfeste, Sportevents, Geburtstagspartys, Grillnachmittage. Mal sehen, wo ich heute noch hingehen könnte. Leider weiß ich es noch nicht, ich muss mich erst entscheiden …

Eure Katja

Wo habe ich das her (Infos zum Text):
- Die Postkartenserie „Monster des Alltags“ ist von Christian Moses
- *Stanisław Jerzy Lec, „Unfrisierte Gedanken“
- Das Buch der Antworten ist von Carol Bolt