Archiv von Mai, 2011

EHEC-Bakterien – eine neue Seuche kommt in Mode

Servus nities,

da haben wir’s! Schon wieder ein Lebensmittelskandal. Diesmal trifft es das doch sonst ach so gesunde Gemüse. Wer hätte das gedacht!?

Hatten wir vor ein paar Jahren nicht erst die Rinderseuche und Schweinepest, woraufhin die Zahl der Vegetarier anstieg? Dann gab es noch die Sache mit dem Gammelfleisch, wo älteres Fleisch frischen Produkten zugesetzt wurde. Niemand wollte mehr Fleisch essen, achtete sogar peinlich genau auf jegliche Zusatzstoffe in Brühwürfeln und Instandsuppen. Rind und Co. waren verpönt. Die Angst, sich den Rinderwahnsinn oder sonst was einzufangen war allgegenwärtig. Um ehrlich zu sein, ich habe nie von wirklichen Ansteckungsfällen gehört.
Mitte der 80er Jahre wurde Frostschutzmittel in Wein gefunden. Wisst Ihr noch? Das war der gepanschte Glykol-Wein.

Was gab es noch? Ach ja, die Vogelgrippe. Ach was haben wir uns gesorgt. Wir regten uns auf über die Massentierhaltung, wollten alle keine Hähnchen mehr essen. Nachdem niemand mehr darüber sprach, die Schlagzeilen in Zeitungen sich verringerten und ganz aus dem Interesse der Öffentlichkeit verschwand, kehrten wir zurück zum alten Schema. Wenn ich mir überlege, wie lang die Schlange bei der Geflügelbude donnerstags auf dem Markt ist. Die Vogelgrippe, Massentierhaltung und all das interessiert jetzt doch niemanden mehr.

Anfang des Jahres dann kam dann der Dioxinskandal in Mode. Was haben wir erneut über die Vogelgrippe und ihre Folgen spekuliert. Bio-Eier wurden gekauft. Die Nachfrage war groß. Die Lieferanten kamen nicht mehr hinterher. Wie auch!? Bio ist eben das Gegenteil was Massenproduktion. Geflucht wurde, was das Zeug hält: „Wieso haben Sie keine Bio-Eier mehr?“ Wir sind es eben gewöhnt, dass es hier zu Lande alles zu kaufen gibt. Somit müssen wir auch mit den Folgen, Krankheiten und Bakterien rechnen. Wie viele Kunden waren verunsichert, viele wurden zum Vegetarier, einige steigerten sich übertrieben zum Veganer oder wurden gleich essgestört.

Salat, Obst und Gemüse, das sei doch gesund, hört man immer wieder. Man braucht kein Fleisch, so entscheiden immer mehr Menschen für sich. Nun müssen sich die Vegetarier aber sich ganz schön veräppelt vorkommen, denn jetzt gibt es auch eine Seuche speziell für sie: EHEC (Enterohämorrhagische Escherichia coli). Was sagt man dazu? Die Welt ist eben doch ausgeglichen und gerecht. Na dann mal guten Appetit!

Eure Katja

PS: Ein Kommentar – vermutlich sogar ernst gemeint auf meinen Artikel Soap-Opera war, das 30 Sekunden Händewaschen doch eine ziemliche Umweltbelastung sei. Nun gut die Empfehlung aller lautet weiter hin vor dem Essen und nach dem…Händewaschen nicht vergessen.

Die bequeme Unverbindlichkeit

Grüß Euch nities,

Werbung bekommt man ne ganze Menge, sogar unerwünscht und penetrant. Was sich mitunter einige unter Euch wünschen, was ruhig etwas mehr sein darf, das ist Resonanz auf Pinnwandanzeigen und Verbindlichkeit bei der Einhaltung von Verabredungen.

Wir haben Frühling, teilweise locken uns bereits sommerliche Temperaturen ins Freie. Es zieht einen unweigerlich raus, zumindest geht es mir so. Wer will da nicht auch gerne etwas gemeinsam mit Freunden unternehmen, eine Radtour machen, ins Freibad gehen oder grillen? Doch wie geht man vor? Fragt man ein, zwei Freunde, so wissen selbst diese oftmals noch nicht, ob sie mitmachen. Nities veröffentlichen ihre Anfrage natürlich auf der Pinnwand von new-in-town. Schon alleine deswegen, weil man vielleicht auch ganz gerne neue Leute dabei haben möchte. Postet man die Idee also öffentlich, erhält man mitunter eine Menge Antworten. Doch nach wenigen Briefwechseln flaut oft das Interesse schlagartig ab. Manche User melden sich einfach gar nicht mehr, dabei schienen sie doch anfangs so interessiert gewesen zu sein.
Wenn man nicht gerade einen Frühstückstreff oder Kinobesuch plant, wobei man für eine feste Anzahl von Leuten buchen muss, ist das alles kein Problem. Komme, wer will.

Aber woran liegt es, dass sich einige Leute sogar nach einem regen Briefwechsel gar nicht mehr melden? Hat heutzutage niemand mehr Lust auf Verbindlichkeit? Ist die Auswahl zu groß? Wartet man, ob es bessere Angebote gibt? Am Ende wird eine ausgemachte Verabredung sogar nicht mal abgesagt. Immer wieder schreiben uns nities, dass der potenzielle Freund sich einfach nicht mehr meldet oder ohne abzusagen nicht erscheint. Dieses Phänomen scheint also keine Ausnahme zu sein.

Meine Vermutung ist, es gibt eben mehrere Typen von nities:
Da haben wir zum einen den „Party-Typen“, für den Masse statt Klasse zählt. Hauptsache ständig unterwegs sein und bloß nicht zu eng anfreunden mit jemandem. Diese Typen sind oftmals gar nicht fähig, eine wahre Freundschaft einzugehen. Sie geben vor, viele Freunde zu haben. Sind sie doch immer irgendwo unterwegs, kennen überall Leute und lieben den Rausch der Reize, aber eben oberflächlich.

Dann gibt es den „Unsichtbaren“, der einfach nie auftaucht. Mit nie meine ich auch nie. Er zeigt sein Gesicht nicht, versteckt sich hinter seinem Pseudonym und lebt in seiner eigenen Welt. Mitunter philosophiert er in einem Briefwechsel schön daher oder lebt seine Tagträume, doch wirklich beide Füße bekommt dieser virtuelle Typ nicht auf den Boden. Vor allem treffen werdet ihr ihn nicht, denn der Unsichtbare outet sich nie.

Ich kenne noch die „Vorsichtigen“. Sie sagen im letzten Moment ab, würden aber dennoch gerne den Kontakt halten. Der oder die Vorsichtige ist eher weiblich, hat Angst davor, bei anderen vielleicht nicht anzukommen, aber sie kann nicht aus ihrer Haut. Sie würde vielleicht schon ganz gerne etwas unternehmen, doch sie wägt ständig ab, ob es denn richtig sei, sich mit Fremden zu treffen und ihrem Leben dadurch neue Anreize zu geben.
Sicher gibt es auch Leute, die einem nicht so sympathisch sind und man es denen nicht unbedingt direkt sagen möchte. Man ist ja höflich. Auch dieser Grund kann für einen unerwarteten Rückzug infrage kommen. Da müsste man sich dann mal selber fragen, woran es liegen kann und ob es einem oft so ergeht.

Kennt Ihr noch mehr Typen nities, die nicht in eine dieser Kategorien fallen und gerne absagen oder auch nicht mal das und unerwartet den Kontakt abbrechen? Wie ergeht es Euch mit Verabredungen? Was sind Eure Erfahrungen und wie geht Ihr damit um? Meint Ihr, es liegt am Zeitalter Internet, dass man sich hinter einem Pseudonym verstecken kann und damit unsichtbar bleiben darf? Braucht man deswegen keine Verabredungen mehr einzuhalten, weil einen sowieso niemand kennt? Was habt Ihr für Erfahrungen gemacht?

Eure Katja

Deutschland schafft sich ab und wird Facebookland

Sicher es gibt wichtige Themen, um auf die Straße zu gehen: Atomkraft Nein Danke und Stuttgart 21. Doch kaum jemand hat reagiert als Facebook Guerilla-Aktionen gegen Google versuchte. Vielleicht ist die Angst schon zu groß. Ich zuckte auch für einen Moment als ich dies auf meiner Facebookseite veröffentlichte. Vielleicht werde ich jetzt ausgesperrt? Denn was will ich dagegen unternehmen oder hat schon jemand von Euch mit einem Facebook Support gesprochen? Gutes Beispiel ist Sonys Datenpanne. Nicht der deutsche Datenschutz ist zuständig, sondern der Britische. Wer hat da die AGBs nicht gelesen.

Im Facebookland wird alles unterdessen über diese Plattform abgewickelt. Volkswagen hat eine Fanseite für den neuen Jetta. Der Spiegel und die Wirtschaftswoche schon lange – wer erwartet noch kritische eine Berichterstattung? Selbst die konservative CSU in Bayern wirbt für eine Teilnahme-Bestätigung mittels Facebook. Es gibt Länder, die sich noch nicht im Facebooksog befinden, hauptsächlich in Asien.

Was denkst Du? Ist Facebook das Web 3.0 und alle anderen müssen sich unterordnen? Sind unsere Gesetze überhaupt noch relevant, wenn die großen der IT-Branche Facebook, Google und Apple über uns mehr wissen, als unsere nächsten Angehörigen? Und wer behauptet, Microsoft ist die nächste große Datensauger durch den Kauf von Skype?

Ich freue mich auf (anonyme) Rückmeldungen.

Eure Lisa

PS: Wenn Ihr in der Willkommenbox auf Euren Namen klickt, dann könnt Ihr in Eurem Profil die Facebookfunktionen und die Twitterbox auf der Startseite ausschalten.

Was ist das Geheimnis am European Song Contest?

Genug vom European Song Contest? Der Insider spricht ja nur vom ESC, sprich einer Taste am Computer. Die hätte man gestern Abend öfter drücken sollen und doch habe ich bis zum Ende durchgehalten, wie viele andere. Und wenn man die Meldungen im Internet liest, sind nur wenige von der Musik, den Stimmen oder Auftritten begeistert. Neues, bis auf ganz wenige Ausnahmen, wurde kaum geboten. Die Sandmalerei,  die vom nichtssagenden Georgischen Gesang ablenkte, kann man schon seit Jahren bei Youtube sehen.

Sicherlich war der italienische Beitrag eines Jazzmusikers wenigsten qualitativ hochwertig und hat somit mit dem zweiten Platz gezeigt, dass dies in Europa anerkannt wird. Doch häufig war ich überrascht, dass plötzlich Lieder aus der zweiten Hälfte der Tabelle 12 Punkte bekamen, vermutlich nur auf der Basis der kulturellen Nähe. Übrigens gilt dies nicht für Österreich und Schweiz, den  Österreich gab keine Punkte an die Schweiz. Obwohl ich persönlich das Schweizer Lied besser eingestuft habe, auch wenn die Sängerin sehr verkrampft war.

Warum tun wir uns diese eigentlich schon totgesagte Veranstaltung noch an? Geht es um die Tradition? Geht es um das gemeinsame Schauen, privat auf einer ESC-Party oder beim Public-Viewing oder bietet dieser Event tatsächlich kulturelle Zerstreuung, nur ich bin zu intellektuell dafür? Was denkt Ihr? Oder sollten wir das Ganze schnell vergessen, zudem wir, d.h. der deutsche Beitrag  ja nur 10. geworden sind und was heißt das überhaupt? Mir wäre es eher wichtig, mal einen Punkt aus Israel zu bekommen, dann hätte das ganze auch einen politischen Auftrag erfüllt.

Übrigens Aserbaidschan – wie schreibt man dies überhaupt? – liegt doch in Asien – wieso nehmen die am European Song Contest teil?

Eure Lisa

Mein täglicher Kampf gegen die unerwünschte Werbung

Servus nities,

na, hat noch jemand von Euch im Mai mit etwas Neuem begonnen? Ist jemand umgezogen, also „new-in-town“, hat eine neue Arbeitsstelle aufgenommen, eine fremde Sportart ausprobiert, eine neue Liebe gefunden oder einen neuen Briefkasten aufgehängt? Erzählt doch mal davon. Bei mir gibt es ständig was Neues, aber eher unerwünscht. Das hat mit meinem Briefkasten zu tun, auch wenn der nicht neu ist:

„Oh Mann!!!“, stöhne ich genervt, als ich meinen Briefkasten aufschließe, mir ein Stapel Flyer entgegenflattern und sich auf dem Hausflur ausbreiten. Pizzazettel (wie können so viele Pizzerias nebeneinander überhaupt überleben?), Visitenkarten von Autokäufern (wenn die wüssten, was ich für einen Wagen fahre, täten sie mir das nicht einwerfen), mehrere auf rotem Papier gedruckten Zettel bieten mir Umzugshilfe an (knallrot fällt schon auf, nervt aber nicht weniger), dazu kitschige Bildchen mit frommen Sprüchen, die mich anscheinend für eine dubiose Sekte gewinnen wollen. Von den vielen Anzeigenblättchen in Zeitungsformat will ich gar nicht erst sprechen. Dabei habe ich doch einen „Keine-Werbung-Aufkleber“ an der Postklappe. Scheint niemanden zu interessieren.

Umständlich pflücke ich das Altpapier vom frisch gewischten Boden, bevor Frau von Kunze, unsere Möchtegern-Hausmeisterin, mich der Ordnung belehrt. Sicher liegt sie schon längst auf der Lauer hinter ihrem Türspion, vermute ich. In meiner Wohnung angekommen entsorge ich das ganze Zeug sofort im Altpapier. Fast ging dabei doch glatt die Urlaubskarte einer Freundin mit drauf, die ich gerade noch als wirkliche Post identifizieren konnte.
Dabei hat doch der Bundesgerichtshof in einem Urteil (Aktenzeichen VI ZR 182/88) entschieden, dass Firmen sich an das Schild „Keine Werbung“ halten müssen. Ich vermute, die Jugendlichen, die ihr Taschengeld aufbessern möchten und mich mit dem Kram beglücken wollen, wissen davon nichts. Wenn es Euch stinkt, Ihr könnt die Firmen mit Verweis auf dieses Urteil anschreiben. Ob es allerdings etwas bringt, das wage ich, zu bezweifeln. Drum lasse auch ich das sein.

Kaum habe ich mein Altpapier entsorgt, da klingelt mein Telefon. Ich registriere beim Abheben des Hörers, dass bereits einige Nachrichten eingegangen zu sein scheinen. Ich freue mich, denn ich vermute ein paar Freunde, die sich nach meinem Wohlergehen erkundigen wollen. Freudig hebe ich ab und melde mich.
Gespielt freundlich säuselt mir eine männliche Stimme ins Ohr: „Guten Tag, sind Sie auch unzufrieden mit Ihrer Krankenversicherung?“
Das hat mir gerade noch gefehlt, denke ich. „Nein danke“, sage ich und bitte ihn höflichst, mich aus seiner Verteilerliste zu streichen. Woher der nun wieder meine Nummer hat? Jedoch hat man mit dieser soften Vorgehensweise, die ich an den Tag lege, meist nur für kurze Zeit Ruhe. Wirkungsvoller ist es, unerwünschte Werbeanrufe bei der Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen zu melden. Die Behörde kann die Nummern sperren und die Urheber abmahnen, beziehungsweise Bußgelder verhängen. Auf der Website der Bundesnetzagentur gibt es Beschwerdeformulare unter anderem gegen unerwünschte Telefon- und Faxwerbung, Gewinnmitteilungen per Post sowie sogenannte Ping-Anrufe. Oft klingelt das Telefon oder Handy nur einmal und der Angerufene (der Mensch ist ja meist von neugieriger Natur) soll dazu verleitet werden, auf einer überteuerten Nummer zurückzurufen. Außerdem hat bei einem Rückruf die Firma die Bestätigung, dass diese Nummer existiert, was auch bei E-Mail Spam der Fall ist. Also rate ich Euch, nie, nie und nimmer drauf zu antworten.

Natürlich war es das noch nicht. Ich habe ja noch einen Computer. Ich weiß schon, was mich jetzt erwartet …
Mein Gefühl hat mich nicht getäuscht. Der blaue Balken meiner Serververbindung zeigt sich sehr aktiv: 17 Nachrichten, davon 14 Spams blinken auf, nachdem der Balken endlich stillsteht. „Toll!“ Keine Ahnung, was der Spam-Filter eigentlich für einen Job ausübt? Natürlich wurde auch dafür bereits ein Gesetz geschaffen, das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (§ 7 Absatz 2 Nr. 3 UWG). Allerdings ist dies kaum möglich anzuwenden, da die meisten Spam-Mails von unseriösen Firmen mit gefälschtem Absender stammen.

Da man diese rege Kommunikation auf diversen Gebieten schwer wieder abstellen kann, sollte man versuchen, sie gar nicht erst entstehen zu lassen. Ich rate daher, sehr vorsichtig mit der Herausgabe von Adressen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen umzugehen. Gerade Gewinnspiele sind fatal. Gewonnen wird selten etwas, statt dessen freuen sich die „Jäger und Sammler“ über Eure Daten und geben sie gerne weiter.

Was kann man also sonst noch tun?
Ihr könnt Euch in sogenannte „Robinson-Listen“ des Deutschen Dialogmarketingverbands eintragen. Dann wird Eure Adresse mit einem Sperrvermerk versehen, damit keine unerwünschten Werbebriefe mehr ankommen. Das gibt es natürlich auch im Internet ichhabediewahl.de und robinsonliste.de.

Auf das Ihr nicht in der Werbeflut ertrinkt.
Eine schöne Woche wünscht Euch

Eure Katja

Alles neu macht der Mai

… oder wie es sich anfühlt, selber irgendwo neu zu sein!

Liebe nities,

die Fastenzeit ist vorbei, wir haben schon Mai. Wer kennt nicht den berühmten Spruch „Alles neu macht der Mai“. Ist vielleicht jemand von Euch gerade irgendwo neu? Wie fühlt sich das an?

Dabei muss man nicht gleich neu in eine Stadt gezogen sein, es reicht mitunter, einer Gruppe beigetreten zu sein, vielleicht einer Laufgruppe, einem Sportverein, eine neue Arbeitsstelle angenommen zu haben oder einer, sich regelmäßig treffenden Freizeitgruppe von new-in-town. Vielleicht zieht man auch in eine Wohngemeinschaft ein und muss sich behaupten. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, der Neue/die Neue zu sein. Doch was ist das für ein Gefühl? Jeder hat es doch schon einmal erlebt. Wie erging es Euch dabei?

“Hast du schon die Neue gesehen? Man, was hat die denn an!“
“Die Neue kann sich immer noch nicht an meinen Namen erinnern.“
“Mann, die Neue lernt es nie!“
Solche Aussagen werden nicht selten gemacht. Zuerst einmal werden Neuankömmlinge mit einer gewissen Skepsis beäugelt. Das ist auch irgendwie normal. Körpersprache, Gestik, Ausdrucksweise, Humor, und vor allem, Schlagfertigkeit und das Selbstbewusstsein werden von den anderen ausgetestet. Wie weit kann ich bei demjenigen gehen und wie tickt er? Kann die Neue/der Neue mir vielleicht gefährlich werden? Manchmal spielt Eifersucht oder eine eigene Unsicherheit eine Rolle, einen Neuling erst einmal distanziert und skeptisch zu betrachten.
Für einen Neuen kann das „Austesten“ mitunter belastend sein. Man möchte nichts falsch machen. Wenn man gleich zu forsch auf etwas reagiert, ist man eventuell unten durch. Abzuwarten führt oft dazu, dass es immer so weitergeht. „Mit dem kann man es machen“, denken die anderen. Sollte man auf diese Dinge also cool reagieren (wenn man es kann), ernsthaft oder sich auf gleiche Ebene herab begeben?
Wer sich zu behaupten weiß, gut auf das Heranpirschen der anderen reagiert, mit einer gewissen Lockerheit oder auch Gleichgültigkeit gesegnet ist, der gewinnt. Dabei kommt es natürlich auch stark darauf an, wo man eingestiegen ist. Sei es in einer Sport- oder Freizeitgruppe, in einer neuen Firma oder gar in einer neuen Stadt mit einer ganz eigenen Individualität.

Stellen wir uns einen in einer Kleinstadt oder einem Dorf aufgewachsenen Zeitgenossen vor, der in eine Großstadt umgesiedelt ist oder umgekehrt. Dieser Neubürger wird sich erst einmal auf mehreren Ebenen behaupten und zurechtfinden müssen. Es wird behauptet, auf einem Dorf sei es schwer, wenn nicht unmöglich, sich als Fremder einzuleben und akzeptiert zu werden. Es wird zwar viel getratscht, jeder kennt jeden und weiß scheinbar alles besser über einen (manchmal mehr als man selber), doch Fremde werden ungern aufgenommen. Warum? Aus Angst vor neuen Eindrücken?
Umgekehrt fällt es einem Dorfmenschen, der seine Leute um sich herum braucht, die Überschaubarkeit seines Dorfes gewohnt ist und seinen Schützenverein, Kegelklub oder Frühschoppen liebt schwer, in der Anonymität der Großstadt klarzukommen. Da kann das Ziehen einer Fahrkarte an einem Ticketautomaten schon zu einer großen Herausforderung werden.

Ist man der oder die Neue in einer Wohngemeinschaft, so muss man sogar mit den Leuten leben. Wenn da einer bei ist, zwischen dem und einem selber die Chemie einfach nicht stimmt, jemand laut oder unordentlich ist, so führt dies zwangsläufig zu Streitigkeiten. Wenn es sich aufbaut und keiner von beiden dem nachgibt, dann wird die Sache irgendwann eskalieren.

Auch im Berufsleben gibt es täglich Menschen, die irgendwo einen neuen Job beginnen. Im Job ist es normal – nicht nur als Neue/r – sich auch mal ungeschickt zu verhalten oder Fehler zu machen. Auch langjährigen Mitarbeitern unterläuft das. Passiert es nun aus Flüchtigkeit oder weil man mehrere Dinge auf einmal wahrzunehmen hat. Nicht selten hört man, das eine oder andere müsse man doch schon längst können, man hätte es ja schon gemacht. Diese Aussage ist typisch, egal ob man einen Tag dabei ist, seine Aufgaben also gestern schon einmal erklärt bekommen hat, vier Wochen oder zwei Jahre. Neu in einer Firma zu sein bedeutet unter anderem, gleichzeitig alle neuen Zusammenhänge und Eindrücke zu erfassen, Namen Gesichtern zuordnen zu können, über „Ticks“ der Kollegen oder Vorgesetzten Bescheid zu wissen, Vorlieben und Sonderwünsche zu kennen. Neben dem Einarbeiten in ein Arbeitsgebiet mit all seinen Aufgaben wird man gleichzeitig gefordert, all diese vielen Dinge nebenher zu erfassen. Macht ein Job Spaß, sind die Kollegen und Kunden geduldig und freundlich, so ist das alles einfacher. Leider jedoch scheint es in vielen Firmen alles andere als harmonisch zuzugehen. Von unterschiedlichen Seiten her hört man, dass Stress und Zeitdruck den Alltag vieler Betriebe bestimmen, mit ins Wochenende genommen werden, es Unstimmigkeiten gibt oder sogar gemobbt wird. Warum? Gerade was das Arbeitsklima angeht, da fragt man sich, wieso nicht auch harmonisch gearbeitet werden kann? Wieso bekommen wir das nicht hin? Ich vermute mal, jeder normale Mensch hat ein Bedürfnis auf Harmonie, arbeitet besser, wenn er sich wohlfühlt und gerne auf die Arbeit kommt. Wohl nicht jeder? Überall gibt es einen oder mehrere, die das allgemeine Klima zu vergiften versuchen. Mal ist es ein unfähiger Teamleiter, Kollegen, der cholerische Chef oder es sind die ungeduldigen, überanspruchsvollen Kunden. Neue Mitarbeiter müssen in so einer Firma ganz besonders stark sein, denn schließlich kennen sie den Ablauf und die Leute noch nicht, wissen nicht, an wen sie sich wenden können und wer es ehrlich meint.

Da jeder doch schon irgendwann einmal irgendwo neu angefangen hat, möchte ich jetzt was hören, bzw. lesen. Ist jemand von Euch schon einmal in so einer Situation gewesen oder ist es aktuell? Wie habt Ihr reagiert und wie ging das alles aus? Habt Ihr Tipps für andere? Erzählt doch mal.

Eure Katja