… oder wie es sich anfühlt, selber irgendwo neu zu sein!
Liebe nities,
die Fastenzeit ist vorbei, wir haben schon Mai. Wer kennt nicht den berühmten Spruch „Alles neu macht der Mai“. Ist vielleicht jemand von Euch gerade irgendwo neu? Wie fühlt sich das an?
Dabei muss man nicht gleich neu in eine Stadt gezogen sein, es reicht mitunter, einer Gruppe beigetreten zu sein, vielleicht einer Laufgruppe, einem Sportverein, eine neue Arbeitsstelle angenommen zu haben oder einer, sich regelmäßig treffenden Freizeitgruppe von new-in-town. Vielleicht zieht man auch in eine Wohngemeinschaft ein und muss sich behaupten. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, der Neue/die Neue zu sein. Doch was ist das für ein Gefühl? Jeder hat es doch schon einmal erlebt. Wie erging es Euch dabei?
“Hast du schon die Neue gesehen? Man, was hat die denn an!“
“Die Neue kann sich immer noch nicht an meinen Namen erinnern.“
“Mann, die Neue lernt es nie!“
Solche Aussagen werden nicht selten gemacht. Zuerst einmal werden Neuankömmlinge mit einer gewissen Skepsis beäugelt. Das ist auch irgendwie normal. Körpersprache, Gestik, Ausdrucksweise, Humor, und vor allem, Schlagfertigkeit und das Selbstbewusstsein werden von den anderen ausgetestet. Wie weit kann ich bei demjenigen gehen und wie tickt er? Kann die Neue/der Neue mir vielleicht gefährlich werden? Manchmal spielt Eifersucht oder eine eigene Unsicherheit eine Rolle, einen Neuling erst einmal distanziert und skeptisch zu betrachten.
Für einen Neuen kann das „Austesten“ mitunter belastend sein. Man möchte nichts falsch machen. Wenn man gleich zu forsch auf etwas reagiert, ist man eventuell unten durch. Abzuwarten führt oft dazu, dass es immer so weitergeht. „Mit dem kann man es machen“, denken die anderen. Sollte man auf diese Dinge also cool reagieren (wenn man es kann), ernsthaft oder sich auf gleiche Ebene herab begeben?
Wer sich zu behaupten weiß, gut auf das Heranpirschen der anderen reagiert, mit einer gewissen Lockerheit oder auch Gleichgültigkeit gesegnet ist, der gewinnt. Dabei kommt es natürlich auch stark darauf an, wo man eingestiegen ist. Sei es in einer Sport- oder Freizeitgruppe, in einer neuen Firma oder gar in einer neuen Stadt mit einer ganz eigenen Individualität.
Stellen wir uns einen in einer Kleinstadt oder einem Dorf aufgewachsenen Zeitgenossen vor, der in eine Großstadt umgesiedelt ist oder umgekehrt. Dieser Neubürger wird sich erst einmal auf mehreren Ebenen behaupten und zurechtfinden müssen. Es wird behauptet, auf einem Dorf sei es schwer, wenn nicht unmöglich, sich als Fremder einzuleben und akzeptiert zu werden. Es wird zwar viel getratscht, jeder kennt jeden und weiß scheinbar alles besser über einen (manchmal mehr als man selber), doch Fremde werden ungern aufgenommen. Warum? Aus Angst vor neuen Eindrücken?
Umgekehrt fällt es einem Dorfmenschen, der seine Leute um sich herum braucht, die Überschaubarkeit seines Dorfes gewohnt ist und seinen Schützenverein, Kegelklub oder Frühschoppen liebt schwer, in der Anonymität der Großstadt klarzukommen. Da kann das Ziehen einer Fahrkarte an einem Ticketautomaten schon zu einer großen Herausforderung werden.
Ist man der oder die Neue in einer Wohngemeinschaft, so muss man sogar mit den Leuten leben. Wenn da einer bei ist, zwischen dem und einem selber die Chemie einfach nicht stimmt, jemand laut oder unordentlich ist, so führt dies zwangsläufig zu Streitigkeiten. Wenn es sich aufbaut und keiner von beiden dem nachgibt, dann wird die Sache irgendwann eskalieren.
Auch im Berufsleben gibt es täglich Menschen, die irgendwo einen neuen Job beginnen. Im Job ist es normal – nicht nur als Neue/r – sich auch mal ungeschickt zu verhalten oder Fehler zu machen. Auch langjährigen Mitarbeitern unterläuft das. Passiert es nun aus Flüchtigkeit oder weil man mehrere Dinge auf einmal wahrzunehmen hat. Nicht selten hört man, das eine oder andere müsse man doch schon längst können, man hätte es ja schon gemacht. Diese Aussage ist typisch, egal ob man einen Tag dabei ist, seine Aufgaben also gestern schon einmal erklärt bekommen hat, vier Wochen oder zwei Jahre. Neu in einer Firma zu sein bedeutet unter anderem, gleichzeitig alle neuen Zusammenhänge und Eindrücke zu erfassen, Namen Gesichtern zuordnen zu können, über „Ticks“ der Kollegen oder Vorgesetzten Bescheid zu wissen, Vorlieben und Sonderwünsche zu kennen. Neben dem Einarbeiten in ein Arbeitsgebiet mit all seinen Aufgaben wird man gleichzeitig gefordert, all diese vielen Dinge nebenher zu erfassen. Macht ein Job Spaß, sind die Kollegen und Kunden geduldig und freundlich, so ist das alles einfacher. Leider jedoch scheint es in vielen Firmen alles andere als harmonisch zuzugehen. Von unterschiedlichen Seiten her hört man, dass Stress und Zeitdruck den Alltag vieler Betriebe bestimmen, mit ins Wochenende genommen werden, es Unstimmigkeiten gibt oder sogar gemobbt wird. Warum? Gerade was das Arbeitsklima angeht, da fragt man sich, wieso nicht auch harmonisch gearbeitet werden kann? Wieso bekommen wir das nicht hin? Ich vermute mal, jeder normale Mensch hat ein Bedürfnis auf Harmonie, arbeitet besser, wenn er sich wohlfühlt und gerne auf die Arbeit kommt. Wohl nicht jeder? Überall gibt es einen oder mehrere, die das allgemeine Klima zu vergiften versuchen. Mal ist es ein unfähiger Teamleiter, Kollegen, der cholerische Chef oder es sind die ungeduldigen, überanspruchsvollen Kunden. Neue Mitarbeiter müssen in so einer Firma ganz besonders stark sein, denn schließlich kennen sie den Ablauf und die Leute noch nicht, wissen nicht, an wen sie sich wenden können und wer es ehrlich meint.
Da jeder doch schon irgendwann einmal irgendwo neu angefangen hat, möchte ich jetzt was hören, bzw. lesen. Ist jemand von Euch schon einmal in so einer Situation gewesen oder ist es aktuell? Wie habt Ihr reagiert und wie ging das alles aus? Habt Ihr Tipps für andere? Erzählt doch mal.
Eure Katja