Läufer sind ein Völkchen für sich
„Gude“ nities,
jetzt, wo es langsam Frühling wird, morgens die Vögel fröhlich zwitschern und die ersten Sonnenstrahlen einen aufwecken, da fühlt man sich doch gleich voller Energie. Man könnte Bäume ausreißen. So manch einer unter uns scheint sich zumindest so zu fühlen.
Wenn ich morgens um sieben Uhr noch relativ müde zur Arbeit fahre, da kommen mir nämlich auf dem Weg doch glatt alle Nase lang Jogger, sogenannte Läufer, entgegen. Auch im Winter begegne ich dieser Gattung Mensch hin und wieder, doch in der morgendlichen Dunkelheit kann ich sie mitunter nicht alle sehen. Jetzt aber fallen die Läufer deutlich auf. Von allen Seiten scheinen sie mich auf dem Weg zur Arbeit zu verfolgen wie eine Truppe von Observatoren aus einem Krimi, die sich mit ihrer Verfolgung wie beim Staffellauf abwechseln. In engen, bunten Kostümen und mit trendig aussehenden Laufschuhen rennen, traben oder sprinten sie scheinbar begeistert einem mir nicht erkennbaren Ziel entgegen. Manchmal bekomme ich ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht auch vor der Arbeit meine Runden laufe.
Früher dachte ich immer, man ginge joggen, doch der Begriff scheint heute nicht mehr „in“ zu sein. Laufen heißt es neudeutsch, ganz gegen den Trend zu Anglizismen. Finde ich übrigens gut. Damals, als das Laufen noch Joggen hieß, zog man sich einfach ne olle Trainingshose an und los ging’s. Heute nicht mehr. Läufer brauchen richtige Laufkleidung und am Schönsten, aber nicht zwingend, ist es in einer Gruppe.
Wenn man sich so umhört und umschaut, scheint es immer mehr begeisterte, fast schon fanatische Läufer zu geben. Eine ganze Gemeinde, ein Volk von Läufern ist entstanden und bevölkert Straßen, Parkwege, Plätze, ja die gesamte Stadt. Unterhalten wird sich über Iso-Drinks, Läufernahrung und ob man lieber Nudeln oder Bananen, Salat oder Müsli vor einem Lauf zu sich nehmen sollte. Die Ernährung der Läufer ist sowieso eine Sache für sich und kann zu einem abendfüllenden Stammtischthema ausarten. Ganze Bücher wurden schon darüber geschrieben. Traum eines jeden ehrgeizigen Läufers ist es, einen Marathon zu laufen. Zeiten sind das Lieblingsthema. Warum ist wer in welcher Zeit gelaufen?
Im Sportladen gibt es die Ausrüstung für Läufer, es gibt Lauftreffs, beispielsweise ONLYSPORTS in Hamburg, die Läufer-Blogs von Frau Schmitt und sogar einen Läufer Krimi vom Frankfurter Autor Gerd Fischer.
Manche Läufer notieren sich ihre Zeiten, führen akribisch Buch über ihre Fortschritte, tauschen Tipps und Tricks aus und geraten schon im Gespräch über ihren Sport aus der Puste. Da werden Brustwarzen abgeklebt, dass diese nicht am T-Shirt aufscheuern können, Füße und Zehen vorsorglich gepflastert, um Blasen zu vermeiden oder Gewichte mit sich geführt, um das körpereigene Fett durch höheren Energieverbrauch zu reduzieren. Diskutiert wird, ob Schneeketten für Laufschuhe was taugen und wie überhaupt der richtige Laufstil aussehen sollte. Ein ebenso gerne debattiertes Thema sind die Lauf-Schmerzen und anschließende Wundpflege. Läufer sind doch wirklich ein seltsames Volk.


