Archiv von Februar, 2011

Cyber-Life – google Deine Hose!

Willkommen nities,

es begann mit einer verschollenen Hose …
Suchend stand ich neulich vor meinem Kleiderschrank und konnte diese spezielle, eher selten getragene Hose, die ich zu besonderen Anlässen zur Arbeit anzuziehen pflege, einfach nicht finden. Wie selbstverständlich schoss mir der Gedanke durch den Kopf, mal danach zu googlen.

Wie bekloppt, dachte ich im nächsten Moment, ich kann doch nicht in meinem Kleiderschrank googlen. Vielleicht ist es aber eines Tages soweit? Mittlerweile gibt es ja schon spezielle Apps, die einem den Arbeits- und Tagesablauf regeln sollen.
Dabei weckt einen beispielsweise das Handy morgens eine Stunde früher und empfiehlt, einen Lauf durch den Wald zu unternehmen, da man doch gestern etwas zu viel gegessen habe. Solche Dinge und noch viel mehr gibt es bereits. Viele Menschen lassen sich ihr Leben vom iPhone bestimmen. Wenn ich mir vorstelle, was vielleicht irgendwann mal alles Alltag sein wird …

Ich werde morgens aus dem Schlaf gerissen. Mein Akku ist noch nicht ganz voll, das Betriebssystem noch im Schlafmodus, aber ich soll erstmal eine Stunde laufen. Das sei gut für mein Laufwerk und die Speicherkapazität meiner Festplatte. Okay, so mache ich das. Ich vertraue dem App, denn App und Mensch sind eins, miteinander verschmolzen und unzertrennlich. Sie meinen es nur gut mit einem. Unter meiner Haut ist ein Chip eingepflanzt, der drahtlos mit einem externen Computer kommuniziert. Ich bin selbst Teil eines Computers geworden.
Die durch die Schlafunterbrechung noch nicht ganz aufgefüllte Energie am frühen Morgen nehme ich (noch) in Form von Nahrung zu mir. Anschließend wird mein Betriebssystem mithilfe eines Waldlaufes auf Stand-by getrimmt. Jetzt bin ich einsatzbereit.

Ich verlasse meine Wohnung. Zur gleichen Zeit tritt zufällig auch mein attraktiver Nachbar aus der Tür. Ich grüße freundlich und flirte ein bisschen mit ihm. Er lächelt ebenfalls ganz nett und zwinkert, was er sonst nie tut. Ich bin glücklich. Im Auto erkenne ich im Spiegel, wieso er gelächelt hat: An meinem Mundwinkel klebt noch Frühstücksmarmelade. Vor lauter Schreck spule ich die Scene zurück und mache es beim zweiten Mal besser. Mit sauberem Gesicht wiederhole ich die Situation, welche im zweiten Anlauf besser für mich ausgeht.
Unten an der Gartenpforte lauert schon die unbeliebte Frau Kunze, die einem ständig eine falsche Mülltrennung vorwirft. Schnell spule ich vor und bin so rasch an ihr vorbei, dass sie nur einen Windzug zu spüren bekommt, der ihr selber das Altpapier aus den Händen reißt. Ich drehe mich um und muss lachen. Das nenne ich mal eine ökologische Mülltrennung.

Im Büro, in das ich mit meinem Iris-Scan und Fingerabdruck Zugang erhalte, stöpsel ich mich sofort an den dortigen PC an und dieser misst sogleich meine Daten. Meine Ankunftszeit, Kaffeepausen und Klo-Besuche werden genauso aufgezeichnet, wie mein Gehen am Abend und mit wem ich mich über was unterhalte. Alle Daten können ja wichtig sein und zu besseren Arbeitsergebnissen führen, so die Erklärung des Chefs.

Wenn man sich mal nicht so gut fühlt, dann geht man nicht mehr zum Arzt, sondern zu einem Hard- und Softwarespezialisten. Hardwareprobleme können entstehen, wenn man sich beim Waldlauf den Knöchel verstaucht. Zu Hardwareproblemen zählen auch In- und Output-Probleme, die man früher unter dem Namen Verdauungsbeschwerden kannte.

Fühlt sich jemand von seinem Leben überfordert, muss er sich an den Softwarespezialisten wenden, der dann schaut, ob vielleicht die Festplatte voll ist. Diese Krankheit war früher bekannt unter dem Namen Burn-out. Psychologen und kostenspielige Kuren werden nicht mehr benötigt, da der Softwaretechniker das Problem ja einfacher und schneller beheben kann. Er konfiguriert mal eben schnell das Oberstübchen neu.

Sollte jemand durchdrehen, sich auf einmal als mehrere Computer verstehen, also gleichzeitig Steuerungspult der Deutschen Bahn, Zentralrechner der Bundesbank und Play Station II sein, dann ist er nicht schizophren, sondern hat bestimmt einen Virus. Das kann passieren, wenn man sich oft in die Daten, seiner Mitmenschen, also Mit-Apps, einmischt. Nicht alle Menschen-Apps sind kompatibel untereinander, denn Multikulti ist ja bekanntlich nicht immer einfach.

Auch das Familienleben findet virtuell statt. Man kann sich ganz einfach mal eben zu seinem Partner und Kindern beamen und gleichzeitig auf der Arbeit vor dem Rechner sitzen. So verpasst man nicht, wenn das Kind den ersten Zahn bekommt, zum ersten Mal „Papa“ sagt und so was. Man könnte das Ereignis aber auch speichern und später jederzeit abrufen.

Am Nachmittag ruft der Chef zum Meeting. Während er redet und redet, macht es bei seinen Untergebenen im Akkord nur „Strg. + S“, „Strg. + S“ und alles ist aufgenommen. (Gesundheitsfanatiker benutzen Betriebssysteme mit Obstnamen und speichern „Apfel + S“)

Da aber irgendwann jeder mal kaputt geht oder neue, schnellere Arbeitskräfte nachrücken, wird noch früher aussortiert. Irgendwann wird man dann verschrottet oder verbrannt und auf einem Schrottplatz beigesetzt. Bei den Indern wird übrigens recycled.

Meine Hose habe ich übrigens doch noch gefunden. Sie hing unter einer anderen Hose auf dem Kleiderbügel. Mediengestalter würden sagen, sie befand sich auf einer unterliegenden Ebene. Aber ich habe sie ja gefunden, ganz altmodisch ohne danach zu googlen. ;-)

Eure Katja

Valentinstag, ein Tag für Verliebte oder Heiliger Sankt Fleurop?

Liebe nities,

na, wer von Euch hat seinem Herzblatt letzte Woche zum Valentinstag eine blumige Freude bereitet oder selbst etwas Herziges oder Blumiges bekommen? Wird dieser Tag eigentlich orts- oder bundeslandbezogen anders begangen?

Das Brauchtum dieses Tages, den man auch den „Tag der Liebenden“ nennt, geht auf mehrere christliche Märtyrer zurück und ist bis ins Jahr 469 zurück zu verfolgen. Es gibt eine ganze Menge an Überlieferungen zur Entstehung. Nach Deutschland kam der Brauch nach dem Zweiten Weltkrieg. US Soldaten brachten ihn aus den Vereinigten Staaten mit, wo er jedoch vorher von englischen Auswanderern eingeführt wurde. In England gibt es seit dem 15. Jahrhundert das Ritual, dass sich Pärchen am 14. Februar Blumen und Liebesbriefe schenken. Ich habe die Engländer gar nicht für so romantisch gehalten …
;-)
Jedes Land hat da wohl so seinen eigenen Brauch. Mir gefällt der aus Finnland ganz gut. Dort ist es kein „Tag der Liebenden“, sondern ein „Freundschaftstag“. Man schickt – meist anonym – demjenigen, den man sympathisch findet Karten und kleine Geschenke. Spannend, oder?

Im Land der Amore, Italien, treffen sich Liebespaare auf Brücken, wo sie kleine, mit Initialen beschriftete Schlösser ans Geländer ketten und den Schlüssel dazu in den Fluss schmeißen. Dabei soll man sich etwas im Zusammenhang mit dem Partner wünschen, es aber für sich behalten, dann würde dieser Wunsch wahr werden und ewige Liebe bringen.
Diese Aktion schwappte übrigens auch schon längst nach Deutschland über. Nicht nur am Valentinstag macht man dies. Die Hohenzollernbrücke in Köln ist bereits voll mit diesen Liebesschlössern. Die Stadt hat mittlerweile Angst, dass die Brücke aufgrund des Gewichtes einstürzt. Unglaublich, wie viele verliebte Paare es gibt!


Bildquelle: Internet (http://www.rundschau-online.de/html/fotolines)

Wie es bei Traditionen so üblich ist, haben auch Geschäftsleute bereits ihren Nutzen davon entdeckt. Während es zu Beginn so war, dass man sich Blumen schenkte, haben auch Pralinenhersteller im Februar Hochkonjunktur. Alle möglichen Herzchen werden produziert – und gekauft. Gerade erst ist Weihnachten vorbei, die Saison von Kreppeln und Co steht auch noch in voller Blüte, da soll man jetzt auch Pralinen und Blumen kaufen.
Es gibt natürlich auch Gegner dieser Tradition. Liebe ja, aber nicht an einem speziellen Tag, heißt es da. Alles kaufen, nur weil irgendwer das vorgegeben hat, da geht nicht jeder mit.

Wie ist es denn bei Euch gewesen? Seht Ihr es als absolutes Muss an, Blumen für Euren Partner zu kaufen oder macht Ihr das auch sonst mal, unaufgefordert? Findet Ihr es nett, wenn man mal was Schönes geschenkt bekommt, vielleicht auch anonym? ;-) Möglicherweise hat der ein oder andere an diesem Tag sogar einen Heiratsantrag bekommen? Wie habt Ihr den „Tag der Liebe“ vergangene Woche also verbracht?

Wozu man ganz dringend raten sollte, falls man sich spontan zum Ausgehen entschließt, ist, einen Tisch im Restaurant zu reservieren! Selbst, wenn man nur etwas trinken gehen möchte, meist ist alles voll. Am Valentinstag wird man also auch insofern an die Liebe erinnert, da man sich mitunter wie Maria und Josef an Heiligabend fühlt: Es ist kein Platz mehr für ein Pärchen frei in einer Herberge oder Lokalität …

Um noch mal ein wenig in der historischen Kiste zu wühlen, hier habe ich zum Abschluss einen ganz schönen Spruch vom alten Goethe anlässlich des Valentinstags. Könnt Ihr Euch schon mal für nächstes Jahr vormerken. Ist gar nicht so kitschig und kommt sicher gut an:

Blumengruß*

Der Strauß, den ich gepflücket,
Grüße dich viel tausendmal.
Ich habe mich oft gebücket
Ach wohl ein tausendmal,
Und ihn ans Herz gedrücket
Wie hunderttausendmal.

(Johann Wolfgang von Goethe*),
bzw.
Eure Katja

Survivalporno 127 Stunden

Der Film 127 Stunden hat bereits im Vorfeld für viel Aufmerksamkeit gesorgt: Schliesslich wird ein Arm ambutiert. Wirklich nichts für schwache Nerven. Und ich bin sicher, viele werden deshalb die Vorstellung verlassen.
Der Film ist dennoch erstklassig gemacht. Sicher in vieler Hinsicht oscarverdächtig. Danny Boyle, der bereits mit Slumdog Millionär einen Oscar gewonnen hat, zeigt ein modernes, neues Kino. Die Schnitte, die Musikzusammenstellung, die Emotionen sind überzeugend.
Dennoch sollte man den Film nicht sehen! Denn bei diesem Survialporno – abgesehen von der Live-Amputation – geht es um eine sehr persönliche Entscheidung: Wie rettet man sein Leben? Und sollte man selbst in eine ähnliche Situation kommen, so muss jeder für sich entscheiden, was er sich zumutet, ob er sich überwinden kann, wie sehr er sein Leben liebt. Als Voyeur dies im Kino zu beobachten, ist entmutigend, den jeder wird sich die ganz persönliche Frage stellen, ob er dies auch so könnte. Vielleicht ja, aber wie verzweifelt muss man dafür sein?

Wer wird sich den Film, der ab morgen in Deutschland anläuft, anschauen?

Wo lebt ihr am liebsten?



Liebe nities,

nicht in jedem Bundesland wird Fasching gefeiert, wie ich im Artikel der letzten Woche ja bereits angedeutet habe. Apropos: Wo kommt ihr denn eigentlich alle so her? Lebt ihr schon lange in eurer jetzigen Stadt? Seid ihr freiwillig hier oder war es eine Entscheidung eurer Familien, des Jobs oder der Umstände?
Fühlt ihr Euch dort, wo ihr jetzt lebt, wohl oder schaut ihr euch schon nach einem anderen Wohnort um. Wie seid ihr aufgenommen worden? Gibt es tatsächlich Unterschiede zu Ost und West, Nord und Süd?

Die 32-jährige Französin Claudine hat Erfahrung in Sachen Wohnortwechsel. In einer Kleinstadt in Nordfrankreich geboren zog sie bereits als Kleinkind mit Ihrer Familie nach Deutschland. An Frankreich hat sie keine Erinnerung mehr. Ihr Vater hatte damals einen Job in einer Spedition in Schüttorf, der Region Grafschaft Bentheim, angenommen. Eine Gegend, die kaum jemand kennt. Zwischenzeitlich leichten Bekanntheitsgrad erlangt durch die späte Taufe von Nina Hagen, der Diskothek Index oder in den 80er Jahren durch das Schüttorfer Open Air mit Auftritten von beispielsweise Joe Cocker. Auch Popsänger Sasha soll Verwandte dort wohnen gehabt haben. Doch damals wurde es Claudine und ihrer Schwester nicht leicht gemacht, sich zu integrieren. Sprachen die Schwestern doch mit einem seltsamen Akzent, der dort, auf dem Hochdeutsch sprechenden Ländchen, fremd klang. Ältere Leute in der Gegend unterhielten sich mitunter auf Plattdeutsch, was sie hingegen lustig fanden, aber auch nicht verstanden haben.
Zum Spielen hatten sie viel Platz. So tobten die Kinder durch Wälder, über Wiesen, kletterten auf Bäume und bauten Hütten, doch meistens alleine. Claudine möchte jedoch ihre Kindheit nicht missen und ist froh, nicht in einer miefigen Großstadt aufgewachsen zu sein.

Als sie die Schule abgeschlossen hatte, zog sie für eine Ausbildung nach Cuxhaven. Dort fühlte sie sich aber auch nicht so richtig wohl. Zwar versuchten ihre Kolleginnen und Kollegen dort, sie mit einzubeziehen und in irgendwelche Vereine einzuführen, doch Claudine vermisste es, unter sich sein zu können, sie fühlte sich beobachtet. Ähnlich wie auf dem Lande in ihrer Kindheit, achteten die Leute dort nämlich ganz genau darauf, was die anderen machten oder was nicht. So wies eine Nachbarin Claudine einmal doch glatt drauf hin, dass sie versehentlich eine Pizzaverpackung in die Restmülltonne anstelle ins Altpapier geworfen hatte. Claudine fragte sich, ob man wohl auch in größeren Städten den Müll der Nachbarn kontrollierte? Sie blieb etwa ein Jahr in Cuxhaven, da bekam sie ein besseres Jobangebot am ganz anderen Ende des Landes: in München.
Hier hatte sie den Vorteil, bereits eine Cousine zu haben, an die sie sich wenden konnte und die ihr half, sich einzuleben. Marie, so hieß diese, machte sie auch mit new-in-town bekannt. Erst war Claudine skeptisch. War sie nicht in einer Kleinstadt aufgewachsen und durch ihr konservatives Elternhaus zur Vorsicht in Sachen Internet erzogen? Doch Marie nahm sie ein paar Mal mit zu Verabredungen und bald wurde auch Claudine aktiv. München fand die ganz toll. Sie schwärmte von der Offenheit der Menschen, der tollen Innenstadt, dem Kaffee, den Parkanlagen im Sommer, den Biergärten und dem Oktoberfest. München war einfach klasse. So viele Menschen aus unterschiedlichen Regionen und Ländern, so viele verschiedene Dialekte und Akzente. Niemand brauchte sich hier irgendwie fremd zu fühlen. Allerdings versteht sie bis heute nicht jedes bayrische Wort, aber das verstehen sicher nur Ureinwohner.

Zwischenzeitlich lebt Claudine in Heidelberg. Auch eine Fügung ihres Jobs. Zu Beginn hatte sie erneut leichte Verständigungsschwierigkeiten mit dem Kurpfälzischen. Doch auch dort leben Menschen unterschiedlicher Herkunft und Sprache und es gibt viele aktive new-in-town-Gruppen. Was ihr noch auffiel und was sie genoss, das waren die unterschiedlichen Küchen und Spezialitäten der Regionen, in denen sie bereits gelebt hatte. Gab es in Cuxhaven oft frischen Fisch, in München Weißwurst & Brez'n, liebte sie in Heidelberg den süßen Studentenkuss.

Es ist wirklich überall etwas anders. Die Mentalität der Leute, das Essen, die Lebenseinstellung, das Klima, das Wetter und das Leben. Wie geht es euch denn so in den Punkten? Wo fühlt ihr euch wohl, wie habt ihr euch eingelebt und welche Stadt könnt ihr empfehlen? Erzählt doch mal.

Eure Katja

Musikcharts im Internet finden

Jeder kennt sie: Die aktuellen Musik-Charts. Nur im Internet sind sind diese häufig versteckt. So kann man mit Hilfe des Apple iTunes Software suchen. Ohne Software im Internet, hier noch ein Tipp: Musicline

Die fünfte Jahreszeit hat begonnen

Helau und alaaf liebe nities,

auch wenn wir auf den Rosenmontagsumzug noch paar Tage warten müssen, die ersten Karnevalsveranstaltungen und Narrensitzungen haben bereits begonnen. Mensch und Tier (wie hier Theaterhund Oskar) freut sich drauf, sich endlich wieder verkleiden zu dürfen. Verkleidet, so habe ich festgestellt, fühlen sich einige Leute freier, anonym und machen Dinge, die ihnen am nächsten Tag mitunter sogar peinlich sind. Aber erstmal vorweg, um meinen Ruf zu wahren: Nein, ich selber bin kein Faschingsnarr. ;-)

Dennoch bin ich ja ein recht neugieriger Mensch und lasse mich auch schon mal überreden, etwas Neues auszuprobieren. Ich bin jedoch in einer kleinen Stadt in Niedersachsen aufgewachsen. Fasching wird dort nicht gefeiert, drum entschuldigt meine Haltung. ;-)   Die einzige Erinnerung, die ich noch aus meiner Kindheit daran habe ist, dass wir am Rosenmontag verkleidet zur Schule kommen durften. Wer meint, ich sei da als nettes, süßes Prinzesschen gegangen, der irrt ganz gewaltig. Nein, die kleine Katja ging generell als Cowboy oder den Vagabundenjungen Huckleberry Finn. Kratzer und Schrammen im Gesicht sowie eine zerrissene, schmutzige Hose hatte ich, als halber Junge, der ich damals war, sowieso ständig und so brauchte ich mich kaum zu verkleiden. Die andere Erinnerung haftet an den frischen, warmen Kreppel, dort übrigens „Berliner“ genannt, von denen wir uns an dem Tag so viel bestellen durften, wie wir wollten und die uns in die Schule gebracht wurden. Unter drei Stück hatte ich nie. Ja, das waren noch Zeiten. Heute hingegen, da setzt bei einer Frau im besten Alter ja gleich alles an, was über 0,3% Fett hat. So muss ich jetzt bei so vielen Berlinern aufpassen, dass ich nicht selber bald aussehe wie einer.

Nun habe ich mich kürzlich also überreden lassen, auf eine Weiberfastnacht zu gehen. Ganz ohne Männer, so überlegte ich im Vorfeld allerdings recht kritisch, wird es doch sicher ein langweiliger Abend? Na ja, ich ging dennoch hin. Fast 25 Jahre sind vergangen, seit ich mich zuletzt verkleidet hatte. Meine Weiberhorde und ich gingen alle als Hexen. Das war eine Verkleidung, die irgendwie auch ziemlich sexy aussah. Zu dumm eigentlich, dass keine Männer anwesend sein sollten … ;-)  Wie dem auch sei, wir trugen alle kurze, ausgefranste Röcke, Netzstrumpfhose, schwarze High Heels, dazu ein enges Top mit Löchern und einen spitzen Hexenhut. Natürlich war alles Schwarz, bis auf unsere rot geschminkten Münder. Dazu hatten wir selbstverständlich Gesichtsbemalung aufgetragen: Spinnennetze und dicke, schwarze Augenringe. Soweit fühlte ich mich noch recht wohl, aber mit dem Hut blieb ich ständig am oberen Türrahmen hängen und musste mich jedes Mal bücken, wenn ich durch eine Tür lief. Auf einem Toilettengang ist mir die Kopfbedeckung dabei fast in das WC gefallen, aber nur fast.
Die anderen Weiber gingen beispielsweise als Clowns, einige als Vamps (uns Hexengruppe ähnlich gekleidet), als Putzfrau (ich dachte, das seien Verkleidungen der Frau von Heinz Becker, sollte aber Else Kling sein – blame on me!). Dann gab es noch eine Horde Hippies und undefinierbare andere Verkleidungen.
Soweit war anfangs noch alles lustig, bis das Buffet eröffnet wurde. Es gab einen Tresen mit richtig geschmackvoll aussehenden Häppchen, auf das sich gleich schon vor Beginn der Veranstaltung gestürzt wurde, als würde am nächsten Tag die Hungersnot ausbrechen. Da soll mal einer sagen, Frauen achten auf die Figur! Ich konnte nur staunen, wie die Frikadellen, Lachspasteten, das Laugengebäck, der Käse und die Frankfurter Würstchen unter Einsatz von schmerzvoller Ellenbogentaktik verteidigt wurden. Vielleicht verhielten sich die Damen auch nur so, gerade weil keine Männer zugeschaut haben, was sie alles essen? Ich weiß es nicht. Zum Glück wurde das Buffet ständig aufgefüllt und als diese aufmerksame Handlung registriert wurde, mäßigte sich die Schlacht etwas.

Um 19:11 Uhr begann das Programm mit dem typischen dreifachen Tata.
Für einen Münsteraner Faschingsmuffel war das der Beginn vom Ende. Die ganzen Sitzungen und das Schunkeln fand ich irgendwie peinlich. Gut, ich muss sagen, da ich mit dem Auto kam, wollte ich nichts trinken. Ohne selber einen Schwips zu haben, empfand ich diese Art Veranstaltung jedoch ziemlich schnell als Folter meiner Nerven. Komisch, alle anderen schienen Spaß zu haben, nur ich nicht. Je später es wurde, desto wackeliger auf den Beinen und lauter an Stimme verhielten sich meine Hexenschwestern. Auf dem Event gab es auch eine junge Fotografin, welche die Fotos verkaufte, die sie vorher, beim Einlass, geschossen hatte. Ich konnte ihr, ebenso nüchtern, ansehen, wie sie litt. Im engen Flur klammerte sie sich krampfhaft an ihre Fotogestelle, da die Faschingsweiber permanent drüber zu stolpern drohten. Ich gesellte mich eine Zeit lang zu ihr und auch die Mitarbeiter des Catering-Teams zählten an dem Abend zu meinen heimlichen Verbündeten.

Kurz vor Mitternacht kündigte jemand eine ganz besondere Überraschung an.
Tata, Tata, Tata: Noch bevor ich überlegen konnte, was denn jetzt noch komme, öffnete sich die Tür und eine Fußballmannschaft an jungen, knackigen Männern tänzelte herein. Die Weiber grölten und applaudierten, was man bestimmt noch im Nachbarort hören konnte. „Jungs, zeigt, was ihr könnt. Heizt die Mädels auf“, schrie eine Stimme durch das Mikro. So tanzten die Jungs, machten Salto und zogen sich auf einmal die Trainingsjacken aus. Die Gäste kreischten. Es folgte natürlich das T-Shirt und die Trainingshose. Ohrenbetäubendes Gegröle. „Noch mehr, noch mehr“, riefen die wilden Weiber. Ich bin ja nun wirklich nicht prüde, aber wie gesagt, so als einzig Nüchterne, da konnte ich nicht wirklich mitgehen. „Hey Katja, du Spaßbremse. Lach doch mal“, rief eine meiner Begleiterinnen und stieß mir lachend in die Seite. Ich verabschiedete mich irgendwann heimlich auf die Toilette. Auf dem Rückweg vom stillen Örtchen kam mir die Männertanzgruppe entgegen. Mittlerweile trugen sie nur noch ein knackiges, knappes Höschen. So hopsten sie raus zur Türe in die eiskalte Februarnacht.
Da dies das Highlight des Abends gewesen war, stieg in mir Hoffnung auf, dass die Veranstaltung nun hoffentlich bald vorbei sein müsste. Zum Glück war dem auch so.

Na, so was werde ich so schnell wohl nicht mehr ausprobieren. Sollte ich doch noch mal in die Verlegenheit geraten und mitgeschleppt werden, dann nur ohne Auto oder ich bleibe zu Fasching generell nur bei den leckeren Kreppeln. Obwohl, selbst da drunter gibt es ja schon Beschwipste.  ;-)

Eure Katja

Elke

Initiatorin der neuen Veranstaltungsreihen „KUK – Kultur, Unterhaltung und Küche“ sowie „Kunst & Kultur“ in der Kategorie „events-to-meet“ ist Elke. Die 29-Jährige, gebürtige Dresdnerin und Wahl-Stuttgarterin, ist leidenschaftliche Kulturliebhaberin und hat seit nunmehr acht Jahren die vielfältige Kulturszene Stuttgarts und Umgebung unsicher gemacht. Sie sagt: „Meine ersten Begegnungen mit Theater und Kleinkunst im Schwabenländle waren eher zufällig, meine negativen Erinnerungen aus Schulzeiten hatte ich schnell über Bord geworfen und mich eines Besseren belehren lassen. Stuttgart hat ein unerschöpfliches Kulturangebot, welches es zu entdecken gilt. Ihr wollt Abwechslung in Eurem abendlichen Freizeitprogramm? Lasst Euch begeistern und mitreißen und geht mit mir auf KulTOUR. Ich freue mich auf Euch!“

Kostenfreie Musik herunterladen

Beim Stöbern im Internet bin ich auf die nicht ganz aktuelle Seite http://www.bitte-downloaden.de/ gestoßen. Hier könnte Ihr kostenfrei Musik finden, die von Firmen wie Mercedes-Benz oder Audi zusammengestellt wurde. Besonders umfangreich sind die Mercedes-Benz Mixed Tapes. Viel Spaß beim Entdecken neuer Lieblingsongs. Euer Phil