Verabredungen einhalten – Von Lust und Frust einer Organisatorin (Teil 1)

Hallo nities,

wenn man die „Qual der Wahl“ bei der Freundschaftssuche hinter sich gebracht, sich also für ein oder mehrere Angebote der Pinnwandanzeigen entschieden hat, dann möchte man den anderen irgendwann auch mal persönlich kennen lernen. Zumindest ist dies das Ziel. Wohl nicht immer und nicht für jeden? Auch davon kann ich ein Liedchen singen:

Katja, wann organisierst du denn mal wieder was?“, werde ich oft gefragt.
Hin und wieder organisiere ich nämlich diverse Treffs zum Brunch, in den Biergarten oder um gemeinsam Märkte zu besuchen. Solche Dinge eben. Meist gibt es einen festen Kreis und ich lade zwei, drei neue Leute dazu ein. So haben meine nitie-Freunde und ich die Möglichkeit, die bestehenden Freundschaften zu pflegen und geben anderen die Möglichkeit, mitzumachen.
Das Prinzip ist einfach und so entstehen jedes Mal neue Freundschaften. Natürlich freue ich mich, wenn die Resonanz groß ist und ich immer wieder danach gefragt werde. Nur warum stellen die andern nicht selber mal was auf die Beine, wundere ich mich so manches Mal? Warum soll immer ich aktiv werden?

Es ist doch nicht so schwer: Einfach alle Bekannten anfragen, mit denen man gerne mal wieder irgendwas unternehmen möchte, dann noch einen Pinnwandeintrag aufgeben und schauen, ob es zwischen den Leuten „passt“ (mit der Sympathie). Man sollte ein bisschen drauf achten, dass der Kreis nicht zu groß wird, denn dann wird es schnell unübersichtlich und es bilden sich „Untergrüppchen“. Nun nur noch einen Tisch reservieren und fertig. Klingt so einfach.
Denkste!

“Oh, ich weiß noch nicht? Plane mich mal so fifty/fifty  ein“, kommt von einer Seite. „Kann ich dir auch unverbindlich zusagen?“, fragt ein anderer.
„Ich weiß noch nicht, ob ich nicht arbeiten muss.“
„Wenn ich schon wach bin, dann komme ich gerne.“
“Kann ich auch nachkommen?“
“Vielleicht kommt meine Freundin noch mit.“

Oh nein, denke ich, leise mit den Zähnen knirschend. Das geht ja gut los!  Ich ahne bereits, was da wieder auf mich zukommt. Trotzdem nehme ich das alles immer wieder gerne auf mich.
Okay, denke ich und schätze wage ab. Doch wie viele neue Leute kann ich jetzt einladen, wenn die „alten“ Freunde noch nicht mal sicher zusagen? Klar, ich könnte die vagen Zu- oder Absagen ganz aussortieren. Doch das sind Freunde, die ich eben gerne dabei haben möchte. Ich mag denen ja auch keinen „Freizeitstress“ machen und permanent zu einer festen Aussage drängen. Außerdem ist kaum einer dabei, der wirklich zu 100% fest zusagen kann. Am Ende würde vielleicht niemand kommen.

Habe ich irgendwann doch endlich einen groben Blick über die Anzahl der Teilnehmer, rufe ich bei einem ausgewählten Café meines Vertrauens an. Diesmal wähle ich einen gastronomischen Betrieb, der gemütlich und heimisch klingt und wo wir noch nie gewesen sind – „Home“ heißt dieser – und befindet in der Nähe des Hauptbahnhofes meiner Stadt. Man muss auch mal was Neues ausprobieren, denke ich. Ohne Probleme klappt es mit der Gruppenreservierung. Ich freue mich. Das ist nämlich nicht immer selbstverständlich:
“Für eine so große Gruppe ist das sonntags schwierig“, machten mir diverse Wirte am Telefon in der Vergangenheit bereits klar.
“Sie müssten uns bitte am Wochenende schon die genaue Anzahl der Gäste nennen.“
“Für 11 Uhr reservieren wir am Wochenende eigentlich nichts, nur um 10 Uhr.“
“Gut, dann reserviere ich Ihnen trotzdem einen Tisch für 11 Uhr. Wenn Ihre Freunde aber nicht bis zwanzig nach 11 Uhr da sind, dann müssten wir die Plätze leider für unsere anderen Gäste freigeben. Sonst machen wir Verluste. Das verstehen Sie doch bestimmt?“

Na ja, jetzt hat es ja auf Anhieb mit der Reservierung geklappt. Ich habe den Tisch bestellt und freue mich auf den bevorstehenden Brunch. Doch da gehen – „oh Freude“ – am späten Samstagabend die ersten Anrufe oder E-Mails ein:
„Sorry, ich bin krank geworden!“
„Ich muss nun doch arbeiten.“
„Ich bekomme überraschend Besuch.“
„Super“, denke ich zunehmend genervter. Man muss jedoch mit allem rechnen und so lade ich, routiniert wie ich mittlerweile im Organisieren bin, ohnehin meist ein paar Leute mehr ein.

Meiner Erfahrung nach scheint es aber auch noch eine weitere Gruppe von Leute zu geben. Ich muss zuvor erwähnen, dass sie zum Glück nur einen kleinen Anteil ausmachen, aber es gibt sie. Ich nenne sie mal „die Unsichtbaren“. Was ist das schon wieder?

So definiere ich User, die sich nie zeigen:
Ja, tatsächlich! Man wird von gewissen Leuten angeschrieben – meine Freunde kennen genau diese Nicknamen nämlich auch – die nur „schreiben“, sogar überdurchschnittlich oft und viel, sich aber nie „zeigen“. Wird ein Treffpunkt ausgemacht, so erscheinen sie nicht, nie! Da ich meinen Vorurteilen jedoch keine Chance geben wollte, habe ich doch noch einmal einen davon zum Brunch eingeladen. Schließlich hatten wir einen regen Schriftwechsel. Doch er kam natürlich nicht. Zumindest nicht zu uns: Später nämlich erhielt ich eine Nachricht über NIT, er hätte an einem Nebentisch gesessen, da er sich nicht sicher war, welcher Tisch der unsere sei?

Was sagt man denn dazu?
Da fragt man doch eben mal beim Kellner nach, bzw. schaut sich im Café um! Welche Leute spreche ich an? Das Pärchen mit Kind, die fünf Frauen am runden Tisch in der Ecke, die 4 Studenten, die sich um einen Laptop versammelt haben, die rüstigen Rentner an Ecktisch oder den großen, gemischten Tisch von Leuten im Alter zwischen Dreißig und Vierzig, die sich alle miteinander unterhalten und gegenseitig vorstellen? Also da denke ich mir doch, einige User wollen sich nicht zeigen? Kennt ihr das auch?

Dann gibt es noch das:
Da sich auf eine Anzeige auf der Pinnwand mitunter viel mehr Interessenten melden, als ein Tisch Gäste fassen kann, muss ich zwangsläufig einigen absagen oder sie auf ein anderes Mal vertrösten. Natürlich wähle ich auch aus, wem ich zu- und absage. Ist doch klar! Der eine oder andere schreibt einfach sympathisch und andere wiederum scheinen von vornherein auf Konfrontation aus zu sein. So bat ich jüngst eine solche Userin, doch etwas über sich zu erzählen, Alter, Interessen und fragte im Plauderton, ob sie in der Nähe wohnte. Zurück kam eine wirklich unglaubliche Antwort, ob ich denn immer alles wissen müsse oder ob ich sie als eine „alte Kuh“ nicht dabei haben wolle?! Ich war wie perplex. Im ersten Moment überlegt man sich schon, ob man vielleicht selber was falsch gemacht haben könnte, dass man so eine Antwort bekommt. Ich las mir meine an sie gerichtete Nachricht noch mal durch. Doch ich konnte nichts Negatives oder eine Unfreundlichkeit feststellen. Andere Mitglieder hatten doch auch kein Problem mit der Frage. Die Frau war auch nicht älter als andere und ich hätte sie gerne eingeladen. Irgendwie war ich wie vor den Kopf gestoßen.
Manchmal bin ich wirklich froh, dass ich ein, zwei unverbindliche Mails mit den nities austausche, bevor ich sie einlade. Hat sich bewährt! Bin ich die Einzige oder habt ihr auch Leute dabei, die sich beim ersten Kontakt so verhalten?

Zurück zur Planung:
Genauso doof ist es, wenn jemand einfach unangemeldet ein, zwei Freunde oder Freundinnen mitbringt. Kommt leider auch vor. Nicht jeder hat ein Gefühl für die Schwierigkeiten eines Organisators und weist mich dann noch „freundlich“ drauf hin, dass ich mich doch nicht so anstellen solle (…dass meine „guten alten Freunde“ am Nebentisch sitzen oder gar keinen Platz mehr bekommen, das interessiert sie scheinbar auch nicht.) Ehrlich, dann vergeht auch einem aktiven „Freundschaftsvermittler“ bald die Lust zum Organisieren. Manchmal kann ich verstehen, warum niemand selber was auf die Beine stellen mag und mich stetig fragt: „Katja, wann organisierst du denn mal wieder was?“

Eure Katja

PS: Ich werde euch irgendwann, in einem zweiten Teil, vom Frühstück selber berichten.   :-)

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Dieser Beitrag wurde am 20. 11. 2010 veröffentlicht und im Bereich Allgemein, Katja, new-in-townabgelegt. Sie können jede Antwort zu diesem Beitrag abonnieren. Both comments and pings are currently closed.

16 Kommentare to “Verabredungen einhalten – Von Lust und Frust einer Organisatorin (Teil 1)”

  1. Andreas sagte:

    Also wenn ein Treffen mehrere Wochen im Voraus geplant wird,man Zusagen bekommt und im letzten Moment dann doch wieder Absagen,ist das natürlich nicht in Ordnung,da kann ich den Ärger des Organisators sehr gut nachvollziehen! Zumal ja genügend Zeit war,sich den Termin frei zu halten. Wenn aber jemand wirklich krank wird, kann man nichts machen – Pech gehabt!
    Was jedoch noch viel schlimmer ist, sind Leute, die zum Treffpunkt angeblich erscheinen, sich aber nicht “trauen”, die Gruppe anzusprechen. Wenn es sich um einen Kindergarten-Treff handeln würde, könnte ich es vielleicht noch verstehen,ansonsten kann ich es mir nur so erklären,daß diejenige Person wohl einen an der Klatsche hat!

  2. Klartext sagte:

    Letztendlich ist alles eine Frage der Prioritäten und einer konsequenten Haltung. In diesem Falle wirkt die Autorin eher inkonsequent. Einerseits jammert sie darüber, dass es nur vage Zusagen gibt, andererseits möchte sie aber doch die guten Freunde dabei haben. Man kann nicht alles haben.
    Bei mir gibt es jedenfalls nur 1 oder 0, sprich Ja oder Nein. Das hat mir bisher viel Ärger erspart und gleichzeitig viel Freude bereitet.

  3. Daniela sagte:

    Oooh das kenne ich auch… Man selbst soll immer schön organisieren, machen und tun und vom sogenannten “Rest” kommen dann nach und nach Zu- oder Absagen – und manchmal auch gar nichts!
    Manchmal frage ich mich echt was die Leute suchen…

  4. smily61 sagte:

    Ich kann die ganze Sache nur bestätigen, auch ich war mal die “Organisatorin” von div. Unternehmungen. Habe aber schon seit einiger Zeit das Handtuch geschmissen.Es macht einfach keinen Spass, immer diese 5- Minuten- vor- der- Angst- Absagen.
    Auch das Antworten auf Einträge und Anschreiben ist irgendwie Luxus geworden. NIT ist einfach nicht mehr das was es einmal war.
    Schade!
    Liegt es an der Zeit, wo jeder nur noch an sich denkt,keiner mehr Verantwortung für sein Handeln tragen will ???

  5. Marion sagte:

    Ich organisiere nichts mehr, da ich selbst nichts davon habe. Nur alle anderen. Freundschaftsvermittlerin bin ich, aber bekomme nicht selbst neue Freundschaften dadurch. Eine Freundin von mir hat niemanden ausser mich. Sie ist auch nicht so gut zu ertragen…….Als sie Geburtstag feierte, lud sie meine FreundInnen ein, auch welche, die sie selbst nur 1x gesehen hatte. Diese waren sehr sehr irritiert und riefen bei mir an, mit welchen komischen FreundInnen ich mich denn umgebe, die sie dann so komisch einladen würde. Sie hätten diese Freundin von mir doch nur einmal gesehen……..Toll, es fiel auch noch auf mich zurück, dass meine Freundin keine eigenen Freunde hatte. Ich dachte nach und mir wurde klar, dass 2 meiner guten Freundinnen nur mich haben.
    Wieso bloß. Ein befreundeter Psychiater von mir, dem ich ausführlich mein Herz darüber ausschüttete, hörte mir 1 Std. lang zu und nach mehreren Nachfragen über diese2 Freundinnen sagte er: die sind Borderliner. Die werden niemals zu einer Person halten oder zu einer freundschaft fähig sein, außer: DU bist extremst anpassungsfähig. Selbst dann werden sie divenhaft sein und bleiben.
    Da überlegte ich: das war richtig!!!

    Wünschen würde ich mir mal, dass ich zu einer Runde, die eine meiner Freundinnen organisiert, eingeladen werde und da mal neue Leute kennen lernen würde.
    Ich sorge dafür, dass andere, auch Geschäftsfrauen/ Männer, andere Leute, Geschäftsleute kennen lernen. Die machen untereinander business. aber, ich bin ja auch Selbständig, ich bleibe dabei auf der Strecke. Dankeschön. Das sind keine Freundinnen.
    Ich sorge für private + geschäftliche Kontakte, habe aber nicht davon selbst. Das sind nur Blut- und Kontaktsauger. Ich trenne mich mal von einige jetzt!
    Einige kenne ich seit 20 Jahren. Und habe niemals andere aus deren Kreis kennen gelernt………….

  6. Andreas sagte:

    Manchmal habe ich das Gefühl, daß für einige Leute im Zeitalter der modernen,schnellen und vielfältigen Kommunikationsmöglichkeiten (e-mail,sms,Telefon,AB…) anscheinend die beste Variante ist, sich gar nicht zu melden?!!

  7. Katrin sagte:

    Hallo Katja, du sprichst mir aus der Seele… ich kenn das auch und es nervt mich. Manchmal hat man gar keine Lust mehr, aber eigentlich ist es dann auch wieder schade. Zum Glück ergeben sich hin und wieder auch ganz nette Kontakte, das freut mich dann umso mehr.

  8. Heidi sagte:

    Hallo, kann Dir da nur zustimmen. Hier gibts nicht nur auf der Ebene komische Verhaltensweisen. Manchmal habe ich mich auch schon gefragt, weshalb machen Leute sich überhaupt auf einen Eintrag melden, wenn sie sowieso keine Zeit haben.

  9. Sabine sagte:

    Toll finde ich auch gepostete Treffen, die dann nie zustande kommen oder wenn man die Leute dazu anschreibt – man nie eine Rückantwort erhält oder wenn – dann erst, wenn das angesagte Treffen bereits vorbei ist ….ansonsten kann ich Katja nur zustimmen!

  10. Sven sagte:

    auch ich kann nur zustimmen und möchte auch gleichzeitig ein Denkanstoß geben.
    Bei meinen Organisationen höre ich so oft die Frage: wer kommt denn noch? Dazu möchte ich anmerken: Wenn jeder von Euch diese Frage stellt und keiner zusagt, dann kommt wohl keiner. Wenn aber alle zugesagt hätten, dann wäre es eine tolle Gruppe geworden. ;-)

  11. Gabriel sagte:

    Ich finds auch immer wieder erstaunlich, wie sich manche Leute verhalten.Toll sind auch die, mit denen man sich länger schreibt, aber ab dem Punkt wo man ein Treffen/Unternehmung vorschlägt, und Gott bewahre sogar seine Nummer mitschickt, man nie wieder was hört. Ich frag mich dann auch jedesmal was ich falsch gemacht habe, lese mir die letzten Nachrichten nochmals durch, um festzustellen dass da nix blödes war.

    Ich denke viele etwas soziphobische Leute kommunizieren gern übers Netz, bekommen dann aber Angst wenn es Real wird. Doof nur dass dann so Leute wie wir darunter “Leiden” müssen.
    Wennigstens Absagen, oder Verabschieden gehört für mich zum guten Ton!!!

    LG

  12. Benn72 sagte:

    Hallo ihr Lieben,
    ich finde den Text von Katja sehr sympatisch und authentisch.
    NIT ist hal wie das richtig Leben!
    @ Klartext: Hast du schon mal ein Treffen organiesiert? ja es gibt Prioritäten, aber meines erachtens funktioniern Menschen micht mit 1 und 0 oder einfach ja und nein, so ist das nun mal mit den meisten Menschen, oder?
    Ein gutes Maß Höflichkeit und Wertschätzung ist nicht jedem gegeben, aber jeder könnte es…
    Ich gucke gleich InasNacht
    Bis denne

  13. Benn72 sagte:

    Wer findet die Fehler in meinem obigen Text? ui:-) Sorry

  14. Katja sagte:

    Hallo Ihr alle!

    Vielen Dank für eure zahlreichen Kommentare! :-) Ich möchte auch noch was einbringen:

    Zu Gabriel:
    du hast nichts falsch gemacht! Das sind die “Unsichtbaren”. Das erlebe ich oft, höre es auch von anderen. Ich denke, die wollen sich einfach nicht zeigen. Über Gründe kann ich nur spekulieren. So vermute ich, ganz richtig sind die wohl nicht, was ihre “sozialen Kompetenzen” betrifft.

    Und zu Sven:
    Stimmt, “Wer kommt denn noch?” ist auch ein Punkt für sich! Kommen einige nur, wenn gewisse Leute auch oder bestimmte nicht kommen???

    Viele Grüße
    Katja
    :-)

  15. Katrin sagte:

    Ich denke, es gibt viele Gründe warum es so ist. Und es sind nicht nur die oder der. Und im übrigen heißt es sozialphobisch.

  16. Sharron Clemons sagte:

    Manchmal habe ich das Gefühl, daß für einige Leute im Zeitalter der modernen,schnellen und vielfältigen Kommunikationsmöglichkeiten (e-mail,sms,Telefon,AB…) anscheinend die beste Variante ist, sich gar nicht zu melden?!!