„Früher war alles besser!“ …oder?
Liebe nities,
nachdem ich in den letzten Wochen ein wenig die einzelnen Typen der nities erforscht und vorgestellt habe und euch auch weiterhin um eure Meinung dazu bitte, möchte ich heute mal versuchen herauszufinden, in welche Zeit ihr am liebsten hinein geboren wärt. Eure Antworten werden übrigens immer anonym veröffentlicht. Traut euch also. Nur mit euch zusammen macht es Spaß!
Ihr gehört doch hoffentlich nicht zu den stets unzufriedenen Zeitgenossen, die mit jedem zweiten Gedanken „dem Gestern“ nachtrauern? Oder doch?
Trefft Ihr mehrmals am Tag folgende Aussagen:
Früher war alles besser! – Ich will die D-Mark zurück! – Ich wünschte, ich hätte in der Flower-Power Zeit gelebt! – Heute gibt es doch nur Stress, gesundheitsschädliche Handystrahlungen, befristete Hire and Fire-Verträge, schnelllebige Beziehungen, Internet… „Ja, gerade das Internet“, fluchen viele, „früher gab es das alles nicht.“ Erkennt ihr Parallelen zu euren Gedanken? Oje, dann seid ihr vielleicht gefährdet.
Mit meinem Blog in dieser Woche möchte ich versuchen, der Generation „Früher-war-alles-besser“ ein paar schöne Punkte aufzuzählen, für die es sich lohnt, optimistisch(er) nach vorne zu blicken.
Wenn man sich die Zeit um die Jugend der heutigen Uromas und Uropas betrachtet, so findet man in der Tat ganz gravierende Unterschiede zu heute. Damals war die Welt noch staubig und schwarz/weiß (Beweis: siehe alte Fotos und Filme!). Für ein Laib Brot rackerten sich die Frauen auf dem Felde ab, während sie nebenbei ihre vielen Kinder zu versorgen hatten – alleine. Die Männer zogen in den Krieg und kamen verletzt oder gar nicht mehr zurück. Verabredungen und Freizeit gab es erst gar nicht. Wenn man sich in Zeiten wie diesen auf lockere Tee-Nachmittage traf, so war das wohl eher nur den Besserverdienenden vorbehalten. Einladungen wurden Wochen im Voraus geplant und organisiert, Kommunikationslektüre (Zeitung) mühevoll mit Einzelbuchstaben in der Druckerei gesetzt und sogar von der Regierung zensiert.
So stelle ich mir die Welt vor etwa 70 Jahren vor. Waren diese Zeiten besser? Also ich kann mich nicht dafür begeistern.
Schauen wir uns im Schnelldurchgang die Jugendjahre der heutigen Omis und Opas, unserer Eltern, an. Ja, auf den ersten Blick gefällt mir persönlich der Gedanke an die Zeit des wilden „Flower-Power“. Vor meinem geistigen Auge sehe ich mich mit einer Schlaghose aus braunem Cord, buntem Ringelpullover und einer Gitarre auf dem Rücken mit einem VW Bus durch das Leben ziehen. Frei wie ein Vogel tuckere ich durch das Land, drehe den Rock ’n’ Roll Sender voll auf und – na ja, weil ich mich so frei und revolutionär fühle, rauche ich vielleicht auch noch ‘n Joint, um mein künstlerisches Bewusstsein zu erweitern. Hier und da küsse ich am Lagerfeuer möglicherweise unverbindlich ein paar langhaarige Typen mit ebenso langen Bärten, die einen auf Bob Dylan machen oder zumindest Che Guevara bewundern. (Siehe auch SWR2: Blumenkinder – Aufstieg und Fall der Hippie-Bewegung)
Zumindest gab es schon das Telefon! Als Teenager wuchs man beim ersten Verliebtsein scheinbar just neben diesem Gerät fest, damit man den potentiellen Anruf des Schwarms nicht versäume oder gar der strenge Herr Papa den Hörer vor einem selber abhob, sollte es klingeln. Die Hausfrau kümmerte sich derweilen in der Küche um das Essen, während im Garten die frisch gewaschenen Unterhosen und Hemden in der Sonne trockneten.
Genug geträumt und aufgewacht: freie Liebe, Aids, Drogen, gewalttätige Demos, politische Entführungen und Morde…
„Früher was alles besser!“ – Wirklich?
Früher, aber nicht ganz „früher“ durchleuchten wir jetzt einmal unsere eigene Kindheit und Jugend. Dabei dürften wir uns für den Durchschnitts-nitie so ungefähr in den 70er, 80er Jahren befinden. Dafür brauche ich meine Fantasie nicht spielen lassen, ich krame in der Erinnerung. Ja, ich kaufte Elvis Platten, während meine Freunde Münchner Freiheit, a-ha, Modern Talking und Nena voll aufdrehten. Man fuhr ein Bonanza- oder zumindest BMX-Rad. Vereinzelt sah man Walkie-Talkies aufkommen, aber das Telefon brauchte immer noch eine Strippe. Vom Taschengeld kaufte man sich die YPS mit Gimmick und spielte mit dem Detektivset, schrieb Freunden Postkarten mit der geheimen YPS-Tinte während man neben den Schulbüchern seine YPS-Urzeitkrebse züchtete. Natürlich besaß man auch einen Walkman.
Ja, das war eine nette Zeit! Dennoch, möchtet ihr noch einmal so jung sein? Möchtet ihr noch mal in der Zeit leben, wo eure Eltern euch zu sagen hatten, was ihr tun müsst, wo Tschernobyl die Welt verseuchte und wo der Umweltschutz verpönt wurde? Ich erinnere mich noch, wie man sich fürchtete, dies und jenes zu essen, da angeblich alles verstrahlt war. Man sorgte sich darum, wie die Zukunft aussehen wird. Jetzt lobt man das Jahrzehnt für eins der Besten, die 80er Jahre.
Um langsam zum Schluss zu kommen (ich könnte seitenweise schreiben), die Befürchtungen, im Jahre 2000 – sollte die Welt nicht schon längst untergegangen sein – flögen wir mit Ufos zur Arbeit, tragen komische Anzüge mit Helmen, weil wir unsere Erde vergiftet haben (oder sie uns), bestätigte sich nicht. Die Erdenbürger sind wahrhaftig einen Tick nachdenklicher geworden, in Beziehungen und der Freien Liebe der 60er gegenüber sogar vorsichtiger. Es gibt das Internet mit all seinen Vor- und Nachteilen, aber man kann sein Nutzen dran eigens steuern. Man selber ist für sich und sein Tun verantwortlich, Regisseur seines eigenen Lebens. Die Mittel dafür kann man sich nehmen und nutzen oder eben nicht. Klar, im teilweise verpönten World Wide Web kann man flirten, seine Ehe dadurch gefährden oder eben viele neue Freunde und sogar auch eine ernsthafte Beziehung finden. Gerade hier bei new-in-town lernt man so viele nette Leute kennen. Im Gegensatz zu früher gibt es dadurch heute zweifelsohne andere Möglichkeiten, neue Wege. Die sind nicht besser und auch nicht schlechter. Man muss sich nur bewusst machen, die Zeiten ändern sich: Wer nicht „mit der Zeit geht“, der „geht“ mit der Zeit.
So, was meint ihr nun? Würdet ihr lieber früher gelebt haben oder seid ihr zufrieden? Schreibt was! Hämmert auf eure Tastatur ein, bis es qualmt. Jetzt habt ihr mal die Gelegenheit! Also los, auf! Ob lustig, ernst oder gefühlvoll, ich möchte was von euch sehen, bzw lesen!
)
PS: Ich will das ein oder andere Thema aus dem Artikel irgendwann gerne noch mal aufgreifen und näher erläutern. Jetzt muss ich aber langsam zum Schluss kommen, denn es soll ja eine Kolumne sein, kein Roman.
Schlagwörter: a-ha, Cord, Freiheit, Gitarre, Modern Talking, Nena, Ringelpullover, Zeitgenossen



am 5. 09. 2010 um 11:46
Nun, zugegebenermaßen gehöre auch ich eher zu den sehr nostalgisch veranlagten Personen, schwelge nur allzu gern in Erinnerungen der “früheren,besseren Zeiten”.
Vor allem, wenn´s um die guten,alten 80er Jahre geht! Ich denke, daß hängt auch damit zusammen, in welcher Zeit, bzw. welchem Jahrzehnt man die Kindheit und Jugend verbracht hat. Unsere Eltern z.B. haben doch damals genauso davon berichtet, wie alles in deren früheren Zeiten besser und unkomplizierter war. Klar, einerseits ist der moderne Fortschritt, um welches Thema es auch immer geht, ein Fluch, andererseits jedoch auch ein Segen, wie man so schön sagt. Hängt auch davon ab, wie jeder einzelne den Fortschritt nutzt – als Gebrauch oder Missbrauch! Das sollte jeder selbst entscheiden.
Möglicherweise werden wir in 20 Jahren behaupten, daß doch um das Jahr 2010 herum alles besser war?!
am 5. 09. 2010 um 21:19
Bin überzeugt, daß ich auch mit dem Umfeld von vor 20/30 Jahren zurechtgekommen wäre. Und bin auch zufrieden heute.
(+, d.h. pro damals) M.W. war damals der Zusammenhalt größer. Homogener noch der Willen der Leute. Und es gab weniger solche Kriminellen wie diejenigen heute im Hamburger Schanzenviertel.
(+) Heute lassen sich die Leute leichter einlullen+vollmüllen mit unwichtigen Nachrichten. So daß für die wichtigen Dinge keine Konzentration mehr übrig bleibt.
(-, d.h. contra damals) Die Möglichkeiten heute sind interessanter. Mit PC, Internet. Blogs, Podcast, mobilen Geräten,..