Der Frühstückstreff (Teil 2) – Fortsetzung von „Verabredungen einhalten“

Liebe nities,

ich habe neulich eine Fortsetzung der Geschichte über den Frühstückstreff angekündigt. Da ich meine Versprechen weitgehend einzuhalten versuche, bekommt ihr sie heute. Über die Vorbereitung dazu habe ich ja bereits am 20. November berichtet. Nach längerer Überlegung habe ich mich für einen Erfahrungsbericht meiner eigenen ersten Teilnahme entschieden, berichte also aus der Position des Gastes. Voilà:

Sonntagmorgen 11 Uhr, irgendwann im Sommer 2008 in einer bekannten Mainmetropole: Ich saß mit einer Menge, mir vollkommen unbekannten Menschen, in einem, mir jedoch nicht ganz so unbekannten Lokal in Bahnhofsnähe. „feel at Home“, heißt die Lokalität und hier fühle ich mich wirklich immer recht heimisch. Wie viele Winterabende habe ich hier nicht bereits mit Freunden gemeinsam bei Tee, Glühwein oder einem heißen Apfel mit Brettspielen und endlosen Gesprächen verbracht? Im Sommer sitzen wir natürlich auf der Terrasse und trinken einen Sauergespritzten, ne Apfelsaftschorle oder so was. Nun war ich also zum Frühstücken hier. Ich bestellte erstmal ein kleines Frühstück mit einem großen Milchkaffee und schaute mich in der Runde um.
Außer meinem Kumpel Tobias kannte ich damals niemanden und saß etwas verloren herum. Einige schienen sich bereits untereinander zu kennen, andere hingegen schauten genau so unsicher durch die Gegend wie ich. Tobias, Organisator dieses Treffens, war Herr der Lage, kannte fast jeden. Er genoss, dass die weibliche Anzahl seiner Gäste in einer deutlichen Zahl überwog. Er wirkte überdreht und zappelte auf seinem Platz herum. Irgendwie fühlte ich mich ein wenig genervt von der hibbeligen Art. Vielleicht versuchte er auch nur, alle Gäste gleichzeitig zu unterhalten, vermutete ich. So drehte ich mich auch nach rechts, nach links, beugte mich vor zu meinem Gegenüber und versuchte mit den Mädels in Kontakt zu treten. Also irgendwie kam ich mit so niemand wirklich ins Gespräch und konnte mich erst recht nicht mit jemandem identifizieren. Auf mich wirkten einige der Leute in dem Kreis zuerst einmal überdreht und gespielt, doch das Gefühl veränderte sich später, als ich die nities näher kennenlernte …
Eine Martina, kräftig gebaut, bunt geschminkt und lustig drauf, führte damals grell piepsend das Gespräch. Es ging natürlich um „new in town“ und wen sie schon alles auf diese Weise kennengelernt hatte. „Kennt ihr auch die Einträge des LuckyXY?“, fragte sie in die Runde.

„Wer kennt die nicht!?“

Der Typ mit dem Pseudonym „LuckyXY“ war fast jedem aktiven „new-in-town-Mitglied“ bekannt. Sein Standardeintrag war einer über seine „privaten Grillpartys“, wofür er immer neue Leute suchte, natürlich Frauen, weil „zufällig kurzfristig welche wegen Krankheit absagen mussten!“ Jeder amüsierte sich im Stillen über den „armen Mann“, bei dem die Frauen „zufällig“ so oft kurzfristig erkrankten.

Genauso bekannt war die sich ständig wiederholende Anzeige einer Nerges, die in falschem Deutsch für sich und ihren Mann „allgemeine Freundschaften“ suchte und dabei jedes Mal betonte, dass sie „nichts Sexuelles“ suchten, aber dafür „mobil seien“…

„Nerges…! Oh ja, die kennt auch jeder!“

Na ja, wir unterhielten uns noch über diese und jene Anzeige in der „Pinnwand“ des Internetforums, ohne natürlich unseren eigenen Nickname bzw. unsere wahrscheinlich genauso albern klingenden Anzeigen zu erwähnen. Gut, dass es Nicknames gab!

„Hat eigentlich schon mal jemand LuckyXY oder Nerges getroffen?“, fragte ich in die Runde und alle starrten mich an. Sicher hatte ich die unmöglichste Frage aller Fragen gestellt! Eine Frage, die tabu war, die man nicht stellen durfte.

„Natürlich nicht!“

„Wer antwortet denn auf so was?“, lauteten die fast schon empörten Antworten aus allen Richtungen.

„Ahm, doch…“, meldete sich leise ein Stimmchen von ganz hinten. „Ich habe ihn mal getroffen. Aber es war ganz durch Zufall. Er ist bei einem Treffen von anderen dabei gewesen. Er heißt mit richtigem Namen Mike und ist in der Tat ein seltsamer Vogel.“

Gesichter drehten sich zu Annabelle , einer zierlichen, blonden, Mittdreißigerin.

„Erzähl mal!“, wurde sie wissbegierig aufgefordert.

„Na ja, das ist ein etwas schleimiger Typ, so unseres Alters. Er  kommt sich ziemlich toll vor, glaube ich. Wir waren damals auch auf einem Frühstücksbrunch zusammen. Er stützte sich immer auf den Tisch, lehnte sich vor und begann fast jeden Satz mit „Also ich bin einer, wo… usw.“.

Wir grinsten und stellten uns diesen Typen bildlich vor. Annabelle  machte ihn nach und schaute Imken, die ihr gegenübersaß, dabei in die Augen: „Also ich bin einer, wo, wenn er in einer Beziehung ist, ganz schön tolerant ist.“ „Also ich bin einer, wo, wenn er in einer Beziehung ist, auch schon mal Geschirr spült.“

Wir lachten, plötzlich kam Stimmung auf und wir überlegten, wie Nerges sein könnte.
„Also ich will aber nix Sexuelles“, meldete sich Tobias mit piepsigem Stimmchen und wir hielten uns grölend den Bauch.

„Wirklich nicht?“, fragte ich meinen Lieblingskumpel ironisch zwinkernd.

„Nee du, aber dafür bin ich auch mobil!“

Nachdem wir uns über die seltsamen Einträge lustig gemacht hatten, unsere eigenen selbstverständlich für uns behielten, unterhielten wir uns über uns Anwesende. Letztlich tauschten wir noch Handynummern für spontane Anrufe zwecks sinnvoller Freizeitgestaltung aus. Wenn man über dreißig und Single war, konnte in einem Abend alleine zu Hause bereits der Anfang einer großen, unendlich scheinenden Depression liegen. Dem versucht NIT entgegenzusteuern!

Keiner war als Einziger neu im Kreis. Den meisten nities, die gekommen waren, ging es so. Oft sei es aber leider auch so, erzählte mir später einmal eine der netten Bedienungen, dass die Leute sich nicht an den Tisch trauen oder, nachdem sie nur kurz den Kopf zur Tür herein steckten, wieder gingen. Zu Beginn kam ich mir auch fremd vor, konnte mit den anderen so gar nichts anfangen, doch das änderte sich im Laufe des Vormittags. Man muss die Menschen erst einmal näher kennenlernen. Ich bin damals jedenfalls froh gewesen, dass ich nicht nach den ersten zehn Minuten wieder gegangen bin. Es ist ein interessantes Zusammentreffen gewesen, aus dem sich später mein Wunsch, selber Frühstückstreffs zu organisieren, entwickelt hat.

Es gibt hier ja auch fest organisierte Frühststücktreffs, das „breakfast to meet“, direkt von NIT aus beispielsweise. Vielleicht habt ihr auch mal Lust, euch in das Kennenlern-Abenteuer zu stürzen? Ihr habt keine Zeit für so was, meint ihr? Wie lautet da mein gern zitierter Spruch in diesem Fall: „Essen müssen wir doch alle mal was!“  ;-)

Eure Katja

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Dieser Beitrag wurde am 5. 12. 2010 veröffentlicht und im Bereich Allgemein, Katja, new-in-town, Tipps für Neulingeabgelegt. Sie können jede Antwort zu diesem Beitrag abonnieren. Both comments and pings are currently closed.

Ein Kommentar to “Der Frühstückstreff (Teil 2) – Fortsetzung von „Verabredungen einhalten“”

  1. Heidi sagte:

    Also, ich habe mal an einem Stammtischtreffen teilgenommen und muß sagen, daß ich da auf Mitglieder gestoßen bin, deren Top-Gesprächsthema es war, sich über berufliche zu unterhalten. Leider ein Phänomen bei NIT-Mitgliedern. Ich denke,daß Leben besteht nicht nur aus Beruf, sondern hat noch viele andere Seiten . Ich fand es gähnend langweilig.