Archiv von Dezember, 2010

Die Verwandlung der Gesellschaft an Feiertagen

Hallo nities,

zu Weihnachten passieren ungewöhnliche Dinge mit uns Menschen. Man erinnert sich gerne an die eigene Kindheit, wünscht sich Frieden. Auf einmal ist jeder freundlich, man lässt andere Kunden mit weniger Einkäufen an Warteschlangen vor Supermarktkassen den Vortritt, grüßt sich untereinander wohlwollend, hält seinen Mitmenschen die Türe auf oder lächelt einfach mal einem Fremden zu. Kaum ist das Christfest vorbei, der Alltag hat uns wieder, verfallen wir in unseren alten Trott.

Ich wachte eines Morgens nach dem Weihnachtsfest auf, streckte und reckte mich, fühlte mich ausgeruht, leistungsfähig, glücklich – noch. Doch dann hörte ich nebenan laute Konversation und Handwerksgeräusche, hämmern, bohren. Vielleicht wurde ein Schrank aufgebaut? Aus dem zweiten Stock hallten bereits die ständigen Klavierübungen eines anderen Nachbarn zu mir rauf. Hurra, der Alltag ist zurück, schnaufte ich ironisch. Nur nicht aufregen, es einfach locker sehen, wies ich mich selber zurecht. Alles nicht so schlimm. Optimistisch stand ich auf, kochte Kaffee, frühstückte und fuhr den Computer hoch. Lauter SPAM-Nachrichten im Posteingang. Aber nicht ärgern, dachte ich wieder, ist ja alles nicht so tragisch. Ein flüchtiger Blick auf die Uhr trieb mich zur Eile. Jetzt auch noch zu spät zur Arbeit erscheinen, das ginge gar nicht. Schnell sprang ich unter die Dusche und erschrak: Kein Heißwasser! Meinen Leitsatz „Nur nicht aufregen, alles nicht so schlimm“ hörte ich mich sagen. Also sah ich es positiv, duschte kalt und bildete mir ein, dadurch extrem wach und fit geworden zu sein. Eine kalte Dusche am Morgen regt doch den Stoffwechsel auf natürliche Weise an.
Mein Auto musste ich suchen, es hatte wieder geschneit. Nachdem ich es gefunden, ausgebuddelt und gestartet hatte, wie sollte es anders sein, fand ich mich wenige Minuten später im Stau wieder. Langsam fiel es mir nicht mehr ganz so leicht, mich auf meinen positiven Satz zu konzentrieren. Dabei war gestern, an Weihnachten, doch noch alles so friedlich. Hinter mir hupte jemand und steckte mich mit seiner Wut an. Ich stand doch selber, kam keinen Meter weiter! Am liebsten wär ich ausgestiegen und hätte dem Meister der Hupe mal ordentlich was erzählt. Auf einmal kam mir der Film „Lola rennt“ in den Sinn. Neulich habe ich einen Bericht über den neuen Film namens „Drei“ des Regisseurs Tom Tykwer gelesen. Dieser soll wohl nach ähnlichem Prinzip laufen wie der berühmte Film mit Franka Potente und Moritz Bleibtreu von 1998. Eine Szene wird gezeigt und drei Möglichkeiten eines Handlungsablaufes vorgestellt. Ich überlegte mir, wie ich wohl jetzt reagieren könnte. Einfach meinen Prinzipien, meinen guten Vorsätzen des heutigen Tages folgen und versuchen ruhig und gelassen zu sein? Ich sehe die Szene:

Der Typ hinter mir hupte und hob seinen Arm mit einer drohenden Geste in die Lüfte. Ich lächelte freundlich, ließ ihn machen. Irgendwann löste der Stau sich auf und ich erreichte gelassen meinen Arbeitsplatz …
- Schnitt -

Der Typ hinter mir hupte und hob seinen Arm drohend. Ich stieg aus, klopfte an seine Scheibe, welche er sofort schimpfend herunterkurbelte. Er schrie mich sofort an: „Was fällt Ihnen ein, so langsam zu fahren. Bleiben Sie doch zu Hause, wenn Sie nicht Auto fahren können.“ Ich war geschockt, rechtfertigte mich jedoch: „Was kann ich dafür, dass wir hier stehen? Vor mir liegt der Verkehr ebenso still.“ „Sie fahren aber am dümmsten“, motzte er weiter. Mir wurde klar, dass der Mann einfach nur irgendjemanden anmeckern musste, er sah den schuldlosen Umfang meiner Beteiligung jedoch nicht. Also stieg ich wieder in mein Auto. Dennoch lastete der Streit auf meinem Gemüt, da ich mich nicht gewehrt hatte und zu Unrecht angeschnauzt wurde. Ich fühlte mich traurig …
- Schnitt! –

Die gleiche Szene lief wieder vor mir ab. Wir befanden uns noch beim ersten Wortwechsel, doch auf einmal holt der Mann mit seiner drohenden Faust aus. Diese landete an meinem Kinn. Ich lag mit gebrochenem Kiefer am Boden. Blut färbte den Schnee rot, ich spuckte Zähne. Ein paar andere Autofahrer hatten den Auftritt mitbekommen und riefen die Polizei und den Krankenwagen. Der Stau wurde immer länger und noch mehr Menschen kamen an diesem Tag zu spät zur Arbeit. Ich sah mich im Krankenhaus. In den folgenden 4-6 Wochen bestand meine Ernährung aus Brei, den ich über einen Strohhalm einsaugte …
- Schnitt! -

Es ging weiter. Endlich kam ich an meiner Arbeitsstelle an, noch rechtzeitig. In der Redaktion herrschte ungewöhnliche Stille. Viele Kollegen hatten sich zwischen den Jahren freigenommen. Ich saß vor meinem PC und verschaffte mir einen Überblick über die Nachrichten, von denen es zu berichten hieß. Soweit war alles noch friedlich in den Räumen. Auf einmal klingelte das Telefon. Der Geschäftsführer eines nahegelegenen Supermarktes war dran und schimpfte ungebremst über einen Artikel über seinen Laden, der im Lokalteil stehen würde. Dieser entspräche ganz und gar nicht der Wahrheit und der Mann sah den Ruf seines Geschäftes geschädigt. Ich wusste gar nicht, um was es ging.
„Was, Sie wissen nicht mal, was in der Zeitung steht, für die Sie arbeiten?“, empörte er sich. Der weiß wohl nicht, wie man in einer Redaktion arbeitet, dachte ich, es gibt doch mehrere Redakteure. Während er nur so in die Muschel schimpfte und seiner Wut freien Lauf ließ, überlegte ich mir drei Möglichkeiten:

Ich warf einen Blick in die heutige Ausgabe, überflog den Artikel. Ich fand heraus, dass man die Sache zum Guten drehen könnte und bot eine Gegendarstellung für die morgige Ausgabe an, inklusive einer Seite mit extra Werbung. Der Geschäftsmann gab sich nicht nur zufrieden, war sogar begeistert und buchte daraufhin noch eine teure Anzeige für die Wochenendausgabe. In der Abendkonferenz lobte man mich, weil ich so professionell gehandelt habe und versprach mir eine Gehaltserhöhung …
- Schnitt -

Ich versprach einen Rückruf und wählte die Nummer des verantwortlichen Kollegen, welcher sich im Urlaub befand. Ich fragte ihn, was es mit dem Artikel auf sich habe. Der Redakteur schimpfte, warum ich nicht einfach eigenmächtig entscheide, er sei jetzt im wohlverdienten Urlaub und knallte den Hörer auf die Gabel. In den folgenden Wochen stellte sich heraus, dass der Kollege mich sowieso schon auf dem Kieker hatte, und mobbte mich seit dem. Er postete unter anderem auf Netzwerkseiten im Internet irgendwelche zweideutigen Dinge gegen mich und mir wurden fortan Fehler untergejubelt. Es blieb mir nichts anderes übrig, als mir einen neuen Job zu suchen …
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Ich überflog den Artikel, versuchte Verständnis für den Geschädigten aufzubringen und versprach, mich um eine Aufklärung zu kümmern. In der Redaktionskonferenz sprach ich das Thema an und erfuhr, dass der Artikel absolut der Wahrheit entspräche und man mit einer solchen Reaktion gerechnet hatte …
- Schnitt -

Am späten Vormittag hatte ich einen Außentermin, zu dem ich mit der U-Bahn fahren musste. Ich konnte Fahrten mit den Öffentlichen noch nie leiden. Ob ich es gedanklich selber anzog oder es Zufall war, traf nämlich genau das ein, was ich befürchtete: unangenehme Mitreisende. Mir gegenüber saß eine junge Frau, die mit offenem Mund auf ihrem Kaugummi herumkaute. Weiter hinten hörte jemand bei voller Lautstärke Musik über seinen MP3 Player. Außerdem saßen mindestens 6 Fahrgäste in der U-Bahn, die lauthals telefonierten. Ich war ziemlich genervt. Am liebsten hätte ich den Leuten hier allesamt mal Anstand und Ordnung beigebracht. Der Wiederkäuer vor mir störte mich am meisten. So kreisten meine Gedanken erneut um drei Möglichkeiten:

Ich sagte gar nichts und fraß den Ärger in mich rein. Irgendwann bekam ich Bauchschmerzen und Schweißausbrüche und fiel für die kommende Woche wegen eines Magengeschwürs aus. Am Ende verlor ich meinen Job, weil ich mich in der Urlaubszeit krankschreiben ließ …
- Schnitt -

Ich saß in der Bahn und sprach den Mitmenschen gegenüber freundlich an. „Sagen Sie mal, könnten Sie vielleicht den Mund schließen, wenn Sie Kaugummi kauen?“ Sie schaute mich unverständig an, riss die Augen auf und brüllte „Was geht dich das an? Ich hau dir auf´s Maul!“ Erschrocken und geschockt über die Reaktion sagte ich gar nichts mehr. Kurz drauf kam der Freund der jungen Frau und führte ihre Drohung aus. Wieder lag ich mit gebrochenem Kiefer im Krankenhaus …
- Schnitt –

Ich sprach die junge Kaugummikauerin an und bekam Zustimmung von den anderen Fahrgästen. „Sie haben ja so recht. Endlich sagt mal jemand etwas.“ Die junge Frau merkte jetzt selber, wie unhöflich sie war, entschuldigte sich und alles war gut …
- Schnitt -

Der Zug hielt und ich stieg am Marktplätzchen eines urigen Außenbezirkes aus. Hier hatte ich ein Interviewtermin. Weihnachtsschmuck hing über den Straßen und an den Bäumen. Die stimmungsvolle Musik eines Glühweinstandes lud zum Verweilen ein, auf einer angrenzenden Eisbahn liefen Kinder umher, lachten fröhlich. Die Menschen waren freundlich. Ich fühlte mich gleich wieder mitgerissen und mir wurde klar, wie viele Möglichkeiten es jeweils gibt, mit einer Situation umzugehen. Auch, dass die Umgebung die Stimmung beeinflusst, beziehungsweise man sich beeinflussen lässt, einfach angesteckt wird. Weihnachten hat stets etwas Besänftigendes, doch der Alltag kommt schnell. Ich frage mich, warum wir die Stimmung nicht etwas länger in uns halten können, wo sich jeder Mensch doch wohler damit fühlt, es friedlich mag?

Eure Katja

Die Weihnachtsbescherung kam aus dem Straßengraben

Ho ho ho, ihr lieben nities,

Weihnachten kommt ja jedes Jahr so überraschend.
Für euch nicht? Habt ihr etwa schon alle Geschenke beisammen oder gehört ihr zu den geschätzten 60% Christen, die sich dieses Jahr einmal gar nichts schenken wollen – wie letztes Jahr übrigens, als dann urplötzlich und ach so überraschend der iPod oder das iPhone unterm Baum lag. Wer schnell noch paar Plätzchen backen muss, dem empfehle ich, mein Rezept im Blog der letzten Woche nachzubacken. Nehmt dazu jedoch besser weihnachtliche Ausstechförmchen. ;-)

Wie feiert ihr das Fest? Fahrt ihr zu euren Eltern oder habt ihr bereits eure eigene Familie? Stellt ihr einen Baum auf oder verzieht ihr euch lieber in die nächste Kneipe, um dem ganzen Spuk zu entgehen? Mögt ihr es traditionell, Lichter, Kerzen, Weihnachtsmusik, vielleicht mit der klassischen Weihnachtsgans oder seid ihr Vegetarier und gewinnt dem kommerziellen Rummel sowieso nichts ab? Besucht ihr einen Gottesdienst oder schaut ihr euch Actionvideos an? Eigentlich ist Weihnachten erst richtig schön, wenn Kinder dabei sind, meint ihr nicht auch?

Wie war es eigentlich früher bei euch zu Hause, als ihr Kinder gewesen seid? Könnt ihr euch noch an die Feiertage erinnern?
Ihr wollt nicht, dass ich euch stets ausfrage, ihr wollt etwas von mir hören? Okay, überredet.

Ich erzähle euch eine kleine Geschichte von einem, mir im Gedächtnis gebliebenen, Weihnachtsfest aus meiner Kindheit:
Es war Mitte der Siebziger Jahre. Ich war so zwei, drei Jahre alt. Ich merkte, dass irgendetwas anders war am 24. Dezember. Es ging schon früh morgens hektisch zu. Ich wurde von einer Ecke in die nächste gescheucht, stand scheinbar überall im Weg herum. Der Opa holte eine Tanne aus dem Garten und stellte sie ins Wohnzimmer. Das stachelige Gewächs wurde mit Lametta geschmückt und dann auch noch mit Kerzen bestückt. Wozu das alles, dachte ich, schließlich hatte meine Mutter schon so viele Blumen und Palmen im Wohnzimmer stehen? Wieso jetzt noch nen Baum, außerdem pikte der doch so? Unter den Erwachsenen herrschte angespannter Perfektionsdrang. Bloß nichts anfassen, nicht so laut durch das Haus rennen, artig sein, hieß es für mich. Klein Katja durfte auf einmal nicht mal mehr im Wohnzimmer spielen, obwohl sie dort doch so gerne mit ihrer Holzeisenbahn durchfuhr. Der Weihnachtsmann würde heute Abend kommen, erklärte die Oma. Aber nur zu lieben Kindern, fügte sie mit Nachdruck hinzu. Okay, dachte ich enttäuscht und zog eine lange Kinderschnute. Zwar klein, aber nicht doof, deutete ich die Anreihung ihrer Worte auf den Hinweis, ich sei kein braves Kind. So heulte und tobte ich erst recht laut und gar nicht artig. Während der Opa mit der Oma schimpfte, was sie dem Kind für einen Stuss erzählte, versicherte er mir, dass wir auch Besuch bekommen würden, von einer Gestalt mit einem roten Mantel, langem Bart und einem Sack voller Geschenke. Denn ich sei natürlich ein liebes Kind, tröstete der Opa. Schlagartig hörte ich mit dem Geschrei auf.
Mit großen Augen und offenem Mund starrte ich Opi an: Geschenke!?
Natürlich war es aus mit der besinnlichen Stimmung. So wartete ich ungeduldig auf diesen mysteriösen Herrn Weihnachtsmann. Doch Geduld war noch nie meine Stärke und letztlich versuchte mich mein Vater, endlich müde zu bekommen. Seine Idee war, einen langen Spaziergang mit mir zu unternehmen, bis in den Heiligen Abend hinein, bis der Weihnachtsmann seine Geschenke ablegen würde. Ich wurde eingepackt in dicker Daunenjacke, oben drauf ne Bommelmütze, Schal und Fäustlinge kamen auch noch dazu. Aus dem gesamten Kleiderberg schauten am Ende nur noch zwei Augen hervor. So tobten wir im Schnee und spielten Verstecken. Ich rannte an den Straßenrand und versteckte mich in einem trockengelegten Graben. Mittlerweile war es recht dunkel und der Vater trieb zum Gehen. Klein Katja kam aus ihrem Versteck und gemeinsam trotteten Vater und Töchterchen nach Hause. Mein Paps bemerkte in der Dunkelheit einen unangenehmen Geruch, der uns verfolgte, zu sehen war aber nichts. Im Haus angekommen zeigte sich der Grund: Im Graben muss wohl kurz vorher ein Hund seinen vorweihnachtlichen, prallen Darm entleert haben. Der Inhalt klebte nun an meinen Schuhen. Eine schöne Bescherung war das!

An die Geschenke in diesem Jahr kann ich mich nicht mehr entsinnen, ich glaube aber, ich bekam trotzdem welche. Mit weitaus mehr Platz nistete sich die andere Erinnerung in mein Gedächtnis ein: Weihnachten mit dem Geruch von frischen Plätzchen, ähm frischen Geschäftchens.

Ich wünsche euch allen frohe Weihnachten, ein paar besinnliche Tage. Esst nicht zu viel Weihnachtsgebäck, später ärgert ihr euch nur ;-) und gebt Acht, wohin ihr tretet, beim Spazierengehen.

Eure Katja

PS: Wer uns neben seinen Kindheitserfahrungen, aktuellen Weihnachtsfeierlichkeiten oder Traditionen noch ein leckeres Plätzchenrezept verraten möchte, der sehe sich herzlich aufgefordert, es hier niederzuschreiben.

„Da meine Freunde derzeit alle heiraten, suche ich …“ oder: Wenn Liebe Freundschaften zerstört

Grüß euch nities,

ein Frühstückstreff ist ja nur eines von vielen schönen Dingen, an denen man in der kuscheligen Adventszeit teilnehmen kann.

Möglicherweise hängt es tatsächlich mit “Kuscheln” und “sich ins Warme verziehen“ zusammen, dass man die Tage wieder auffallend viele Pinnwandanzeigen mit ähnlich klingendem Wortlaut findet:

<Da die meisten meiner Freunde zurzeit aufgrund von Partnerschaften anderweitig ausgebucht sind, suche ich nette Leute, um in der Freizeit mal wieder öfters was gemeinsam zu unternehmen: Wie wär´s z. B. mit Theater, Wandern, Sauna … etc. Bin auch für andere Vorschläge offen, wenn die Chemie grundsätzlich stimmt!>

<hallo, ich suche mal wieder nach ein paar netten, neuen Bekanntschaften egal ob m oder w für gemeinsame Freizeitaktivitäten und vielleicht auch zum Aufbau von Freundschaften, da meine Freunde mittlerweile alle heiraten und Kinder kriegen müssen. Bin selber 33 Jahre und gehe gern in gemütliche Bars, Kino, DVD-Abende, Saunabesuche oder vielleicht habt Ihr ja eine Idee …? Also meldet Euch ruhig mal …! LG>

Kennt ihr das auch:
Da habt ihr hier gerade neue Freunde gefunden und bereits viele schöne Abende, durchtanzte Nächte, stundenlange Gespräche oder auch Wochenenden miteinander verbracht und auf einmal ist Schluss mit lustig.
Warum ist Schluss? Weil der Freund (oder die Freundin) nun nicht mehr Single ist, einen Partner gefunden hat, mit dem er seine gesamte Zeit verbringen möchte oder sogar heiraten will.
Auf einmal soll all das vorbei sein? Freundschaften, gemeinsame Treffen in der Gruppe, Ausflüge? Ihr könnt es gar nicht fassen, reagiert selber wie ein verlassener Partner eures Kameraden. Doch so etwas gibt es natürlich auch im Leben.

Ich rede hier aber nicht von jenem Zauber der Liebe, der Besitz von jemandem ergreift, ihn von Wolke 7 einnebelt und deswegen für gewisse Zeit zur Kurzsichtigkeit treibt. Liebe und Verliebtsein, das kennt jeder, lässt schon mal zu, dass sich der eine oder andere Freund hinten anstellen muss. Normalerweise versteht man das als Freund ja auch.

Nein, ich denke hierbei an Leute, die sich über NIT in einen oder gleich mehrere Freundeskreise „eingeschlichen“ haben, hin und wieder locker mit allen möglichen Leuten treffen und dann verschwinden, wenn sie „etwas Besseres“ haben. Das sind aber keine Freunde. Das sind oberflächliche Bekanntschaften.
Dienten die zurückgelassenen Freunde bzw. Bekannten dabei also als Lückenfüller oder passiert es unterbewusst im verliebten Kopf des Kameraden? Ist euch so etwas schon mal passiert und wie fühltet ihr euch dabei? Meint ihr, die Sache mit dem „Austausch von Personen“ passiert im Internet häufiger? Muss man sich einfach nicht mehr melden, wenn man „was Besseres“ gefunden hat? Tut man anderen damit nicht weh? Seid ihr durch so etwas selber schon mal verletzt worden? Was würdet ihr dem ehemaligen „Freund“ sagen, sollte seine Partnerschaft scheitern und er euch auf einmal wieder kontaktieren wollen?


Vielleicht habt ihr auch wirkliche Freunde, die euch ab und an immer noch mal anrufen, eine Mail schreiben, Vorschläge zum gemeinsamen Treffen unterbreiten, auch wenn sie zwischenzeitlich einen Partner haben? Vielleicht seid ihr selber mittlerweile in einer Beziehung, habt deswegen „Ballast“ abwerfen müssen? Vielleicht aber meldet ihr euch trotzdem noch bei eurer Clique und unternehmt jetzt was als Paar zusammen mit anderen anstatt alleine? Es gibt auch die Möglichkeit, dass ihr einen Partner habt und eure Freunde sich nicht mehr bei euch melden, obwohl ihr dies tut. (Passiert oft aus Eifersucht oder bei Freundschaften zwischen Männlein und Weiblein, wenn einer doch „mehr“ wollte und nun jemand anderes daher kam, behaupte ich mal.) Ihr seht, es gibt eine Menge „Vielleicht’s“, eine ganze Anzahl an Standpunkten und Sichtweisen.

Über das Thema lässt sich – aus verschiedenen Perspektiven – lange diskutieren. Ich habe hier nur einen kleinen Teil der Möglichkeiten anschneiden wollen. Natürlich gibt es viele Geschichten, doch dazu seid ihr nun aufgefordert, eure Erlebnisse preiszugeben.

Eure Katja

PS: Gefällt euch mein Foto? Sucht ihr noch nach einem guten Plätzchenrezept für eure Weihnachtsbäckerei? Hier kommt mein Spezialrezept: 250g Mehl, 175g Butter (mit Zimmertemperatur), 86g Zucker, 1 Päckchen Vanillezucker und 1 kleines Fläschchen Rum-Aroma mit den Händen verkneten. Die Teigkugel in eine Frischhaltefolie einwickeln und für eine Stunde in den Kühlschrank stellen. Anschließend den Teig ausrollen, weihnachtliche Förmchen nehmen, Kekse ausstechen und bei 180 Grad nach Gefühl backen. :-)

Der Frühstückstreff (Teil 2) – Fortsetzung von „Verabredungen einhalten“

Liebe nities,

ich habe neulich eine Fortsetzung der Geschichte über den Frühstückstreff angekündigt. Da ich meine Versprechen weitgehend einzuhalten versuche, bekommt ihr sie heute. Über die Vorbereitung dazu habe ich ja bereits am 20. November berichtet. Nach längerer Überlegung habe ich mich für einen Erfahrungsbericht meiner eigenen ersten Teilnahme entschieden, berichte also aus der Position des Gastes. Voilà:

Sonntagmorgen 11 Uhr, irgendwann im Sommer 2008 in einer bekannten Mainmetropole: Ich saß mit einer Menge, mir vollkommen unbekannten Menschen, in einem, mir jedoch nicht ganz so unbekannten Lokal in Bahnhofsnähe. „feel at Home“, heißt die Lokalität und hier fühle ich mich wirklich immer recht heimisch. Wie viele Winterabende habe ich hier nicht bereits mit Freunden gemeinsam bei Tee, Glühwein oder einem heißen Apfel mit Brettspielen und endlosen Gesprächen verbracht? Im Sommer sitzen wir natürlich auf der Terrasse und trinken einen Sauergespritzten, ne Apfelsaftschorle oder so was. Nun war ich also zum Frühstücken hier. Ich bestellte erstmal ein kleines Frühstück mit einem großen Milchkaffee und schaute mich in der Runde um.
Außer meinem Kumpel Tobias kannte ich damals niemanden und saß etwas verloren herum. Einige schienen sich bereits untereinander zu kennen, andere hingegen schauten genau so unsicher durch die Gegend wie ich. Tobias, Organisator dieses Treffens, war Herr der Lage, kannte fast jeden. Er genoss, dass die weibliche Anzahl seiner Gäste in einer deutlichen Zahl überwog. Er wirkte überdreht und zappelte auf seinem Platz herum. Irgendwie fühlte ich mich ein wenig genervt von der hibbeligen Art. Vielleicht versuchte er auch nur, alle Gäste gleichzeitig zu unterhalten, vermutete ich. So drehte ich mich auch nach rechts, nach links, beugte mich vor zu meinem Gegenüber und versuchte mit den Mädels in Kontakt zu treten. Also irgendwie kam ich mit so niemand wirklich ins Gespräch und konnte mich erst recht nicht mit jemandem identifizieren. Auf mich wirkten einige der Leute in dem Kreis zuerst einmal überdreht und gespielt, doch das Gefühl veränderte sich später, als ich die nities näher kennenlernte …
Eine Martina, kräftig gebaut, bunt geschminkt und lustig drauf, führte damals grell piepsend das Gespräch. Es ging natürlich um „new in town“ und wen sie schon alles auf diese Weise kennengelernt hatte. „Kennt ihr auch die Einträge des LuckyXY?“, fragte sie in die Runde.

„Wer kennt die nicht!?“

Der Typ mit dem Pseudonym „LuckyXY“ war fast jedem aktiven „new-in-town-Mitglied“ bekannt. Sein Standardeintrag war einer über seine „privaten Grillpartys“, wofür er immer neue Leute suchte, natürlich Frauen, weil „zufällig kurzfristig welche wegen Krankheit absagen mussten!“ Jeder amüsierte sich im Stillen über den „armen Mann“, bei dem die Frauen „zufällig“ so oft kurzfristig erkrankten.

Genauso bekannt war die sich ständig wiederholende Anzeige einer Nerges, die in falschem Deutsch für sich und ihren Mann „allgemeine Freundschaften“ suchte und dabei jedes Mal betonte, dass sie „nichts Sexuelles“ suchten, aber dafür „mobil seien“…

„Nerges…! Oh ja, die kennt auch jeder!“

Na ja, wir unterhielten uns noch über diese und jene Anzeige in der „Pinnwand“ des Internetforums, ohne natürlich unseren eigenen Nickname bzw. unsere wahrscheinlich genauso albern klingenden Anzeigen zu erwähnen. Gut, dass es Nicknames gab!

„Hat eigentlich schon mal jemand LuckyXY oder Nerges getroffen?“, fragte ich in die Runde und alle starrten mich an. Sicher hatte ich die unmöglichste Frage aller Fragen gestellt! Eine Frage, die tabu war, die man nicht stellen durfte.

„Natürlich nicht!“

„Wer antwortet denn auf so was?“, lauteten die fast schon empörten Antworten aus allen Richtungen.

„Ahm, doch…“, meldete sich leise ein Stimmchen von ganz hinten. „Ich habe ihn mal getroffen. Aber es war ganz durch Zufall. Er ist bei einem Treffen von anderen dabei gewesen. Er heißt mit richtigem Namen Mike und ist in der Tat ein seltsamer Vogel.“

Gesichter drehten sich zu Annabelle , einer zierlichen, blonden, Mittdreißigerin.

„Erzähl mal!“, wurde sie wissbegierig aufgefordert.

„Na ja, das ist ein etwas schleimiger Typ, so unseres Alters. Er  kommt sich ziemlich toll vor, glaube ich. Wir waren damals auch auf einem Frühstücksbrunch zusammen. Er stützte sich immer auf den Tisch, lehnte sich vor und begann fast jeden Satz mit „Also ich bin einer, wo… usw.“.

Wir grinsten und stellten uns diesen Typen bildlich vor. Annabelle  machte ihn nach und schaute Imken, die ihr gegenübersaß, dabei in die Augen: „Also ich bin einer, wo, wenn er in einer Beziehung ist, ganz schön tolerant ist.“ „Also ich bin einer, wo, wenn er in einer Beziehung ist, auch schon mal Geschirr spült.“

Wir lachten, plötzlich kam Stimmung auf und wir überlegten, wie Nerges sein könnte.
„Also ich will aber nix Sexuelles“, meldete sich Tobias mit piepsigem Stimmchen und wir hielten uns grölend den Bauch.

„Wirklich nicht?“, fragte ich meinen Lieblingskumpel ironisch zwinkernd.

„Nee du, aber dafür bin ich auch mobil!“

Nachdem wir uns über die seltsamen Einträge lustig gemacht hatten, unsere eigenen selbstverständlich für uns behielten, unterhielten wir uns über uns Anwesende. Letztlich tauschten wir noch Handynummern für spontane Anrufe zwecks sinnvoller Freizeitgestaltung aus. Wenn man über dreißig und Single war, konnte in einem Abend alleine zu Hause bereits der Anfang einer großen, unendlich scheinenden Depression liegen. Dem versucht NIT entgegenzusteuern!

Keiner war als Einziger neu im Kreis. Den meisten nities, die gekommen waren, ging es so. Oft sei es aber leider auch so, erzählte mir später einmal eine der netten Bedienungen, dass die Leute sich nicht an den Tisch trauen oder, nachdem sie nur kurz den Kopf zur Tür herein steckten, wieder gingen. Zu Beginn kam ich mir auch fremd vor, konnte mit den anderen so gar nichts anfangen, doch das änderte sich im Laufe des Vormittags. Man muss die Menschen erst einmal näher kennenlernen. Ich bin damals jedenfalls froh gewesen, dass ich nicht nach den ersten zehn Minuten wieder gegangen bin. Es ist ein interessantes Zusammentreffen gewesen, aus dem sich später mein Wunsch, selber Frühstückstreffs zu organisieren, entwickelt hat.

Es gibt hier ja auch fest organisierte Frühststücktreffs, das „breakfast to meet“, direkt von NIT aus beispielsweise. Vielleicht habt ihr auch mal Lust, euch in das Kennenlern-Abenteuer zu stürzen? Ihr habt keine Zeit für so was, meint ihr? Wie lautet da mein gern zitierter Spruch in diesem Fall: „Essen müssen wir doch alle mal was!“  ;-)

Eure Katja