Archiv von Oktober, 2010

“Tatort” Internet

Liebe nities,

Keine neue Nachricht“ zu haben, womit sich meine Gedanken im Blog der letzten Woche beschäftigten, ist schon irgendwie deprimierend. Einige User versuchen deshalb einem leeren Briefkasten und der damit verbundenen gefühlsmäßigen gähnenden Langeweile entgegenzuwirken, indem sie auf Internetseiten wie beispielsweise Facebook so viele „Freunde“ wie möglich „sammeln“. Wer viele Freunde hat, den kennt man, der wirkt interessant, dem wird geschrieben. So wird oftmals sogar wahllos jeder noch so fremde Kontaktwunsch bestätigt ohne überhaupt zu wissen, wer diese Person, der „Freund“, überhaupt ist. Ist man erst einmal miteinander vernetzt, lassen sich noch mehr Infos über einen ersehen. Mehr als oftmals gut ist.

Neu ist das Thema „Kriminalität im Internet“ nicht, ich weiß, aber von Zeit zu Zeit müssen wir uns einfach auch mal wieder damit beschäftigen.

Es ist ja alles schön und gut mit den vielen Kontaktbörsen. Man meldet sich irgendwo auf einer der vielen Internetseiten an, weil man neue Leute kennen lernen möchte. Sei es nun, dass man verschollene Schulfreunde aufspüren oder ganz neue Kontakte in seiner Umgebung knüpfen möchte. Es gibt viele Möglichkeiten und Foren zu bestimmten Themen.

Was ist aber, wenn es User gibt, die sich nicht mit der allerbesten Absicht in diesen Foren tummeln? Davon gibt es sogar nicht gerade wenige! Dem suchenden Täter werden potentielle Opfer im Internet wie auf einem Silbertablett serviert.

Aktuell berichten die Medien über den Mord an der 23-Jährigen Melanie aus Peine. Sie hatte ihren Mörder, einen 27-Jährigen, auch im Internet kennen gelernt. Der junge Mann gab sich als Frau aus und hatte eine Freundin gesucht.

Wie viele Menschen stellen ohne groß drüber nachzudenken persönliche Angaben für jedermann zugänglich ins Netz?

„Wer soll sich schon gerade für mich interessieren?“ „Bei mir gibt es eh nichts zu holen.“ „Ich bin doch vollkommen uninteressant.“ So lauten die Argumente, mit denen wir uns selber bei aufkommenden Fragen diesbezüglich besänftigen. Doch das interessiert den „netten Nachbarn von nebenan“ nicht. Auch und gerade so genannte „Normalos“ sind leichte Beute für Kriminelle, denen es nicht mal unbedingt um Reichtümer geht. Nicht selten suchen und finden Voyeure und Pädophile ihre Beute im Netz. Ausgerechnet denen wird es oftmals sogar recht leicht gemacht: private Fotos, Angaben zur Person, dem Beziehungsstatus und der kompletten Adresse mit Telefonnummer, Meinungen zu bestimmten Themen, Urlaubsankündigungen und die Teilnahme an bestimmten Events werden öffentlich gepostet.

Vor wenigen Wochen erst, machte die Meldung über eine Geburtstagsfeier eines Teenagers aus einer englischen Kleinstadt ihre Runde, bei der sich mehrere tausend Gäste zur Party angemeldet hatten. Versehentlich klickte die junge Frau bei ihrer Einladung auf Facebook auf den Button „senden an alle“, anstelle auf „senden an alle Freunde“. So ging die Einladung auch an alle, an wirklich alle, nämlich an alle User von Facebook, was über tausend Mitglieder dazu bewog, zu kommen. Ein Aufgebot von mehreren Polizei-Sonderstaffeln war notwendig, um die Kleinstadt vor dem Schlimmsten, einer Geburtstagsparty mit zigtausend Gästen, zu bewahren. Natürlich hatte die junge Frau ihre komplette Adresse angegeben…

Der Einbrecher fühlt sich doch direkt aufgefordert, wenn jemand so was schreibt wie „Bin jetzt erst einmal zwei Wochen auf Mallorca, juhu“. Das wäre sogar noch ein eher harmloser Fall von Kriminalität. Was ist mit den Männern, die sich in lokalen Internetforen mit Kindern und Jugendlichen verabreden, um mit ihnen Sex zu haben? Erst kürzlich berichtete der „Stern“ über dieses Tabu-Thema. Kontakt- und Freizeitbörsen sind einst in guter Absicht entstanden, doch leider dringen auch hier Kriminelle immer weiter vor und haben mitunter sogar leichte Beute.

Kinder und Jugendliche sind statistisch gesehen ohnehin viel lockerer mit Informationen und Fotos, die sie einstellen. Wer zu viel Infos preisgibt ist sich seines Leichtsinns oft gar nicht bewusst.

Wir kennen es doch auch von uns selber. „Spionieren“ wir nicht auch aus purer Neugier die eine oder andere Seite von Freunden und Freundes-Freunden aus? Wen kennt die Person noch, was macht sie gerne und sogar wo ist diese Person an diesem und jenem Tag und was macht sie gerade? An welchem Event nimmt sie teil, was kann man auf Fotos erkennen. Selbst potentielle Chefs schauen mittlerweile gerne mal im Internet nach, was sie über den Mitarbeiter oder Bewerber finden.

Auch wenn die Struktur hier bei new-in-town etwas anonymer aufgebaut ist als beispielsweise in diversen anderen Netzwerken, so beklagen doch einige von euch auch hier gewisse Belästigungen, möchten User sperren lassen (das könnt ihr übrigens unter den „neuen Apps“) oder melden sich aufgrund solcher Belästigungen ab.

Habt ihr es hier schon mal mit wirklich bösen Absichten, Kriminalität oder sonst was zu tun gehabt? Erzählt uns davon! Die Kommentare hier werden immer anonym veröffentlicht, darum braucht ihr euch keine Sorgen zu machen, dass jemand euch erkennt. Wer hat hier oder anderswo im Netz schon kriminelle Erfahrungen gemacht? Wie konntet ihr euch wehren oder fühlt ihr euch aktuell bedroht? Schreibt uns!

Eure Katja

„Du hast 0 neue Nachrichten“

…oder: Die gescheiterte Kontaktaufnahme

Servus nities,

Mist, es ist deutlich kühler geworden und beginnt nachts sogar schon zu frieren! Also auf Wanderschaft gehen werde ich dies Jahr wohl doch nicht mehr. Erst recht nicht auf den Feldberg, wo gefühlsmäßig sicher bald schon der erste Schnee liegen wird! Brrrrr. Ich hatte letzte Woche ja noch ganz euphorisch weitere Wanderbeteiligungen meinerseits angekündigt. Nee, nee, nee, es muss was anderes her! Werde gleich mal schauen, was die Pinnwand so bietet.

Apropos „Kontaktaufnahme und Treffen“:
Im Gespräch mit anderen Leuten beklagen diese immer wieder mangelnde Kontaktbereitschaft. Meine nitie-Bekannte „coci_ffm“ hat mir erzählt, dass sie immer wieder potentielle Freizeitkandidaten anschreibt, es aber selten zu einem Treffen kommt. „Irgendwann melden die sich nicht mehr, einfach so?!“, klagte sie.


Erst dachte ich, es läge bestimmt an ihr oder daran, dass zwischen ihr und den bestimmten Usern einfach kein Funken rüber springen würde, die Chemie einfach nur nicht stimme. Doch dann, auf dem Stammtisch, erzählten auch „lissi“, „kosimix_1982“ und „fischkopp“ von ähnlichen Erfahrungen.
„So oft schreibe ich Leute an, die Freizeitpartner für genau die Sache suchen, die ich auch gerne mache. Wenn ich sie diesbezüglich anschreibe, ein paar Vorschläge mache oder ein Treffen anrege, dann hör ich nie wieder was von denen. Dabei sehe ich doch, dass derjenige die Mail gelesen hat. Ich verstehe das nicht.“

Da sich die gleichen Fragen häufen, will ich es heute mal zum Thema meines Blogs machen und bitte euch wie immer um eure Meinung. Diskutiert mit anderen, tauscht euch aus! Geht es euch auch so oder seid ihr sogar manchmal diejenigen, welche Kontakte abbrechen oder abgebrochen haben? Wenn ja, warum? Gehen euch bestimmte User auf die Nerven? Habt ihr doch keine Lust mehr, bestimmte Dinge gemeinsam zu machen oder habt ihr zu viele Antworten erhalten? Hat sich vielleicht jemand ungünstig ausgedrückt? Was sind die Gründe?
Vielleicht sind auch einige heute ganz neu dabei und wissen noch nicht, wie sie es mit der Freundschaftssuche am besten anstellen sollen? Ich erkläre mal ein bisschen, wie eine vorbildliche Kontaktaufnahme verlaufen könnte:

Also, die richtige Seite habt ihr ja schon aufgerufen, (sonst wärt ihr ja nicht hier ;-) ) dann klickt ihr oben bei den unterschiedlichen Reitern auf die „Pinnwand“. Es erscheint eine neue Seite. Dort gebt ihr nun unter „Stadt“ eure Stadt ein. Nun könnt ihr noch weitere Dinge suchen, wie z.B. die „Entfernung“ zu eurer gewählten Stadt oder eine bestimmte „Kategorie“ (=Hobbys), müsst dies aber nicht alles anwählen. Nun auf „Suchen“ klicken und sich freuen, was da alles erscheint.
Oder ihr schreibt Leute direkt auf der „Pinnwand“ an, auf ihre neusten Einträge. Das ist meist sinnvoller als die zuerst vorgestellte Methode, da diese nities AKTUELL bestimmte Gleichgesinnte suchen. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand eine freundliche Antwort auf eine aktuelle Suche nach einem Freizeitpartner ablehnt ist wesentlich geringer, als eine (möglicherweise) „Karteileiche“ anzuschreiben, die gerade Nichts und Niemanden sucht.

Solltet ihr weiterhin überhaupt keine Antwort erhalten, dann würde ich als Grund zuerst einmal Netzwerkprobleme diagnostizieren und an den Support überweisen bzw. verweisen.
Solltet ihr ein paar Nachrichten erhalten, aber die Schreibbereitschaft aller, wirklich aller (!) User, nach kurzer Zeit wieder abflachen, dann müsst ihr als Ursache vielleicht doch mal euren Schreibstil überdenken und solltet euch fragen, ob ihr nicht vielleicht doch selber einen Grund des Rückzugs bietet.

Aber ansonsten würde ich sagen, in gewisser Weise ist es wohl auch normal, dass Menschen unterschiedlich reagieren und handeln. Das macht es ja auch irgendwie spannend. Es gibt virtuell eben genau so viele Unterschiede wie im wahren Leben.

Nun möchte ich aber, dass ihr eure Chance nutzt und hier ein wenig über solche Dinge diskutiert!
Wie denkt ihr über die Arten der Kontaktaufnahme oder besonders des plötzlichen Abbruchs? Sind „virtuelle Menschen“ nicht mehr in der Lage zu kommunizieren? Ist das einfache „Nichtstun“ die beste Lösung, um jemanden los zu werden? Auf welcher Seite steht ihr oder was habt ihr hier schon so erlebt? Ich will es wissen!

Eure Katja

Ein Ausflug in den Taunus (Ein kleiner Erlebnisbericht)

Liebe nities,

was für ein toller Herbst!

Die Temperaturen steigen wieder ein wenig, der Regen verschont uns weitgehend mit seinem Besuch, die Laubbäume schenken uns mit ihrer bunten Farbenpracht einen stimmungsvollen Landschaftsblick. Was will man mehr? Das muss man doch ausnutzen, dachte ich.

So überlegte ich mir kürzlich, wie ich den goldenen Oktober wohl am Besten ausnutzen könnte. Meine sonst so geliebten Straßen- und Stadtfeste oder Veranstaltungen irgendwo in überdachten Räumen, empfand ich der wunderschönen Jahreszeit gegenüber als nicht würdig genug.

“Du musst raus in die Natur“, flüsterte mir mein Unterbewusstsein leise zu. Und wo schaue ich bei meiner Freizeitplanung zuerst nach, ob ich Ideen und Anregungen finde? Natürlich bei new-in-town!

So fuhr ich meinen PC hoch, loggte mich mit meinem Nickname und Passwort ein und durchforstete die Pinnwandanzeigen meiner Region. Sofort auf der ersten Seite sprang mir die Anzeige eines Users namens „lustiger_wanderstock“ in die Augen. Den genauen Wortlaut der Anzeige habe ich leider nicht mehr im Kopf, aber das ist ja auch nicht so wichtig. Inhaltsverwandt sagte sein Angebot folgendes aus:

Wandern im Taunus
Wir sind eine nette Wandergruppe von Anfängern bis Fortgeschrittenen, von 30-50 Jahren und wandern an jedem schönen Sonntag durch den Taunus. Gerne nehmen wir neue Wanderleute mit. Ihr müsst keine Leistungssportler sein, nur Spaß und Freude an der Sache, sowie festes Schuhwerk ist mitzubringen. Am Ziel kehren wir dann gemeinsam in ein Wirtshaus ein. Meldet Euch. Wir freuen uns auf neue Mitstreiter.

Hui, das war was für mich! Auch wenn der zweite Teil der Anzeige mir zuerst ins Auge sprang: Leistungssportlerin bin ich in der Tat nicht und in ein Wirtshaus einkehren, das gefällt mir. Die Bilder eines leckeren zünftigen Mahls, eingenommen in einem urigen alten Wirtshaus und der Duft köstlichen Kuchens nach Omas Art gebacken, stieg in meinem Unterbewusstsein hoch und meldete sich mit einem unkontrollierten Schmatzen meiner Zunge. „Ja!“

Die Wanderschaft, die werde ich wohl auch noch hinter mich bringen, ermutigte ich mich und bezwang meinen wohl bekannten inneren Schweinehund. Sofort klickte ich den „Antworten-Button“ und sagte „lustiger_wanderstock“ verbindlich zu und er kurze Zeit später mir.

Wenige Tage später war es dann soweit. Der „lustiger_wanderstock“, welcher sich in den Nachrichten, die wir bezüglich der bevorstehenden Wanderung ausgetauscht hatten, übrigens mit „Richard“ vorstellte, nannte mir den genauen Treffpunkt und Ort. Über eine Sache dachte ich zuerst noch ein wenig nach, seinen richtigen Namen: Richard!?

In meinem Bekanntenkreis überwiegen männliche Vornamen wie Markus, Andreas, Frank oder Stefan. Aber Richard? So heißen nicht ganz so viele Männer meiner Generation. Vor einiger Zeit, noch im jüngst vergangenen Sommer, da lernte ich auf der Geburtstagsfeier einer nitie-Freundin nämlich einen Richard kennen. Er kümmerte sich damals um den Grill. Wir haben nur ein paar Worte gewechselt, mehr eigentlich nicht. Aber ihn zu fragen, ob er schon mal „Grillwärter“ einer Party gewesen ist und zu erwarten, dass er sich ausgerechnet an mich und unser kurzes Gespräch erinnert, dass konnte ich nun auch wieder nicht. Wäre ja auch ein großer Zufall, wenn das ausgerechnet dieser Richard wäre. So fragte ich ihn nicht. Für mich blieb er der „lustiger_wanderstock“.

Ich freute mich, dass für das bevorstehende Wochenende weiterhin bestes Wetter vorhergesagt wurde. Meine festen Schuhe und der Rucksack standen schon seit einigen Tagen in freudiger Erwartung bereit.

Den kleinen Kreis der Wanderleute entdeckte ich sofort, als ich am ausgemachten Sonntag um 10 Uhr (bzw. mit meiner obligatorischen Fünf-Minuten-Verspätung) am Startpunkt, einem Parkplatz im Taunus, eintraf. Ohne zu überlegen lief ich auf die Gruppe zu, die ich als die Wandertruppe der NIT-Leuten deutete und die es natürlich auch war. Dann sah ich Richard! Sofort musste ich lachen, er lachte auch und kam bereits auf mich zu. „Hey, du bist doch die von der Grillparty! Ich habe es mir fast gedacht, wollte aber nicht fragen!“

Ich weiß auch nicht wieso, aber wir umarmten uns freundschaftlich, während wir uns vor Lachen kringelten! Wie klein die Welt doch ist! Da schreibt man jemandem „anonym“ über seinen Nicknamen und kennt ihn bereits!


Aus der Runde kannte ich natürlich noch so einige andere nities von dieser und jener Veranstaltung, aber das passiert mir öfter. Dass ich Richard jedoch geschrieben hatte, mich ihm äußerlich beschrieb, wir uns aber bereits kannten und sogar in der Vergangenheit persönlich unterhalten hatten, jedoch zuerst über den Nicknamen nicht erkannten, das war ein wirklich lustiges, unerwartetes Erlebnis.

Die Wanderschaft an sich verlief auch sehr nett. Das Wetter, wie gesagt, war prima, die Leute recht sympathisch und der Muskelkater in den darauf folgenden Tagen ziemlich hartnäckig. Wir spazierten (Profis nennen es “wandern”) ungefähr so 3-4 Stunden recht zügig durch das Hessische Hochland. Dennoch kam es mir nicht so anstrengend vor, wie ich befürchtet hatte. Wie gesagt, ganz so sportlich bin ich ja auch nicht gerade. Durch viel Rast, nette Gespräche und neue Kontakte, merkte ich gar nicht, wie viele Kilometer ich eigentlich zurückgelegt hatte. Nicht zuletzt dadurch, dass ich die genaue zeitliche Länge nicht notiert hatte, vermute ich, dass es ein schöner Ausflug gewesen sein musste. (Sonst hätte ich ja ständig auf die Uhr geschaut.)

Die Belohnung – bei mir in Form eines ofenfrischen Pflaumenstreuselkuchens – in einem urigen Wirtshaus, hatte ich mir am späten Nachmittag redlich verdient.

Wenn das Wetter es in diesem Herbst noch einmal zulässt, will ich erneut mit von der Partie sein, wenn es wieder auf Wanderschaft geht und natürlich stetig andere Freizeitaktivitäten der Pinnwand ausprobieren. Vielleicht lerne ich dabei dann auch wieder jemanden “neu kennen”, den ich bereits eigentlich schon vorher kannte, wie “lustiger_wanderstock”, meine Partybekanntschaft Richard.

Eure Katja

PS: Ein großes Danke für die freundliche Unterstützung des Bildes “Feldbergimpression” an die Wanderleute Bettina und Stefan B. aus Frankfurt. :-)

Auszug aus meinem Buch “Ohne Mann tut’s auch! …oder?”, Kapitel “WER macht WAS”, S.118

„WER macht WAS“?

Wir schreiben das Pfingstwochenende. Seit einigen Tagen bereits hängt eine dunkle, dicke Wolke über unserer Stadt, die einfach nicht davonziehen will. Alle paar Stunden entleert sie sich mit nasskalten Regentropfen, die einem jegliche Ausflugsgedanken aus den schützenden, heimischen vier Wänden hinterhältig zu verhindern versuchen.

Mich zieht so eine universelle Einwirkung auf mein Leben stimmungsmäßig immer ganz schön herunter. Was soll ich nur tun? Womit kann ich mich beschäftigen? Wie bekomme ich die endlos zu scheinenden Feiertage bloß rum?
Ich überlege, ob ich René anrufen sollte. Aber auf der anderen Seite kann ich ja auch keinem Mann hinterherlaufen! Er wird sich sicher melden, muss er ja auch – wegen der Fotos.
Komisch, dass einem im Zuge eines melancholischen Tiefs immer irgendwelche Exfreunde oder potentiellen Lover einfallen! Als ob ich nicht alleine wüsste, wie ich mir die Zeit vertreiben könnte! Wenn ich an René denke, ich werde einfach nicht schlau aus ihm. Irgendwie steh ich total auf ihn und fühl da auch irgendeine Bindung zwischen uns. Dann aber auch plötzlich wieder doch nicht!?

Gut, man soll nicht nur nach Äußerlichkeiten schauen, heißt es. Aber ich schau mir auch keinen hässlichen Kerl an und such anschließend nach guten inneren Werten. Nee, dass mache ich auch wieder nicht! Ich gebe zu, das Äußere fällt mir zuerst auf. Dann erst schau ich mal, was er innerlich zu bieten hat. Ich arbeite mich so zu sagen von außen nach innen vor. Außerdem kennt doch jeder den schlaue Spruch „Schönheit kommt von innen“! Folglich ist ein hübscher, gepflegter Mensch auch innerlich hübsch! Muss ja so sein! René beispielsweise, er sieht soooo gut aus, aber ich weiß nicht, was ich von ihm halten soll? Irgendwie ist er komisch…
Da ich jedoch die Antwort eh nicht weiß, beschäftige ich mich im Moment nicht weiter damit.

Doch irgendwie bin ich ganz und gar nicht zufrieden mit mir und überlege, wie ich die Situation verändern könnte. Die Antwort lautet definitiv: Ich muss mehr raus, ich muss mehr unter Leute, ich muss mich ablenken! In meinem Kopf reiht sich eine Liste lauter „Muss-Aufforderungen“ an mich selber zusammen. So beschließe ich tatsächlich, etwas zu tun!
Wie so oft setze ich mich an meinen Apple und surfe erstmal ‘ne Runde kreuz und quer durchs Internet. Zufällig stoße ich dabei irgendwann auf einen Banner, der mich zu einer ganz neuen Seite für Ausgehtipps in meiner Gegend führt.

„WER macht WAS“ heißt das Forum.

Super, denke ich. Ich werde mich hier gleich mal ein bisschen verabreden. Das bringt Horizonterweiterung und neue Erfahrungen!

Optimistisch wie ich so bin, melde ich mich also gleich an und schau’ mir die Einträge der Gleichgesinnten, leicht gelangweilten Zeitgenossen, an:

<Neu in der City, suche Menschen, die mir die Stadt zeigen.>
Hmmm…!?,
denke ich.
<Wer kommt mit zum Laufen am Mainufer? Bin auch ein begeisterter Squash Spieler.>
Na ja…?!

Zwischendrin lese ich auch so was:

<Gammele mit ungesundem Fast Food auf dem Sofa herum, schau mir eine Soap nach der andern an und bemitleide mich selber. Wer holt mich raus aus dem Dilemma, bevor die beste Zeit meines Lebens vorbei ist?>
Das klingt aber ziemlich deprimierend,
denke ich und überlege, ob ich auch so klingen würde, wenn ich mal etwas verfassen würde. Nee, das würde ich sicher nicht!

Ja, warum verfasse ich eigentlich nichts? Klar, wenn hier nichts ist, was mich anspricht, dann muss ich eben selber handeln. So tüftele ich an einem auf mich zutreffenden Pseudonym, wähle „Paparazzo“ und setze selber etwas auf. Da ich nicht unbedingt vorhabe, einen Mann für eine Beziehung kennen zu lernen, halte ich mich bedeckt:

<Wer hat Lust ab- und an mal ‘nen schönen Milchkaffee mit viel Milchschaum trinken zu gehen, zu quatschen bis tief in die Nacht oder Stadtfeste zu besuchen? Freu mich auf viele nette, neue Kontakte.>, schreibe ich für meine Verhältnisse ungewöhnlich sachlich. So wird sich hoffentlich niemand angesprochen fühlen, der nur „das Eine“ will! Vielleicht melden sich auch Frauen und außerdem drücke ich mit der Anzeige Unverbindlichkeit aus. Mit einem einzigen Klick setze ich die Anzeige, die meinem Leben neuen Schwung geben soll, in das Internet. Jetzt heißt es abwarten…

Als ich meinen Computer das nächste Mal hochfahre blinken sage und schreibe 18 neue Nachrichten in meinem Posteingang auf! Wow!!!!!!!!!, denke ich, so kann es weitergehen!

Freudig und meiner unmittelbaren Zukunft gegenüber positiver eingestellt als noch vor wenigen Minuten, gehe ich nach und nach auf meine vielen Antworten ein. Ähnlich meiner Anzeigen vor ein paar Jahren ist das meiste wieder nicht zu gebrauchen. Wie soll ich es ausdrücken? Leute, die sich auf jede Anzeige melden erkenne ich sofort, ebenso all die Strolche, die nur einfach viele Frauen kennenlernen wollen.

Unter den Emails befinden sich sogar einige Nachrichten von weiblichen Internetnutzern. Sich auf ‘nen Kaffee mit mir treffen, wollen also doch einige Fremde.

Marika (seltsamer Name) schlägt einen Brunch vor, gleich nächsten Sonntag um elf. Ich sage zu, denn etwas essen müssen wir ja alle mal!
Ferdinand möchte sich am Sonntagnachmittag mit mir treffen, aber der Name hält mich irgendwie noch ab! Ferdinand… Wer heißt denn heutzutage noch Ferdinand? Ich stelle mir schon vor, wie dieser Ferdinand ausschaut! Nee, ich warte noch mit meiner definitiven Zusage…
Ein Tobias schreibt, er würde mich ganz gerne sofort treffen, denn er habe gerade nichts weiter zu tun. Zwar besuche ihn gerade ein Freund, aber diesen könne er ja gegebenenfalls einfach mitnehmen. Ich beantworte diese spontane Email auch sofort, denn ich hab gerade ja eigentlich auch nichts weiter zu tun. Ob ich nicht eben kurz anrufen mag, lese ich in seiner nächsten Mail, die direkt der meinen folgt, welche noch keine drei Minuten raus ist. Da ich – wie gesagt – eigentlich gerade auch nichts Weltbewegendes zu tun habe, wähle ich Tobias Nummer.

„Hallo!?“, meldet er sich unverbindlich.

„Hi, hier ist Carina“, antworte ich ihm wie selbstverständlich. Schließlich hat er mir ja eben erst seine Nummer gegeben, da wird er sich ja denken können, dass ich antworte. Ich bin weder aufgeregt über den neuen, unbekannten Kontakt, noch stelle ich neugierige Fragen über seine Person, Hobbys oder anderes. Tobias tut dies auch nicht.
Wir wechseln also nicht viele Worte, da unterbricht Tobias: „Ich habe noch mehr Leute angemailt. Wir wollen uns gleich alle im „Stuhlkreis“ treffen. Komm doch auch!“
Ah, denke ich, hier werden gleich Nägel mit Köpfen gemacht und keine Zeit verschwendet. So mag ich das! Da ich absolut nichts gegen einen schönen Rotwein habe, gefällt mir die Idee, was Trinken zu gehen.

Bei dem „Stuhlkreis“ handelt es sich um eine gut besuchte, gemütliche Kneipe im Nordend der Stadt. Diese liegt außerhalb der touristischen Ausflugsziele, ist Einheimischen jedoch ein Begriff. Hier treffen sich Studenten, sowie Banker und Kontaktknüpfwillige wie wir. Der Name der Lokalität entstammt der Sammelfreude des Inhabers. Von Flohmärkten oder Haushaltsauflösungen ergattert dieser gerne eine Menge unterschiedlicher Stühle, die er selber restauriert und in das Lokal stellt. Wem seine Sitzgelegenheit so gut gefällt, dass er sich nicht mehr davon trennen will, kann diese – wie sein bestelltes Bier – anschließend käuflich erwerben.

„Okay“, stimme ich ohne lange zu überlegen ein. „Wie erkenne ich dich oder euch?“

„Ich habe was Schwarzes an, kurze Haare und bin mit einem Freund da, Jochen. Dieser hat lange Haare und trägt ne Jeans. Mal sehn, wer dann noch alles so kommt. Aber das weiß ich ja nicht. Habe allen gesagt, sie können ja mal vorbei kommen.“Auch wenn die Typenbeschreibung nicht gerade individuell klingt, verspreche ich, die richtigen Männer, also Tobias und Jochen, anzusprechen. Im Stillen schleichen sich mir allerdings wieder alle möglichen Assoziationen bezüglich der Namen der beiden in den Sinn: Tobias, das klingt wie ein ganz normaler Durchschnittsmensch. Als Baby ist er sicher Wunschkind gewesen, aufgewachsen mit ein oder zwei Geschwisterchen, nach der Schule brav eine Ausbildung begonnen und jetzt bestimmt als solider Mitarbeiter irgendwo im technischem Bereich tätig. Ein Tobias sieht nett aus, ist nett und man kann sich voll und ganz auf ihn verlassen.
Jochen
, überlege ich weiter. Was kann das für einer sein? Ach du liebe Zeit! Meine Phantasie blüht auf. Kannte ich nicht mal einen Jochen? War das nicht der schlabberige Ökotyp aus der Nachbarschaft, der Tag für Tag in Birkenstocklatschen und Schlabberpulli herumlief?
Nachdem ich mein Urteil gegenüber den beiden Unbekannten gefällt habe, steige ich, dennoch voller guter Dinge, in mein Miniauto, um die beiden Junggesellen zu treffen, deren weiteren spontane Internetkontakte vielleicht auch noch vorbeischneien. In mir macht sich eine weibliche Intuition breit. Mit immer deutlich werdender gedanklicher Zustimmung fühle ich, dass dieses Treffen einiges verändern oder anregen wird. Ich spüre Veränderung…

Vorläufiges Ende.

Wollt Ihr wissen, wie es weitergeht?
Mein BuchOhne Mann tut’s auch! …oder?“, welches u.a. von meinen NIT-Erlebnissen berichtet, ist über diesen amazon Link zu bestellen.
;-)

Eure Katja

Gedankengänge zum Nationalfeiertag: Was ist gut dran, in Deutschland zu leben?

Liebe nities,

am 3. Oktober ist es wieder soweit, die Wiedervereinigung jährt sich zum 20. Mal. Aus diesem Anlass wollen wir mal ein wenig in uns gehen und uns überlegen, was gut dran ist, in Deutschland zu leben.

Ich will euch weitgehend mit politischen Aspekten verschonen, wir kennen die Entstehung und den Hintergrund hoffentlich ohnehin alle. Viel mehr möchte ich von EUCH wissen, wie ihr die Sache mit der Wiedervereinigung, dem zusammengewachsenen Deutschland und all dem, was danach kam und wie es sich hier lebt, jetzt seht?
(ARD-DeutschlandTrend hat zu dem Thema auch schon eine Umfrage gestartet:
http://de.news.yahoo.com/blogs/allgemein/umfrage-leben-im-vereinten-deutschland-p120186.html – Wäre jedoch schön, wenn ihr HIER kommentiert. ;-) Yahoo hat doch schon viel zu viele Antworten, das liest sich doch eh niemand alles durch.)

Gerhard Schröder, unser ehemaliger Kanzler, wollte im November 2004 den Nationalfeiertag etwas verlegen, nämlich auf den ersten Sonntag im Oktober, damit die Wirtschaft angekurbelt werde. Dieser Vorschlag stieß damals auf heftige Gegenwehr, so dass er nach einer kurzen, aber heftigen Debatte verworfen wurde. Mittlerweile ist es aber wieder so, dass die Geschäfte öffnen dürfen. Sogar jetzt, im Jahre 2010, am 20. Jahrestag, der direkt auf einen Sonntag fällt, gibt es vielerorts einen verkaufsoffenen Sonntag. Nix mit Feiertag für viele Menschen der in Geschäften arbeitenden Bevölkerung. Aber es geht ja nicht nur darum, einen Feiertag zusätzlich zu genießen, es gibt noch ganz viele andere Gründe, Vor- und Nachteile, die mit dem 3. Oktober verbunden sind.
In den zwanzig Jahren sind beide Teile Deutschlands zusammengewachsen oder sollten es zumindest sein. Dies ist auch jetzt noch nicht immer einfach. Zu viele Unterschiede gab und gibt es zwischen Ost und West.
Aber jetzt seid ihr gefragt! Überlegt euch, was ihr gut oder weniger gut findet, in Deutschland zu leben. Vielleicht kommen auch einige nities von euch aus Ostdeutschland und sehen die Sache anders. Erzählt es uns! Alle Kommentare werden anonym (also nur mit Nickname und ohne E-Mail Adresse) veröffentlicht.

Horst Köhler (Bundespräsident von 2004-2010) hat meine Frage bereits (vor einigen Jahren) beantwortet und sagte Folgendes:
“Seit dem Jahr 1990 leben die Deutschen in Ost und West wieder in einem gemeinsamen Staat. Wir haben in dieser Zeit viel gemeinsam erreicht und manches übereinander gelernt. Wir sind bescheidener in unseren Erwartungen und realistischer in unserer Selbsteinschätzung geworden. Noch immer stehen wir vor großen Herausforderungen. Wir haben aber auch alle Voraussetzungen, sie zu meistern. Unser Land hat nicht ohne Grund überall auf der Welt einen guten Namen. Er steht für Erfindergeist, Fleiß und organisatorisches Geschick, für die Kulturnation, für sozialen Frieden und Rechtssicherheit, für große Erfahrung auf den Weltmärkten und für Spitzenprodukte. Es gibt allen Grund zur Zuversicht.”

Was mir spontan noch dazu einfällt: In Deutschland läuft vieles im Gegensatz zu anderen Ländern “geregelter” ab. Die hochgelobte “Deutsche Pünktlichkeit, Ordnung und Zuverlässigkeit” zum Beispiel. Spuckt ihr in diversen Großstädten euren Kaugummi auf die Straße, so müsst ihr mitunter 20 Euro dafür blechen. In fernöstlichen Ländern dient die Straße als Abfalleimer. Umweltschutz ist ein Fremdwort.

Und Contra: Schauen wir uns in Deutschland das Wetter an, so möchten nicht wenige am liebsten auswandern. Auch die Preise die spätestens durch den Euro in die Höhe geschnellt sind, machen es einem nicht gerade leicht, in Deutschland zu leben. Jetzt finden vielerorts wieder Volksfeste statt. Neulich erst habe ich mit einigen nities die Frankfurter “Dippemess” besucht. Ein Backfischbrötchen kostete dort beispielsweise 6,50 Euro. Den DM-Preis darf man sich nicht ausrechnen, dann vergeht einem der Appetit. Eine Rundfahrt im Riesenrad machte 4,00 Euro aus und die Fahrt mit den Öffentlichen fast 4,60 Euro. Fährt man dann noch Achterbahn, trinkt etwas oder schießt – als Mann – seiner Liebsten eine Rose oder kauft ein paar Lose, so muss man als Normalverdiener für einen Besuch auf dem Rummelplatz umgerechnet 2-3 Stunden arbeiten. Ich weiß nicht, wie es in anderen Ländern aussieht, aber mir scheint, dass das Leben in Deutschland ausgesprochen teuer ist.

So, jetzt ihr. Was meint ihr dazu? Schreibt, kommentiert und diskutiert.

Eure Katja

PS: Ich möchte noch erwähnen, dass diese, meine Gedankengänge zum Thema, “Was ist gut in Deutschland zu leben?”, natürlich nicht alle unmittelbar etwas mit dem Nationalfeiertag zu tun haben. Auch möchte ich mich bei dem Thema nicht zu sehr “aus dem Fenster lehnen”. Ich bin keine politisch aktive Person, gehöre keiner Partei an und sonst was. Ich tippe hier nur ein paar Gedankengänge ein, die euch zwar anregen sollen, auch etwas zu schreiben, aber auch nicht falsch verstanden werden sollen. Wir befinden uns immer noch auf einer Freizeit-Kontaktbörse.  :-)